6. Dezember 2017
von Judith
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Vom Geben und Nehmen im Imperativ: nehme oder nimm?

In der Hansestadt Hamburg allerlei Exotisches zu entdecken, ist keine Besonderheit. Schließlich legen hier die großen Kreuzfahrtschiffe an, und im Containerhafen treffen tagtäglich Waren aus aller Herren Länder ein.

Auf diese exotische Verbform, die mir im feinen Stadtteil Eppendorf begegnete, war ich allerdings nicht vorbereitet:

Werbeschild "Nehme Dir eine Auszeit"

„Nehme Dir eine Auszeit“ – da stimmt doch etwas nicht.

Wie lautet denn der Imperativ von nehmen?

Nehme oder nimm? Ich habe in der Duden Grammatik nachgeschlagen und folgende Erläuterung gefunden:

Das Verb „nehmen“ vollzieht als starkes, unregelmäßiges Verb einen e-/i-Wechsel im Präsens (ich nehme, du nimmst, er nimmt). Entsprechend wandelt sich auch bei der Bildung des Imperativs das e zum i.

Formen wie les[e], werf[e], sprech[e], geb[e] und nehm[e]  sind also standardsprachlich nicht korrekt. Es heißt: Lies! Wirf! Sprich!

Gib und nimm!

Jetzt, da ich diese sprachliche Irritation beendet habe, bin ich auch gerne bereit, mir die versprochene Auszeit zu nehmen …

englische Nationalfahne

29. November 2017
von Judith+Barbara
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Weihnachtsgrüße auf Englisch – Musterformulierungen

Das Thema „Weihnachtsgrüße an Kunden“ auf Deutsch haben wir ja schon öfter behandelt. Aber was soll man an englischsprachige Freunde, Kunden oder Geschäftspartner schreiben? Dazu haben wir die Expertin Bettina Schropp um einen Gastbeitrag gebeten, in dem sie Musterformulierungen für Weihnachtsgrüße auf Englisch vorstellt – und zwar sowohl für britisches als auch für amerikanisches Englisch, für Bekannte und Freunde wie auch für Geschäftspartner.

Klassische Weihnachtsgrüße auf Englisch, die immer passen

Diese Grüße passen praktisch immer – am Ende eines Briefes, einer E-Mail oder auch am Telefon. Man kann sie sowohl Freunden und Bekannten, als auch Geschäftspartnern senden.

Merry Christmas and a Happy New Year.
Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr.

Merry Christmas and best wishes for the New Year.
Frohe Weihnachten und alles Gute für das neue Jahr.

Wenn Sie sich etwas neutraler ausdrücken wollen, was die Religion angeht, können Sie folgende Grüße verwenden

Season’s greetings!
Frohe Festtage!

Season’s greetings and best wishes for a Happy New Year!
Frohe Festtage und alles Gute für das neue Jahr!

Season’s greetings and best wishes for a healthy 2018!
Frohe Festtage und alles Gute für ein gesundes Jahr 2018!

Im Amerikanischen wird oft nur allgemein von „holidays“ gesprochen, wenn man die Weihnachtsfeiertage meint. An amerikanische Freunde oder Geschäftspartner können Sie daher die folgenden Weihnachtsgrüße versenden:

Happy holidays!
Frohe Feiertage.

I/We wish you happy holidays and a healthy 2018!
Ich/Wir wünsche/n frohe Feiertage und ein gesundes Jahr 2018!

Weihnachtsgrüße auf Englisch speziell für Geschäftspartner

Wenn es etwas förmlicher sein soll und Sie sich für eine gute Zusammenarbeit oder Ähnliches bedanken möchte, können Sie diese Ausdrücke verwenden.

The year is drawing to a close. We would like to take this opportunity to thank you for your trust and wish you a Merry Christmas and a successful New Year.
Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Wir möchten die Gelegenheit nutzen, Ihnen für Ihr Vertrauen zu danken und wünschen Ihnen frohe Weihnachten und ein erfolgreiches neues Jahr.

Season’s greetings and a sincere thank you for your confidence in us. We look forward to doing business with you again in the New Year and wish you a successful 2018!
Frohe Festtage und ein herzliches Dankeschön für Ihr Vertrauen. Wir freuen uns darauf, nächstes Jahr wieder mit Ihnen zusammenzuarbeiten und wünschen Ihnen ein erfolgreiches 2018!

Thank you for your confidence in us and the successful cooperation in the past year. We wish you and your loved ones a merry Christmas and happiness and success in the New Year!
Wir bedanken uns für Ihr Vertrauen und die erfolgreiche Zusammenarbeit im vergangenen Jahr. Wir wünschen Ihnen und Ihren Angehörigen frohe Weihnachten, sowie Glück und Erfolg im neuen Jahr.

Weihnachtsgrüße für amerikanische Geschäftspartner

We wish you happy holidays and a prosperous New Year.
Wir wünschen Ihnen frohe Feiertage und ein erfolgreiches neues Jahr.

We wish you a peaceful and contemplative holiday season and a successful and wonderful New Year.
Wir wünschen Ihnen ruhige und besinnliche Feiertage und ein erfolgreiches und großartiges neues Jahr.

Thank you for your confidence in us and the successful cooperation in the past year. We wish you and your loved ones happy holidays and a successful New Year!
Wir bedanken uns für Ihr Vertrauen und die erfolgreiche Zusammenarbeit im vergangenen Jahr. Wir wünschen Ihnen und Ihren Angehörigen frohe Feiertage und ein erfolgreiches neues Jahr!

Bettina Schropp ist staatlich geprüfte Fremdsprachenkorrespondentin. Nach der Ausbildung hat sie 6 Jahre in Irland gelebt und gearbeitet, wodurch sie Englisch auf (nahezu) muttersprachlichem Niveau spricht. Seit ihrem Umzug zurück nach Deutschland arbeitet sie als Trainerin, Dozentin und Buchautorin. Regelmäßige Artikel zur englischen Sprache, zu Grammatik und englischem Wortschatz gibt es in ihrem Blog auf ihrerer Website Sicheres Englisch.de. Ihre Lehrbuchreihe Sicheres Englisch behandelt unterschiedliche Aspekte der englischen Sprache, z. B. nützliche Redewendungen, Gebrauch der englischen Zeiten, Englisch für den Urlaub.

Weihnachtsgrüße auf Englisch

Falls Sie sich für Fallstricke in der englischen Geschäftskorrespondenz interessieren, empfehlen wir Ihnen unseren Beitrag

Wenn englisch, dann richtig – bitte ohne Pseudoanglizismus!

Tipps für Weihnachtsgrüße in der deutschen Geschäftskorrespondenz finden Sie z. B. hier:

Weihnachtsgrüße an Kunden – Muster für einen Weihnachtsbrief 2017

Weihnachtsgrüße an Kunden – so formulieren Sie zeitgemäß

22. November 2017
von Barbara
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Weihnachtsgrüße an Kunden – so formulieren Sie zeitgemäß

In der Vorweihnachtszeit gilt es wieder, sich Gedanken über Weihnachtsgrüße an Kunden und Geschäftspartner zu machen. Sei es, dass sie mit einem Weihnachtsbrief oder einer Weihnachtskarte verschickt, sei es, dass sie im Rahmen einer Glückwunschseite in der Zeitung veröffentlicht werden.

Offenbar ist es aber gar nicht so einfach, Weihnachtsgrüße sympathisch und zeitgemäß zu formulieren. Mir sind jedenfalls letztes Jahr in der Zeitung einige Formulierungen aufgefallen, über die ich mich ziemlich amüsiert habe – und das dürfte eher nicht die Absicht der Absender gewesen sein.

Weihnachtsgrüße an Kunden – so lieber nicht!

Einige Inserenten verfallen bei den Grußformulierungen in eine gespreizt-altmodische Sprache:

Wir entbieten allen unseren geschätzten Kunden und Bekannten frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr!

Witzig fand ich hier, dass mit den Kunden (aber nur den geschätzten!) auch gleich die Bekannten grußtechnisch mit erledigt werden. Das Verb „entbieten“ dürfen Sie getrost aus Ihrem Wortschatz für die Kundenkorrespondenz streichen, es ist schlicht nicht mehr zeitgemäß.

All unseren werten Kunden und Geschäftsfreunden wünschen wir frohe Weihnachtstage und ein gutes neues Jahr.

Die Formulierung „all unseren werten Kunden“ klingt ebenfalls etwas verstaubt. Zu Weihnachten könnten Sie ohnehin großzügig sein und alle Kunden grüßen, nicht nur die werten, oder?

Andere Unternehmen versuchen offenbar, die Sache zügig hinter sich zu bringen, und möglichst viele Adressaten und Anliegen in einer einzigen Grußformel unterzubringen. So schrieb ein Autohaus:

Frohe Weihnachten und allzeit gute Fahrt im neuen Jahr wünschen wir unseren Kunden, Freunden und Bekannten, verbunden mit einem Dankeschön für das entgegengebrachte Vertrauen.

Dank, Weihnachtsgrüße, gute Fahrt, und zwar gleichzeitig an Kunden, Freunde und Bekannte – das wirkt doch ein bisschen sehr kompakt. Meine Empfehlung wäre, sich auf die Kunden zu beschränken und ihnen die Weihnachts- und Neujahrswünsche auszusprechen. Wenn Sie mehr schreiben wollen, sollten Sie an eine Karte oder einen Brief denken statt an eine Anzeige.

Nicht zuletzt führen inhaltliche „Rundumschläge“ leicht zu grammatischen Irritationen, wie dieses hübsche Beispiel zeigt:

Die Interessengemeinschaft der … Gewerbetreibenden und Einzelhändler wünscht allen seinen Kunden ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr verbunden mit dem Dank für das im vergangenen Jahr entgegengebrachte Vertrauen.

Da hat die Interessengemeinschaft offenbar ein Identitätsproblem, wenn sie nicht zwischen ihren Kunden und seinen Kunden differenziert…

Weihnachtsgrüße an Kunden – so machen Sie es besser

Auch für Weihnachtsgrüße und insbesondere für Anzeigen gilt der Grundsatz: Weniger ist mehr. Packen Sie nicht zu viel hinein, sondern drücken Sie das aus, was Ihnen wichtig ist.

Positiv aufgefallen sind mir folgende Beispiele:

Gesegnete Weihnachten und ein gutes neues Jahr wünscht Ihre …

Schlicht und einfach. Wie schön.

Wir sagen DANKE für Ihr Vertrauen und wünschen Ihnen frohe und gesegnete Weihnachten sowie ein gutes neues Jahr.

Hier darf sich jeder angesprochen fühlen, egal ob Kunde, Geschäftspartner oder Bekannter.

Ein frohes Weihnachtsfest und gute Fahrt im neuen Jahr wünscht Ihr Autohaus XX

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Weihnachtsgrüße an Kunden zeitgemäß formulieren

Falls Sie sich für weitere Tipps rund um die geschäftliche Weihnachtspost interessieren, empfehle ich diese Posts:

Weihnachtsgrüße an Kunden – Muster für einen Weihnachtsbrief 2017

Muster für Ihren Weihnachtsbrief 2015

Vorschlag für einen Weihnachtsbrief 2014

Weihnachtsgrüße: Musterformulierungen für Ihre geschäftliche Weihnachtspost

Weihnachtsbriefe: nützliche Tipps und Links für Ihre Korrespondenz

16. November 2017
von Judith
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Fragwürdiger Werbeslogan – gelebtes Aluminium?

Wir waren Papst, jetzt leben wir alles Mögliche. Manche Werbesprüche breiten sich mit rasender Geschwindigkeit aus. Und nicht nur das. Zugleich entwickeln sie – einer Viruserkrankung gleich – immer neue Mutanten.

„Wir leben Heimat.“
„Wir leben Genossenschaft.“
„Wir leben Verantwortung.“
„Wir leben Wein.“
„Wir leben Mitgefühl.“
„Wir leben Inklusion.“

Das Ergebnis dieser ständigen Mutation ist wie Grippe, Mumps und Masern mitunter fast schon schmerzhaft, wie dieser Slogan zeigt:

fragwürdiger Werbeslogan - wir leben Aluminium

Aber vielleicht muss es ja so sein: Dass jemand, der Blech produziert und verarbeitet, bisweilen auch Blech daherredet …

Rechtschreibung

8. November 2017
von Barbara
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Wer legt eigentlich die deutschen Rechtschreibregeln fest?

Gestern tauchte die Frage in einem Gespräch mit Freundinnen auf: Woher kommen eigentlich die Rechtschreibregeln? Wer legt denn fest, wie Wörter zu schreiben sind? Die spontane Antwort aus dem Freundeskreis lautete: „Na, der Duden!“ Das denken wahrscheinlich die meisten Menschen. Es stimmt aber nicht.

Für die deutschen Rechtschreibregeln gibt es seit 2004 ein zwischenstaatliches Gremium

„Zwischenstaatlich“ deswegen, weil im Rat für deutsche Rechtschreibung nicht nur deutsche Experten sitzen, sondern auch welche aus Österreich und der Schweiz sowie je einer aus Liechtenstein, aus der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und aus Luxemburg (Letzterer allerdings ohne Stimmrecht). Der Rat ist dafür verantwortlich, die deutsche Rechtschreibung zu beobachten und weiterzuentwickeln. Konkret steht im Statut des Rechtschreibrats:

Dieser Rat hat die Aufgabe, die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu bewahren und die Rechtschreibung auf der Grundlage des orthografischen Regelwerks (Regeln und Wörterverzeichnis von 1996 in der Fassung von 2004) im unerlässlichen Umfang weiterzuentwickeln.

Wenn das Gremium tagt, werden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen besprochen und Beschlüsse zu Änderungen der Rechtschreibung gefällt. Kleinere Änderungen kann der Rat selbst verbindlich beschließen und im Wörterverzeichnis veröffentlichen. Größere Änderungen, insbesondere die Änderung von Rechtschreibregeln, muss der Rat erst den zuständigen amtlichen Stellen vorlegen und dort begründen. In Deutschland ist die amtliche Stelle die Kultusministerkonferenz. Sie beschließt dann, welche Neuerungen tatsächlich verbindlich gelten, etwa jüngst die Neueinführung des großen Eßzetts.

Und was ist dann mit dem Duden?

Früher – nämlich von 1901 bis 2006 – war tatsächlich der Duden die entscheidende Institution für die Rechtschreibung. Was darin stand, war verbindlich. Heute gilt aber nur das jeweils aktuelle amtliche Regelwerk der deutschen Sprache, das auf der Website des Rechtschreibrats zu finden ist.

Die Duden-Redaktion oder auch die Redaktion des „Wahrig“ setzen diese Regeln um, legen sie gegebenenfalls auch aus und veröffentlichen sie. Deswegen finden sich im Duden beispielsweise Fremdwörter, die im amtlichen Wörterverzeichnis 2017 (noch) nicht stehen oder auch alternative Schreibweisen, die etwa im süddeutschen Sprachraum gebräuchlich sind, anderswo aber nicht. Wer „nach Duden“ schreibt, macht also normalerweise alles richtig, auch wenn es nicht mehr der Duden ist, der die Rechtschreibregeln vorgibt.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache schreibt dazu sehr schön:

Dass der Duden nach wie vor ein »ideelles« Monopol besitzt (meistverkauftes Rechtschreibwörterbuch), mag an der jahrelangen Autorität liegen.

(Quelle: hier)

Was ist die Gesellschaft für deutsche Sprache und was hat die mit den Rechtschreibregeln zu tun?

Mit den Regeln selbst eigentlich nichts. Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) ist ein staatlich geförderter Verein, der sich seit 1947 der Pflege und Erforschung der deutschen Sprache widmet. Er möchte das Bewusstsein für die deutsche Sprache in der Öffentlichkeit vertiefen, die Sprachentwicklung kritisch beobachten und Empfehlungen für den allgemeinen Sprachgebrauch auf der Grundlage wissenschaftlicher Forschung geben.

Die GfdS wählt übrigens neben ihren sonstigen Tätigkeiten jedes Jahr die zehn „Wörter des Jahres“. Ich bin schon neugierig darauf, welche Wörter sie als besonders signifikant für dieses höchst interessante Jahr 2017 ansehen wird …

Rechtschreibregeln und wer sie festlegt

Falls Sie sich für weitere Informationen und Tipps zur deutschen Rechtschreibung interessieren, schauen Sie doch auf unsere Übersichtsseite Best of Rechtschreibung.

2. November 2017
von Judith
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Zigarettenwerbung – Sterben kann so einfach sein …

Diese Zigarettenwerbung hat mich umgehauen: Zugegeben, Raucher haben heute wenig zu lachen. Und für die Tabakindustrie ist es sicher kein Spaß, auf jeder Schachtel auf die potenziell tödlichen Folgen des Rauchens hinweisen zu müssen. Es gibt aber durchaus Versuche, die von einem eher spielerischen Umgang mit der EU-weit geltenden, rigiden Vorgabe zeugen:

unfreiwillig komische Zigarettenwerbung - Sterben auf Knopfdruck

Oder war diese tödliche Zigarettenwerbung doch eher ein Versehen der beauftragten Werbeagentur?

25. Oktober 2017
von Judith
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Käuflicher Irrer – oder nur ein verwirrender Anglizismus?

Falls Sie noch nicht genügend Verrückte, Mondsüchtige, Wahnsinnige oder Irre zuhause haben: Die gibt es jetzt bei Edeka zu kaufen – und zwar praktischerweise in einer platzsparenden Faltschachtel.

Also: Greifen Sie ruhig zu!

Super Spinner-Schachteln – ein verwirrender Anglizismus

Ja, ich weiß, es gibt nicht für jeden Anglizismus ein schönes deutsches Wort. Ein so verwirrender Anglizismus könnte aber den Versuch einer Übersetzung lohnen.

Erwähnt sei nebenbei noch, dass der deutsche und der englische Spinner einen gemeinsamen Wortstamm haben: Das englische „to spin“ heißt auf Deutsch „sich drehen“ – und wenn sich im Kopf alles dreht, dann fängt man eben zu spinnen an. Wenn Sie also Glück haben, springt Ihnen aus der erwähnten Faltschachtel kein Psychopath entgegen, sondern schlichtweg ein neumodischer Handkreisel.

Anglizismen sind überhaupt ein interessantes Thema. Wir haben uns darüber schon öfter Gedanken gemacht, zum Beispiel über die Schreibweise zusammengesetzter englischer Begriffe im Deutschen, über für englische Muttersprachler verwirrende Pseudoanglizismen oder auch über den etwas fragwürdigen Kaffee zum Wegtragen.

18. Oktober 2017
von Barbara
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Weihnachtsgrüße an Kunden – Muster für einen Weihnachtsbrief 2017

Große Feste müssen solide vorbereitet werden, damit man sie unbeschwert feiern kann. Und wenn man früh genug damit anfängt, wird das mit den Vorbereitungen auch nicht so stressig. Deswegen veröffentliche ich meinen Vorschlag für einen Weihnachtsbrief 2017 diesmal schon im Oktober – dann haben Sie früh genug Inspiration für die Weihnachtsgrüße an Ihre Kunden, um in der Vorweihnachtszeit nicht in Hektik zu verfallen.

Auf der Suche nach einem Einstieg bin ich auf ein etwas provokantes Zitat von Franz Wedekind gestoßen. Da sich der Todestag des Dichters 2018 zum 100. Mal jährt, war das ein passender „Aufhänger“.

Mein Vorschlag für einen Weihnachtsbrief 2017 an Ihre Kunden

Welchen Sinn hat das Leben eines Menschen, der keine Zeit hat?
Frank Wedekind (1864 – 1918)

Lieber Herr Kunde,

keine Zeit zu haben ist für uns alle oft genug der Normalzustand. Besonders in der Vorweihnachtszeit, wenn Budgets und Termine fürs neue Jahr zu planen sind und alle möglichen Aufgaben „noch schnell“ vor den Feiertagen erledigt werden sollen. Gerade dann sollten wir das Bonmot des Dichters Frank Wedekind beherzigen, dessen 100. Todestag im Jahr 2018 begangen wird. Denn es ist die fruchtbar verbrachte Zeit, die dem Leben Sinn gibt.

Der bevorstehende Jahreswechsel ist der Anlass, aus dem wir uns – gerne – die Zeit genommen haben, Ihnen diese Zeilen zu schreiben. Denn wir können am Ende des Jahres 2017 auf zwölf bewegte, manchmal sogar turbulente, insgesamt aber erfreulich erfolgreiche Monate zurückblicken. Das verdanken wir auch Ihnen, schließlich sind es unsere Kunden, die unseren Erfolg ausmachen.

Danke für die immer konstruktive Zusammenarbeit und den offenen Austausch, der für uns sehr wertvoll ist. Danke für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung!

Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachtstage und einen fröhlichen Rutsch in ein gutes neues Jahr – und dazwischen viel Zeit für die Menschen und Aktivitäten, die Ihnen am Herzen liegen.

Ihr …

Kundenkorrespondenz - Muster für einen Weihnachtsbrief 2017

Falls Sie noch mehr Ideen für die Formulierung Ihrer geschäftlichen Weihnachtsgrüße suchen, empfehle ich Ihnen folgende Beiträge:

Vorschlag für einen Weihnachtsbrief 2014

Muster für Ihren Weihnachtsbrief 2015

Weihnachtsgrüße: Musterformulierungen für Ihre geschäftliche Weihnachtspost

Weihnachtsbriefe: nützliche Tipps und Links für Ihre Korrespondenz

11. Oktober 2017
von Judith
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Der Terminator in der Pasta war nur ein Schreibfehler in der Speisekarte

Allergiker aufgepasst: Beim Italiener kann man beim Genuss einer Pasta offenbar ein unerwartet schnelles Ende finden. Dieser Verdacht drängt sich zumindest auf, wenn man den folgenden Hinweis liest, den ich auf der Speisekarte eines Düsseldorfer Gastronomen gefunden habe:

verwirrender Schreibfehler in der Speisekarte - Konterminierung statt Kontaminierung

Zum Glück ist die „Kreuzkonterminierung“ in Wirklichkeit bloß eine „Kreuzkontaminierung“ mit Schreibfehler. Das lateinische Wort „contamen“ bedeutet „Ansteckung“. Der Begriff „Kreuzkontaminierung“ bezeichnet die Ansteckung, die etwa von allergenen Erdnüssen oder Klebereiweißen ausgeht, wenn sie in Spuren mit anderen Lebensmitteln in Berührung kommen. Dass also ein Terminator in der Pasta hockt und dem Genießer beim Essen ein schnelles Ende bereitet, ist somit eher unwahrscheinlich.

Schreibfehler in der Speisekarte kommen republikweit täglich auf den Tisch. Deswegen haben wir uns schon des Öfteren damit beschäftigt. Zum Beispiel mit orthografisch unzulässig verkleinerten Brotzeitbrettern oder mit „feinem“ Speisekartendeutsch, das unfreiwillig komisch wirkt.

Cover - Die schreckliche deutsche Sprache von Mark Twain

5. Oktober 2017
von Barbara
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Rezension – Die schreckliche deutsche Sprache von Mark Twain

Ein Buch, das den Titel Die schreckliche deutsche Sprache trägt – das musste ich einfach lesen. Noch dazu, wo es von Mark Twain ist, dem Meister des lakonischen Witzes. Um es vorwegzunehmen: Ich empfehle es gerne weiter!

Was hat Mark Twain sich dabei gedacht?

Erschienen ist das Büchlein (in der zweisprachigen Fassung, die ich gelesen habe, umfasst es gerade einmal 95 Seiten) erstmals im Jahr 1880, und zwar als Anhang des Reisebuchs A Tramp Abroad. Passenderweise trugt dieser Anhang den Titel Appendix D. In meinem hübsch aufgemachten Büchlein steht auf der linken Seite jeweils der englische Originaltext, rechts die deutsche Übersetzung. Beide lesen sich sehr vergnüglich.

Zwar sind manche der von Twain angeführten Beispiele naturgemäß leicht veraltet, aber insgesamt sind seine Feststellung über die schreckliche deutsche Sprache so scharfsinnig wie zutreffend. Tatsächlich ist Deutsch eine komplexe Sprache, die sich keineswegs leicht lernen lässt. Oder, um es mit den Worten des Autors in seiner Muttersprache zu sagen:

A person who has not studied German can form no idea of what a perplexing language it is.

Trotzdem unternimmt er auf den folgenden Seiten den Versuch, die verwirrenden Aspekte des Deutschen zu schildern.

Was macht Deutsch zu einer so schrecklichen Sprache?

Um es kurz zu machen:

Es gibt zehn Wortarten, und jede von ihnen macht Schwierigkeiten.

Besonders das Aneinanderfügen einzelner Wörter „ohne Gelenke oder Naht“ (gemeint ist: ohne Bindestriche) macht dem englischen Schüler Schwierigkeiten. Ich persönlich finde es ja wunderbar, dass wir Deutschen problemlos aus praktisch jeder Wortart zusammmengesetzte Substantive bauen können, aber ich verstehe, dass es für einen Neuling in dieser Kunst gar nicht so einfach ist. Ich sage nur: Donaudampfschifffahrtskapitänsmützenbommel!

Mark Twain sagt dazu:

Manche deutschen Wörter sind so lang, dass sie über einen eigenen Fluchtpunkt verfügen.

Dazu führt er so hübsche Beispiele wie Dilettantenaufdringlichkeiten oder Waffenstillstandsverhandlungen an. Das sind zwar Wörter, die in unserem Wortschatz nicht mehr so häufig auftauchen, aber ich verstehe, was er meint.

Wortreich beklagt der Reisende auch die „Parenthesenseuche“ im Deutschen (was hat der Mann nur gegen Klammern, die sind doch so praktisch?) sowie die Eigenart, das Verb am Schluss eines Satzes zu platzieren.

In deutschen Zeitungen verstecken sie ihr Verb oft erst auf der nächsten Seite.

Naja, das ist vielleicht eine klitzekleine Übertreibung. Aber es ist noch gar nichts gegen die Einschätzung anderer Grammatikeigenarten.

Personalpronomen und Adjektive sind in dieser Sprache ein unerschöpfliches Ärgernis, und man hätte besser daran getan, sie wegzulassen.

Gut, es stimmt natürlich, dass unser sie im Englischen sowohl you, she, her, it, they oder them heißen kann. Je nach Fall eben. Und die Sache mit dem Deklinieren der Adjektive ist möglicherweise tatsächlich etwas komplex. Aber aus der Deklination von my good friend/mein guter Freund/meines guten Freundes/meinem guten Freund usw. Folgendes zu schließen, geht doch etwas weit:

Besser man hat in Deutschland überhaupt keine Freunde, als all diese Scherereien mit ihnen.

Dann ist da noch die Sache mit den Artikeln und dem Geschlecht.

Jedes Substantiv hat ein Geschlecht, und die Zuweisung erfolgt ohne Sinn und System. (…) Im Deutschen hat eine junge Dame kein Geschlecht, eine Weiße Rübe hingegen schon.

Hm, warum heißt es eigentlich das Mädchen, aber die Rübe? Der Tisch, aber das Bett? Egal, das muss man halt einfach mitlernen.

Immerhin hat die schreckliche deutsche Sprache auch positive Aspekte

Es sind zwar nur zwei Vorzüge, die Mark Twain ihr zugesteht, aber immerhin:

Im Deutschen beginnen alle Substantive mit einem Großbuchstaben. Das ist auf jeden Fall eine gute Idee; und in dieser Sprache ist eine gute Idee, ihrer Seltenheit wegen, zwangsläufig bemerkenswert.

Der zweite Pluspunkt ist, dass man deutsche Wörter schreibt, wie man sie spricht (und umgekehrt). Ja, genau! Und das ist ein großer Vorzug gegenüber dem Englischen, wo bestimmte Buchstabenkombinationen – nehmen wir nur ow oder ou  – in zahlreichen Klangvarianten interpretiert werden können. Da kann man im Englischen nur raten, wo wir im Deutschen Klarheit haben.

Das Deutsche muss reformiert werden!

Das findet jedenfalls der Autor. Er macht dazu auch mehrere konkrete Vorschläge. Vermutlich freut er sich posthum darüber, dass einige davon im heutigen Sprachgebrauch schon ziemlich häufig umgesetzt werden.

Konkret rät er, auf den Dativ zu verzichten, weil eh kein Mensch wisse, wann er sich in diesem befinde (war da nicht was, Herr Sick?), das Verb im Satz weiter nach vorn zu rücken und ein paar Kraftausdrücke aus dem Englischen einzuführen. Ich glaube, was diese drei Punkte angeht, sind wir kollektiv auf einem guten Weg.

Außerdem solle man die

Geschlechter neu ordnen und sie dem Willen des Schöpfers entsprechend verteilen.

Ha, und das schreibt jemand, aus dessen Muttersprache Wörter wie Blog oder Laptop stammen, die uns regelmäßig vor die Geschlechterfrage stellen! (Dazu haben wir uns in einem eigenen Post zu der oder das Laptop schon einmal Gedanken gemacht.)

Was sollten wir noch reformieren? Ach ja: Diese endlos langen Komposita abschaffen, kein haben sind gewesen gehabt an Sätze anhängen und die Parenthesen abschaffen. Wobei ich mich wirklich frage, warum er den Nutzen der Klammern und auch der teilbaren Verben gar so negativ einschätzt, wo er mit etwas mehr Offenheit diesen Elementen gegenüber doch einen gesteigerten Lesegenuss gehabt haben könnte … ach, lassen wir das.

Falls Sie Lust darauf bekommen haben, sich intensiver mit Mark Twains Jeremiade zu beschäftigen, können Sie sie hier bei Amazon bestellen (Partnerlink): Die schreckliche deutsche Sprache – Zweisprachig Englisch – Deutsch

Rezension Die schreckliche deutsche Sprache von Mark Twain - Pin