18. Oktober 2017
von Barbara
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Weihnachtsgrüße an Kunden – Muster für einen Weihnachtsbrief 2017

Große Feste müssen solide vorbereitet werden, damit man sie unbeschwert feiern kann. Und wenn man früh genug damit anfängt, wird das mit den Vorbereitungen auch nicht so stressig. Deswegen veröffentliche ich meinen Vorschlag für einen Weihnachtsbrief 2017 diesmal schon im Oktober – dann haben Sie früh genug Inspiration für die Weihnachtsgrüße an Ihre Kunden, um in der Vorweihnachtszeit nicht in Hektik zu verfallen.

Auf der Suche nach einem Einstieg bin ich auf ein etwas provokantes Zitat von Franz Wedekind gestoßen. Da sich der Todestag des Dichters 2018 zum 100. Mal jährt, war das ein passender „Aufhänger“.

Mein Vorschlag für einen Weihnachtsbrief 2017 an Ihre Kunden

Welchen Sinn hat das Leben eines Menschen, der keine Zeit hat?
Frank Wedekind (1864 – 1918)

Lieber Herr Kunde,

keine Zeit zu haben ist für uns alle oft genug der Normalzustand. Besonders in der Vorweihnachtszeit, wenn Budgets und Termine fürs neue Jahr zu planen sind und alle möglichen Aufgaben „noch schnell“ vor den Feiertagen erledigt werden sollen. Gerade dann sollten wir das Bonmot des Dichters Frank Wedekind beherzigen, dessen 100. Todestag im Jahr 2018 begangen wird. Denn es ist die fruchtbar verbrachte Zeit, die dem Leben Sinn gibt.

Der bevorstehende Jahreswechsel ist der Anlass, aus dem wir uns – gerne – die Zeit genommen haben, Ihnen diese Zeilen zu schreiben. Denn wir können am Ende des Jahres 2017 auf zwölf bewegte, manchmal sogar turbulente, insgesamt aber erfreulich erfolgreiche Monate zurückblicken. Das verdanken wir auch Ihnen, schließlich sind es unsere Kunden, die unseren Erfolg ausmachen.

Danke für die immer konstruktive Zusammenarbeit und den offenen Austausch, der für uns sehr wertvoll ist. Danke für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung!

Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachtstage und einen fröhlichen Rutsch in ein gutes neues Jahr – und dazwischen viel Zeit für die Menschen und Aktivitäten, die Ihnen am Herzen liegen.

Ihr …

Kundenkorrespondenz - Muster für einen Weihnachtsbrief 2017

Falls Sie noch mehr Ideen für die Formulierung Ihrer geschäftlichen Weihnachtsgrüße suchen, empfehle ich Ihnen folgende Beiträge:

Vorschlag für einen Weihnachtsbrief 2014

Muster für Ihren Weihnachtsbrief 2015

Weihnachtsgrüße: Musterformulierungen für Ihre geschäftliche Weihnachtspost

Weihnachtsbriefe: nützliche Tipps und Links für Ihre Korrespondenz

11. Oktober 2017
von Judith
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Der Terminator in der Pasta war nur ein Schreibfehler in der Speisekarte

Allergiker aufgepasst: Beim Italiener kann man beim Genuss einer Pasta offenbar ein unerwartet schnelles Ende finden. Dieser Verdacht drängt sich zumindest auf, wenn man den folgenden Hinweis liest, den ich auf der Speisekarte eines Düsseldorfer Gastronomen gefunden habe:

verwirrender Schreibfehler in der Speisekarte - Konterminierung statt Kontaminierung

Zum Glück ist die „Kreuzkonterminierung“ in Wirklichkeit bloß eine „Kreuzkontaminierung“ mit Schreibfehler. Das lateinische Wort „contamen“ bedeutet „Ansteckung“. Der Begriff „Kreuzkontaminierung“ bezeichnet die Ansteckung, die etwa von allergenen Erdnüssen oder Klebereiweißen ausgeht, wenn sie in Spuren mit anderen Lebensmitteln in Berührung kommen. Dass also ein Terminator in der Pasta hockt und dem Genießer beim Essen ein schnelles Ende bereitet, ist somit eher unwahrscheinlich.

Schreibfehler in der Speisekarte kommen republikweit täglich auf den Tisch. Deswegen haben wir uns schon des Öfteren damit beschäftigt. Zum Beispiel mit orthografisch unzulässig verkleinerten Brotzeitbrettern oder mit „feinem“ Speisekartendeutsch, das unfreiwillig komisch wirkt.

Cover - Die schreckliche deutsche Sprache von Mark Twain

5. Oktober 2017
von Barbara
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Rezension – Die schreckliche deutsche Sprache von Mark Twain

Ein Buch, das den Titel Die schreckliche deutsche Sprache trägt – das musste ich einfach lesen. Noch dazu, wo es von Mark Twain ist, dem Meister des lakonischen Witzes. Um es vorwegzunehmen: Ich empfehle es gerne weiter!

Was hat Mark Twain sich dabei gedacht?

Erschienen ist das Büchlein (in der zweisprachigen Fassung, die ich gelesen habe, umfasst es gerade einmal 95 Seiten) erstmals im Jahr 1880, und zwar als Anhang des Reisebuchs A Tramp Abroad. Passenderweise trugt dieser Anhang den Titel Appendix D. In meinem hübsch aufgemachten Büchlein steht auf der linken Seite jeweils der englische Originaltext, rechts die deutsche Übersetzung. Beide lesen sich sehr vergnüglich.

Zwar sind manche der von Twain angeführten Beispiele naturgemäß leicht veraltet, aber insgesamt sind seine Feststellung über die schreckliche deutsche Sprache so scharfsinnig wie zutreffend. Tatsächlich ist Deutsch eine komplexe Sprache, die sich keineswegs leicht lernen lässt. Oder, um es mit den Worten des Autors in seiner Muttersprache zu sagen:

A person who has not studied German can form no idea of what a perplexing language it is.

Trotzdem unternimmt er auf den folgenden Seiten den Versuch, die verwirrenden Aspekte des Deutschen zu schildern.

Was macht Deutsch zu einer so schrecklichen Sprache?

Um es kurz zu machen:

Es gibt zehn Wortarten, und jede von ihnen macht Schwierigkeiten.

Besonders das Aneinanderfügen einzelner Wörter „ohne Gelenke oder Naht“ (gemeint ist: ohne Bindestriche) macht dem englischen Schüler Schwierigkeiten. Ich persönlich finde es ja wunderbar, dass wir Deutschen problemlos aus praktisch jeder Wortart zusammmengesetzte Substantive bauen können, aber ich verstehe, dass es für einen Neuling in dieser Kunst gar nicht so einfach ist. Ich sage nur: Donaudampfschifffahrtskapitänsmützenbommel!

Mark Twain sagt dazu:

Manche deutschen Wörter sind so lang, dass sie über einen eigenen Fluchtpunkt verfügen.

Dazu führt er so hübsche Beispiele wie Dilettantenaufdringlichkeiten oder Waffenstillstandsverhandlungen an. Das sind zwar Wörter, die in unserem Wortschatz nicht mehr so häufig auftauchen, aber ich verstehe, was er meint.

Wortreich beklagt der Reisende auch die „Parenthesenseuche“ im Deutschen (was hat der Mann nur gegen Klammern, die sind doch so praktisch?) sowie die Eigenart, das Verb am Schluss eines Satzes zu platzieren.

In deutschen Zeitungen verstecken sie ihr Verb oft erst auf der nächsten Seite.

Naja, das ist vielleicht eine klitzekleine Übertreibung. Aber es ist noch gar nichts gegen die Einschätzung anderer Grammatikeigenarten.

Personalpronomen und Adjektive sind in dieser Sprache ein unerschöpfliches Ärgernis, und man hätte besser daran getan, sie wegzulassen.

Gut, es stimmt natürlich, dass unser sie im Englischen sowohl you, she, her, it, they oder them heißen kann. Je nach Fall eben. Und die Sache mit dem Deklinieren der Adjektive ist möglicherweise tatsächlich etwas komplex. Aber aus der Deklination von my good friend/mein guter Freund/meines guten Freundes/meinem guten Freund usw. Folgendes zu schließen, geht doch etwas weit:

Besser man hat in Deutschland überhaupt keine Freunde, als all diese Scherereien mit ihnen.

Dann ist da noch die Sache mit den Artikeln und dem Geschlecht.

Jedes Substantiv hat ein Geschlecht, und die Zuweisung erfolgt ohne Sinn und System. (…) Im Deutschen hat eine junge Dame kein Geschlecht, eine Weiße Rübe hingegen schon.

Hm, warum heißt es eigentlich das Mädchen, aber die Rübe? Der Tisch, aber das Bett? Egal, das muss man halt einfach mitlernen.

Immerhin hat die schreckliche deutsche Sprache auch positive Aspekte

Es sind zwar nur zwei Vorzüge, die Mark Twain ihr zugesteht, aber immerhin:

Im Deutschen beginnen alle Substantive mit einem Großbuchstaben. Das ist auf jeden Fall eine gute Idee; und in dieser Sprache ist eine gute Idee, ihrer Seltenheit wegen, zwangsläufig bemerkenswert.

Der zweite Pluspunkt ist, dass man deutsche Wörter schreibt, wie man sie spricht (und umgekehrt). Ja, genau! Und das ist ein großer Vorzug gegenüber dem Englischen, wo bestimmte Buchstabenkombinationen – nehmen wir nur ow oder ou  – in zahlreichen Klangvarianten interpretiert werden können. Da kann man im Englischen nur raten, wo wir im Deutschen Klarheit haben.

Das Deutsche muss reformiert werden!

Das findet jedenfalls der Autor. Er macht dazu auch mehrere konkrete Vorschläge. Vermutlich freut er sich posthum darüber, dass einige davon im heutigen Sprachgebrauch schon ziemlich häufig umgesetzt werden.

Konkret rät er, auf den Dativ zu verzichten, weil eh kein Mensch wisse, wann er sich in diesem befinde (war da nicht was, Herr Sick?), das Verb im Satz weiter nach vorn zu rücken und ein paar Kraftausdrücke aus dem Englischen einzuführen. Ich glaube, was diese drei Punkte angeht, sind wir kollektiv auf einem guten Weg.

Außerdem solle man die

Geschlechter neu ordnen und sie dem Willen des Schöpfers entsprechend verteilen.

Ha, und das schreibt jemand, aus dessen Muttersprache Wörter wie Blog oder Laptop stammen, die uns regelmäßig vor die Geschlechterfrage stellen! (Dazu haben wir uns in einem eigenen Post zu der oder das Laptop schon einmal Gedanken gemacht.)

Was sollten wir noch reformieren? Ach ja: Diese endlos langen Komposita abschaffen, kein haben sind gewesen gehabt an Sätze anhängen und die Parenthesen abschaffen. Wobei ich mich wirklich frage, warum er den Nutzen der Klammern und auch der teilbaren Verben gar so negativ einschätzt, wo er mit etwas mehr Offenheit diesen Elementen gegenüber doch einen gesteigerten Lesegenuss gehabt haben könnte … ach, lassen wir das.

Falls Sie Lust darauf bekommen haben, sich intensiver mit Mark Twains Jeremiade zu beschäftigen, können Sie sie hier bei Amazon bestellen (Partnerlink): Die schreckliche deutsche Sprache – Zweisprachig Englisch – Deutsch

Rezension Die schreckliche deutsche Sprache von Mark Twain - Pin

verärgerter Geschäftsmann, der in sein Telefon schreit

20. September 2017
von Barbara
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Formulierungstipps: Wie Sie unnötige Nachfragen vermeiden

Viele Unternehmen und Institutionen kennen das Problem mit den nervigen Nachfragen: Kaum hat ein Kunde, Mitglied oder sonstiger Vertragspartner irgendeine Nachricht versendet, schickt er schon die Frage hinterher, ob man sie denn bekommen habe. Oder, noch schlimmer: Er ruft an und fragt, ob alles angekommen ist und wie lange es noch dauern wird, bis es bearbeitet ist.

Leider kommen die betreffenden Mitarbeiter aber gar nicht dazu, etwas zu bearbeiten, weil sie sich ja ständig mit den Nachfragen beschäftigen müssen.

Kennen Sie das Problem auch? Dann wissen Sie, wie lästig das ist. Aber haben Sie schon einmal überlegt, wie Sie es lösen und unnötige Nachfragen vermeiden könnten?

1. Warum fragen die Leute überhaupt ständig nach?

Ganz klar: Die Ursache ist vor allem Unsicherheit.

„Haben Sie meine Nachricht bekommen?“

Das fragt man nur, wenn man keine Reaktion darauf erhalten hat. Sonst wüsste man es ja.

„Wie lange dauert es, bis Sie …?“

Das ist ebenfalls eine Frage, die aus Informationsmangel entsteht. Wenn ich wüsste, wie lange der jeweilige Prozess ungefähr dauert, müsste ich ja nicht danach fragen.

2. Wie können Sie schon im Vorfeld unnötige Nachfragen vermeiden?

Im Prinzip ist das ganz einfach: Sie müssen vor allem die Unsicherheit der potenziellen Nachfrager verringern und die beiden Fragen, die sie beschäftigen, vorab beantworten.

Dazu ein Beispiel, das ich heute in meiner Eingangspost gefunden habe. Ich sollte meine jährliche Meldung an die Künstlersozialkasse ausfüllen und fand unter der Beschreibung zum Prozedere folgende Hinweise:

Von der Übersendung per Telefax bitten wir wegen der erfahrungsgemäß erhöhten Störanfälligkeit und schlechten Lesbarkeit abzusehen.

Aufgrund der Vielzahl der zu verarbeitenden Meldungen bitten wir Sie des Weiteren, von Eingangsfragen abzusehen. Danke für Ihr Verständnis.

Netter Versuch! Aber noch optimierungsfähig. Natürlich ist es sinnvoll, Telefax-Meldungen zu vermeiden, weil das Fax tatsächlich störanfälliger ist als andere Medien. Aber dann bieten Sie doch die Fax-Meldung erst gar nicht an, sondern schreiben Sie gleich, was Sie wollen.

E-Mail und Online-Meldung bzw. -Bestellung haben noch einen weiteren Vorteil: Sie können im System eine automatische Eingangsbestätigung auslösen. Die verhindert auch automatisch einen Großteil der lästigen „Eingangsfragen“.

Bitte senden Sie uns Ihre Meldung per E-Mail oder per Brief oder nehmen Sie sie direkt in unserem Onlinesystem vor. Wenn Ihre Meldung erfolgreich war, erhalten Sie eine automatische Meldebestätigung.

3. Und was ist mit den Fragen nach der Bearbeitungsdauer?

Für die gilt dasselbe: Informieren Sie bereits im Vorfeld darüber, wie lange Sie dafür benötigen, dann brauchen die Leute nicht danach zu fragen. Das können Sie oft auch gleich in die automatische Eingangsbestätigung einbauen. Zum Beispiel so:

Vielen Dank, wir haben Ihre Meldung/Bewerbung/was auch immer erhalten. Die Bearbeitung wird etwa … Tage/Wochen dauern. Wir informieren Sie sofort per E-Mail, wenn der Vorgang abgeschlossen/eine Entscheidung gefallen/was auch immer passiert ist.

Die allermeisten Leute werden, wenn sie diese Informationen erhalten haben, zumindest für den angesprochenen Zeitraum auf unnötige Nachfragen verzichten. Und Sie können Ihre Zeit für Ihre eigentliche Arbeit verwenden.

Wie Sie unnötige Nachfragen vermeiden - Formulierungstipps

Vielleicht entstehen Nachfragen aber auch daraus, dass die Empfänger Ihrer Nachrichten Sie nicht verstehen, weil Sie zu sehr als Experte formulieren? Dann könnte Sie unser Tipp Fachbegriffe und Kürzel: Vorsicht im Kundenkontakt! interessieren.

30. August 2017
von Judith
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Verflixte Mehrzahl: Pflege im Plural

Pflege lässt sich vervielfachen. Wer es nicht glaubt, der lese diese Ankündigung im Schaufenster eines Kosmetikgeschäfts:

Pflege im Plural - Werbeschild für „Gesichtspflegen“

Nach Anwendung von zwei „Pflegen“ wird die Gesichtshaut hoffentlich glatter, zarter und jünger aussehen als vorher. Meine allerdings nicht. Grund dafür sind zwei steile Falten, die sich angesichts dieser Pluralbildung zwischen meinen Augenbrauen gebildet haben.

Pflege im Plural – geht das denn?

Erst ein Blick in die Grammis-Datenbank, das grammatische Informationssystem des Instituts für deutsche Sprache, erklärt, warum mein Stirnrunzeln nicht von ungefähr kommt: Abstrakte Begriffe (Friede, Glanz, Spott) setzt man normalerweise nicht in die Mehrzahl und Substanzbezeichnungen (Gold, Heu, Milch) auch nicht. Von den „Gesichtspflegen“ ganz abgesehen weiß ich jetzt auch, weshalb ich immer Falten bekomme, wenn ein Kunde mir von irgendwelchen „Problematiken“ erzählt.

Der Fairness halber sei aber gesagt, dass es Grenzfälle gibt und dass in der Fachsprache viele Pluralbildungen auch bei Hauptwörtern möglich sind, die eigentlich doch Abstraktes oder bestimmte Substanzen benennen. Öle zum Beispiel. Oder Freizeiten (in der Bedeutung von Zeltlagern). So gesehen mag vielleicht nicht jeder beim Anblick mehrerer „Gesichtspflegen“ wie ich zur verstärkten Faltenbildung neigen.

Faustregel zur Pluralbildung

Falls Sie nach einer ganz einfachen Antwort auf die Frage suchen, welche Wörter man in den Plural setzen kann und welche nicht, dann sei Ihnen folgende Faustregel genannt: Zählbare Wörter lassen sich problemlos in der Mehrzahl verwenden, unzählbare nicht. Eine Tube, zwei Tuben, drei Tuben – das geht; die Pluralbildung ist möglich. Eine Liebe, zwei Lieben, drei Lieben – das geht nicht; also belassen Sie dieses Wort lieber im Singular.

Aber die Pflege im Plural? Eine Pflege, zwei Pflegen, drei Pflegen? Lieber nicht. Und mal ganz ehrlich: Mehrere Problematiken sind auch nicht gerade gut für das seelische Wohlbefinden, oder nicht? Schon einer glatteren Stirn zuliebe sollten Sie solche grammatischen Experimente lieber bleiben lassen …

Duden 2917 und 26. Auflage nebeneinander

21. August 2017
von Barbara
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Duden 27. Auflage 2017 – das ist neu im neuen Duden

Seit einigen Tagen steht er schon auf meinem Schreibtisch, der neue Duden 2017. Er ist optisch etwas frischer und auch etwas dicker (1254 statt bisher 1216 Seiten) als sein Vorgänger aus dem Jahr 2013. Aber was ist sonst neu in der 27. Auflage? Um das herauszufinden, habe ich mir das aktuelle Standardwerk zur deutschen Rechtschreibung einmal ganz genau angesehen.

Die neuen Rechtschreibregeln 2017 schlagen sich natürlich auch im Duden 2017 nieder

Eingang gefunden hat zum Beispiel die Bindestrichschreibung bei Wörtern wie Ex-Vorsitzender oder Co-Trainer. Der Ex-Weltmeister steht jetzt ebenfalls im Duden. Das finde ich sehr begrüßenswert, denn er liest sich viel besser als der Exweltmeister.

Duden 2017 - neue Schreibweise Ex-Weltmeister

Auch die großzügiger gehandhabte Großschreibung von Adjektiven wurde von der Duden-Redaktion berücksichtigt. Fand sich in der 26. Auflage beispielsweise noch ausschließlich die mittlere Reife, wird dort nun die Schreibweise Mittlere Reife empfohlen. Ebenso verhält es sich bei der multiplen Sklerose, die nun zur Multiplen Sklerose avanciert bzw. in dieser Schreibung empfohlen ist.

neue Rechtschreibung Multiple Sklerose im Duden 27. Auflage

Hier können Sie übrigens die neuen Rechtschreibregeln 2017 nachlesen.

Außerdem wurden viele neue Begriffe in den Duden aufgenommen

Rund 5.000 neue Wörter sollen es sein (ich habe nicht nachgezählt). Darunter sind viele englische Begriffe.

neu im Duden 27. Auflage - Eyetracker

Bevor sich jemand aufregt, dass sich im Deutschen lauter Anglizismen breitmachen: Es sind auch französische Begriffe dabei.

neu im Duden 2017 - französische Redewendung à fonds perdu

Diese hübsche Redewendung kannte ich noch gar nicht; ich lerne doch immer etwas dazu, wenn ich aufmerksam in meinem Duden blättere 🙂

Und natürlich sind auch deutsche Wörter dazu gekommen. Naja, fast deutsche. Es ist zwar verwunderlich, aber sie war in der 26. Auflage 2013 noch nicht zu finden:

neuer Duden 2017 - neuer Begriff Stabilitätskultur

Dabei ist doch kaum etwas deutscher als die Stabilitätskultur, auch wenn das Wort selbst eigentlich aus zwei lateinischen Begriffen zusammengesetzt ist, oder?

Überhaupt hat der Duden 2017 einen politischen Einschlag bekommen

Darin findet sich nämlich sogar unsere Bundeskanzlerin, als „achte Person“ im Amt wunderbar gendergerecht beschrieben.

Angela Merkel im Duden 27. Auflage

Bei „Schröder, Gerhard“ steht dagegen in Klammern der Zusatz: „siebter deutscher Bundeskanzler“. Da muss die Duden-Redaktion wohl noch das gleichmäßige Gendern üben!

Über die gendergerechte Sprache habe ich mir übrigens auch schon einmal Gedanken gemacht; hier lesen Sie meinen Post über die Grenzen des Genderns.

Wo wir gerade bei Politikern sind: Im Duden 2017 steht Donald Trump noch nicht. Unter „T“ findet sich hier nur der frühere US-Präsident Truman. Die Trump’schen alternativen Fakten haben auch noch keinen Platz im Duden gefunden, wohl aber die Fake News.

Fake News im Duden 2017

Nun ja, wer den neuen Duden hat, kann vielleicht auch nicht jede Fake News als solche identifizieren. Er kann sie aber immerhin richtig schreiben …

Den Duden-Band 1 Die neue Rechtschreibung können Sie übrigens hier direkt beim Verlag versandkostenfrei bestellen (kein Partnerlink) oder natürlich bei Amazon (Partnerlink): Duden – Die deutsche Rechtschreibung: Das umfassende Standardwerk auf der Grundlage der amtlichen Regeln (Duden – Deutsche Sprache in 12 Bänden)

Weitere Tipps zur deutschen Rechtschreibung finden Sie auf unserer Übersichtsseite Best of Rechtschreibung.

neuer Duden 2017 - zum Pinnen

10. August 2017
von Judith
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Perfektes Geschäftsmodell – Angebote entstehen von selbst!

Dass das Perpetuum mobile noch nicht erfunden ist, mag manch einer bedauern. Aber immerhin ist einem Geschäftsmann im Rheinland eine ähnlich spektakuläre Entwicklung gelungen: Die Regale füllen sich wie von Zauberhand selbst wieder auf, die Kosten für Neuware gehen gegen Null. Famos, nicht wahr?

Angebote entstehen von selbst - Werbeschild

Briefprofi Barbara hat bei der wunderbaren Angebotsentstehung noch etwas zu bekritteln: Zwischen „Top“ und „Angebote“ fehlt ein Bindestrich. Korrekt müsste es sich um Top-Angebote handeln. Und das unabhängig davon, ob diese Angebote von selbst entstehen, oder ob sie doch von Menschenhand gemacht werden …

eine Hand voll Paragraphen

3. August 2017
von Barbara
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Sperriger Nominalstil – so ersetzen Sie ihn durch Verbalstil

Zugegeben, der Nominalstil hat einen Vorteil: Mit ihm kann man schön kompakt formulieren. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum Juristen diese Anhäufungen von Substantivierungen so lieben. Daraus ergeben sich aber sperrige Texte, die zum einen weit von der gesprochenen Sprache entfernt und zum anderen für Nicht-Experten schwer zu lesen sind. Ein besonders hübsches Beispiel habe ich letzte Woche aus der Rechtsabteilung eines Verlags bekommen.

Begleitschreiben im Nominalstil – eine Stilkritik

Der Vorgang an sich ist ganz normal: Ich bekam einen Vertrag zugeschickt, den ich unterschreiben sollte. Im Begleitschreiben stand:

Beiliegend erhalten Sie den Vertrag in zweifacher Ausfertigung, mit der Bitte um Prüfung, Unterzeichnung und Rücksendung beider Exemplare nebst Autorendatenblatt. Nach Unterschriftsleistung durch uns erhalten Sie ein Exemplar für Ihre Unterlagen zurück.

Nun zur Stilkritik:

Das Wort „beiliegend“ vermeide ich gerne, weil es merkwürdige Assoziationen zu einem Absender weckt, der sich in einen Briefumschlag quetscht. Der „Vertrag in zweifacher Ausfertigung“ ist in Ordnung, obwohl es auch einfach zwei Exemplare des Vertrags sein könnten. Aber die „Bitte um Prüfung, Unterzeichnung und Rücksendung“ ist reinster, unschöner Nominalstil und außerdem ganz leicht zu vermeiden.

Das Wort „Unterschriftsleistung“ findet sich nicht einmal im Duden, und das aus gutem Grund. Sie erfolgt übrigens auch nicht „durch uns“ als Kollektiv, sondern es wird vermutlich ein oder zwei Personen geben, die den Vertrag unterzeichnen.

So wandeln Sie den Nominalstil in gefälligen Verbalstil um

Wie der Begriff nahelegt, ersetzen Sie dazu die Substantivierungen einfach durch Sie-Aufforderungen mit Verben. Für meinen Textvorschlag habe ich zudem ein „erhalten“ durch ein aktiveres Verb ersetzt.

Mit diesem Schreiben erhalten Sie zwei Exemplare des Vertrags sowie das Autorendatenblatt. Bitte prüfen Sie den Vertragsinhalt, unterschreiben Sie beide Exemplare, füllen Sie zusätzlich das Autorendatenblatt aus und senden Sie alle drei Dokumente an uns zurück. Sobald die verantwortliche Person in unserem Hause den Vertrag ebenfalls unterzeichnet hat, senden wir Ihnen ein Exemplar für Ihre Unterlagen zu.

Schöner wäre es natürlich, wenn der Verantwortliche namentlich benannt werden könnte. Und noch praktischer, wenn er oder sein Stellvertreter zuerst beide Exemplare unterschrieben hätte, dann hätte ich nämlich gleich nur eines unterschreiben und zurücksenden müssen …

Falls Sie sich für grundsätzliche Überlegungen zum Nominalstil interessieren, empfehle ich den Beitrag Behördendeutsch in verständliche Sprache übersetzen: Teil 2 – Nominalstil. Unsere Linksammlung zum Thema Behördendeutsch finden Sie auf unserer Best-of-Seite.

Satzzeichen

19. Juli 2017
von Barbara
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Wo und wie Sie den Apostroph richtig setzen

Die Sache ist im Grunde ganz einfach: Man setzt einen Apostroph, um anzuzeigen, dass an der betreffenden Stelle ein oder mehrere Buchstaben ausgelassen wurden. Das wissen die meisten Menschen. Trotzdem sind sich viele nicht sicher, wie sie den Apostroph richtig setzen sollen. Das liegt auch daran, dass der Apostroph nicht immer verpflichtend ist.

Der Apostroph ist bei Auslassungen kein Muss

So gibt es Wörter, die zwar verkürzt, aber so eindeutig sind, dass niemand einen Apostroph braucht. Deswegen wird er üblicherweise nicht gesetzt.

Gern zeig ich das am Beispielsatz „Komm pünktlich ins Büro, sonst lass ich dich rauswerfen!“

Überkorrekt und kaum noch lesbar wäre dagegen die Variante:

Gern’ zeig’ ich das am Beispielsatz „Komm’ pünktlich in’s Büro, sonst lass’ ich dich ‘rauswerfen!“

Dagegen ist der Apostroph recht nützlich, wenn Sie zum Beispiel einen Ausspruch im Dialekt wiedergeben wollen. Hier verbesert es die Verständlichkeit, wenn Sie sehen, wo Buchstaben fehlen.

„’s goht scho, sait d’r Allgaier, ’s muss!“

Den Apostroph richtig setzen

Wenn Sie sich für einen Apostroph entscheiden, sollte er zum einen an der richtigen Stelle und zum anderen auf die richtige Art und Weise gesetzt werden.  Dazu zwei Beispiele, die zeigen, wie es nicht stimmt:

Kinderlädele mit falsch gesetztem Apostroph

Das Kinderlädele (wir gratulieren zum Jubiläum!) krankt an zwei Stellen: Erstens wurde ein französischer Akzent (accent aigu) gesetzt statt des Auslassungszeichens. Das ist im folgenden Beispiel nicht passiert:

Lädele mit falschem Apostroph

Zweitens haben beide den Apostroph an die falsche Stelle gesetzt: Ausgelassen wurden ja die Buchstaben d und a; ausgeschrieben würde es „das Lädele“ bzw. „das Kinderlädele“ heißen. Richtig müsste der Apostroph daher vor dem s stehen, nicht danach. So wie beim Namensschild dieses Fahrradgeschäfts:

Ladenschild, das zeigt, wo Sie den Apostroph richtig setzen

Typografisch ist der Apostroph übrigens eine Katastrophe, denn auf der PC-Tastatur findet sich gar kein richtiges Zeichen dafür. Das Zeichen, das auf der Taste über dem # steht, ist eigentlich das Minutenzeichen. Aber es passt auf jeden Fall besser als der französische Akzent.

Erstaunlicherweise erfreut sich der Apostroph trotz aller Schwierigkeiten großer Beliebtheit. Oft falsch gesetzt wird er auch bei Namen im Genitiv, bei der Pluralbildung oder bei Verkleinerungsformen im Dialekt .