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Missverständliche Botschaft: Trinken aus der Kloschüssel?

Neulich sind wir bei einer Wanderung in einer sehr netten Alpe eingekehrt: tolle Lage, schöne Sonnenterrasse, gute Brotzeiten mit Käse aus eigener Herstellung. Beim Besuch der Toilette stieß ich dann auf dieses Schild:

Ein neuer Allgäuer Brauch?

allgaeuer-botschaft

Beim ersten Lesen war ich irritiert: Soll das heißen, dass man bei uns im Allgäu üblicherweise aus der Kloschüssel trinkt?

Dieser Brauch wäre mir neu (und das, obwohl ich seit 21 Jahren hier lebe!).

Mein Mann meinte dann, das Schild solle dazu auffordern, auf der Alpe keine mitgebrachten Getränke zu trinken, sondern vor Ort welche zu kaufen. Das leuchtet ein. Es ist auch viel netter formuliert als ein klassisches Verbot:

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass hier keine mitgebrachten Getränke konsumiert werden dürfen.

Oder es geht grundsätzlich darum, auf der Alpe nicht nur die Toilette zu benutzen, sondern auch etwas zu verzehren. Das wäre auch nachvollziehbar. So wie sie formuliert ist, handelt es sich aber um eine recht missverständliche Botschaft.

Eigenwillige Zeichensetzung

Als Briefprofi kann ich mich an dieser Stelle natürlich nicht zurückhalten, sondern muss zusätzlich an der Zeichensetzung herummeckern: Da ist wieder der leidige Apostroph, der eben nicht als Apostroph, sondern als Akzent gesetzt wurde, und das auch noch mit einem Leerzeichen zu viel. Zu diesem Thema habe ich hier schon einmal etwas geschrieben.

Außerdem sollte nach „Brauch“ ein Doppelpunkt oder ein Komma gesetzt werden, und nach „pinkelt“ (sofern man das Wort tatsächlich verwenden möchte), ist ebenfalls ein Komma angebracht.

Um einer Aufforderung Nachdruck zu verleihen, genügt übrigens ein einziges Ausrufezeichen. Auch wenn in den sozialen Medien derzeit eine wahre Ausrufezeichenschwemme zu beobachten ist!!!! Das ist aber irgendwann zu viel des Guten!!!!!

Da ich das Anliegen hinter dem Text nachvollziehbar finde und unterstütze, habe ich mir einen neuen Text überlegt:

Formulierungsvorschlag für eine weniger missverständliche Botschaft (mit korrekter Zeichensetzung):

Bei uns im Allgäu ist’s der Brauch: Wo man das Klo nutzt, bestellt man die Getränke auch!

Nun kann man ja niemanden zwingen, vor Ort etwas zu essen oder zu trinken. Wer nicht einkehren möchte, könnte sich aber an den Kosten der Toilettennutzung beteiligen:

Diese Toilette steht unseren Gästen kostenlos zur Verfügung. Andere Benutzer zahlen bitte 50 Cent an der Theke.

Dazu eine Allgäuer Variante:

S’Häusla koschtet 50 Cent, wenn ma bei eis koi Gascht ist.

Nachtrag 02.11.2016: Wie das so ist mit den Themen, die auf dem Weg liegen … Prompt war ich kürzlich wieder auf einer Alpe und fand dort folgendes Schild vor:

parken-und-einkehren

So geht’s natürlich auch. Und nein, ich schreibe jetzt nichts mehr zum Apostroph!

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