Duden 2917 und 26. Auflage nebeneinander

21. August 2017
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Duden 27. Auflage 2017 – das ist neu im neuen Duden

Seit einigen Tagen steht er schon auf meinem Schreibtisch, der neue Duden 2017. Er ist optisch etwas frischer und auch etwas dicker (1254 statt bisher 1216 Seiten) als sein Vorgänger aus dem Jahr 2013. Aber was ist sonst neu in der 27. Auflage? Um das herauszufinden, habe ich mir das aktuelle Standardwerk zur deutschen Rechtschreibung einmal ganz genau angesehen.

Die neuen Rechtschreibregeln 2017 schlagen sich natürlich auch im Duden 2017 nieder

Eingang gefunden hat zum Beispiel die Bindestrichschreibung bei Wörtern wie Ex-Vorsitzender oder Co-Trainer. Der Ex-Weltmeister steht jetzt ebenfalls im Duden. Das finde ich sehr begrüßenswert, denn er liest sich viel besser als der Exweltmeister.

Duden 2017 - neue Schreibweise Ex-Weltmeister

Auch die großzügiger gehandhabte Großschreibung von Adjektiven wurde von der Duden-Redaktion berücksichtigt. Fand sich in der 26. Auflage beispielsweise noch ausschließlich die mittlere Reife, wird dort nun die Schreibweise Mittlere Reife empfohlen. Ebenso verhält es sich bei der multiplen Sklerose, die nun zur Multiplen Sklerose avanciert bzw. in dieser Schreibung empfohlen ist.

neue Rechtschreibung Multiple Sklerose im Duden 27. Auflage

Hier können Sie übrigens die neuen Rechtschreibregeln 2017 nachlesen.

Außerdem wurden viele neue Begriffe in den Duden aufgenommen

Rund 5.000 neue Wörter sollen es sein (ich habe nicht nachgezählt). Darunter sind viele englische Begriffe.

neu im Duden 27. Auflage - Eyetracker

Bevor sich jemand aufregt, dass sich im Deutschen lauter Anglizismen breitmachen: Es sind auch französische Begriffe dabei.

neu im Duden 2017 - französische Redewendung à fonds perdu

Diese hübsche Redewendung kannte ich noch gar nicht; ich lerne doch immer etwas dazu, wenn ich aufmerksam in meinem Duden blättere 🙂

Und natürlich sind auch deutsche Wörter dazu gekommen. Naja, fast deutsche. Es ist zwar verwunderlich, aber sie war in der 26. Auflage 2013 noch nicht zu finden:

neuer Duden 2017 - neuer Begriff Stabilitätskultur

Dabei ist doch kaum etwas deutscher als die Stabilitätskultur, auch wenn das Wort selbst eigentlich aus zwei lateinischen Begriffen zusammengesetzt ist, oder?

Überhaupt hat der Duden 2017 einen politischen Einschlag bekommen

Darin findet sich nämlich sogar unsere Bundeskanzlerin, als „achte Person“ im Amt wunderbar gendergerecht beschrieben.

Angela Merkel im Duden 27. Auflage

Bei „Schröder, Gerhard“ steht dagegen in Klammern der Zusatz: „siebter deutscher Bundeskanzler“. Da muss die Duden-Redaktion wohl noch das gleichmäßige Gendern üben!

Über die gendergerechte Sprache habe ich mir übrigens auch schon einmal Gedanken gemacht; hier lesen Sie meinen Post über die Grenzen des Genderns.

Wo wir gerade bei Politikern sind: Im Duden 2017 steht Donald Trump noch nicht. Unter „T“ findet sich hier nur der frühere US-Präsident Truman. Die Trump’schen alternativen Fakten haben auch noch keinen Platz im Duden gefunden, wohl aber die Fake News.

Fake News im Duden 2017

Nun ja, wer den neuen Duden hat, kann vielleicht auch nicht jede Fake News als solche identifizieren. Er kann sie aber immerhin richtig schreiben …

Den Duden-Band 1 Die neue Rechtschreibung können Sie übrigens hier direkt beim Verlag versandkostenfrei bestellen (kein Partnerlink) oder natürlich bei Amazon (Partnerlink): Duden – Die deutsche Rechtschreibung: Das umfassende Standardwerk auf der Grundlage der amtlichen Regeln (Duden – Deutsche Sprache in 12 Bänden)

Weitere Tipps zur deutschen Rechtschreibung finden Sie auf unserer Übersichtsseite Best of Rechtschreibung.

neuer Duden 2017 - zum Pinnen

10. August 2017
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Perfektes Geschäftsmodell – Angebote entstehen von selbst!

Dass das Perpetuum mobile noch nicht erfunden ist, mag manch einer bedauern. Aber immerhin ist einem Geschäftsmann im Rheinland eine ähnlich spektakuläre Entwicklung gelungen: Die Regale füllen sich wie von Zauberhand selbst wieder auf, die Kosten für Neuware gehen gegen Null. Famos, nicht wahr?

Angebote entstehen von selbst - Werbeschild

Briefprofi Barbara hat bei der wunderbaren Angebotsentstehung noch etwas zu bekritteln: Zwischen „Top“ und „Angebote“ fehlt ein Bindestrich. Korrekt müsste es sich um Top-Angebote handeln. Und das unabhängig davon, ob diese Angebote von selbst entstehen, oder ob sie doch von Menschenhand gemacht werden …

eine Hand voll Paragraphen

3. August 2017
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Sperriger Nominalstil – so ersetzen Sie ihn durch Verbalstil

Zugegeben, der Nominalstil hat einen Vorteil: Mit ihm kann man schön kompakt formulieren. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum Juristen diese Anhäufungen von Substantivierungen so lieben. Daraus ergeben sich aber sperrige Texte, die zum einen weit von der gesprochenen Sprache entfernt und zum anderen für Nicht-Experten schwer zu lesen sind. Ein besonders hübsches Beispiel habe ich letzte Woche aus der Rechtsabteilung eines Verlags bekommen.

Begleitschreiben im Nominalstil – eine Stilkritik

Der Vorgang an sich ist ganz normal: Ich bekam einen Vertrag zugeschickt, den ich unterschreiben sollte. Im Begleitschreiben stand:

Beiliegend erhalten Sie den Vertrag in zweifacher Ausfertigung, mit der Bitte um Prüfung, Unterzeichnung und Rücksendung beider Exemplare nebst Autorendatenblatt. Nach Unterschriftsleistung durch uns erhalten Sie ein Exemplar für Ihre Unterlagen zurück.

Nun zur Stilkritik:

Das Wort „beiliegend“ vermeide ich gerne, weil es merkwürdige Assoziationen zu einem Absender weckt, der sich in einen Briefumschlag quetscht. Der „Vertrag in zweifacher Ausfertigung“ ist in Ordnung, obwohl es auch einfach zwei Exemplare des Vertrags sein könnten. Aber die „Bitte um Prüfung, Unterzeichnung und Rücksendung“ ist reinster, unschöner Nominalstil und außerdem ganz leicht zu vermeiden.

Das Wort „Unterschriftsleistung“ findet sich nicht einmal im Duden, und das aus gutem Grund. Sie erfolgt übrigens auch nicht „durch uns“ als Kollektiv, sondern es wird vermutlich ein oder zwei Personen geben, die den Vertrag unterzeichnen.

So wandeln Sie den Nominalstil in gefälligen Verbalstil um

Wie der Begriff nahelegt, ersetzen Sie dazu die Substantivierungen einfach durch Sie-Aufforderungen mit Verben. Für meinen Textvorschlag habe ich zudem ein „erhalten“ durch ein aktiveres Verb ersetzt.

Mit diesem Schreiben erhalten Sie zwei Exemplare des Vertrags sowie das Autorendatenblatt. Bitte prüfen Sie den Vertragsinhalt, unterschreiben Sie beide Exemplare, füllen Sie zusätzlich das Autorendatenblatt aus und senden Sie alle drei Dokumente an uns zurück. Sobald die verantwortliche Person in unserem Hause den Vertrag ebenfalls unterzeichnet hat, senden wir Ihnen ein Exemplar für Ihre Unterlagen zu.

Schöner wäre es natürlich, wenn der Verantwortliche namentlich benannt werden könnte. Und noch praktischer, wenn er oder sein Stellvertreter zuerst beide Exemplare unterschrieben hätte, dann hätte ich nämlich gleich nur eines unterschreiben und zurücksenden müssen …

Falls Sie sich für grundsätzliche Überlegungen zum Nominalstil interessieren, empfehle ich den Beitrag Behördendeutsch in verständliche Sprache übersetzen: Teil 2 – Nominalstil. Unsere Linksammlung zum Thema Behördendeutsch finden Sie auf unserer Best-of-Seite.

Satzzeichen

19. Juli 2017
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Wo und wie Sie den Apostroph richtig setzen

Die Sache ist im Grunde ganz einfach: Man setzt einen Apostroph, um anzuzeigen, dass an der betreffenden Stelle ein oder mehrere Buchstaben ausgelassen wurden. Das wissen die meisten Menschen. Trotzdem sind sich viele nicht sicher, wie sie den Apostroph richtig setzen sollen. Das liegt auch daran, dass der Apostroph nicht immer verpflichtend ist.

Der Apostroph ist bei Auslassungen kein Muss

So gibt es Wörter, die zwar verkürzt, aber so eindeutig sind, dass niemand einen Apostroph braucht. Deswegen wird er üblicherweise nicht gesetzt.

Gern zeig ich das am Beispielsatz „Komm pünktlich ins Büro, sonst lass ich dich rauswerfen!“

Überkorrekt und kaum noch lesbar wäre dagegen die Variante:

Gern’ zeig’ ich das am Beispielsatz „Komm’ pünktlich in’s Büro, sonst lass’ ich dich ‘rauswerfen!“

Dagegen ist der Apostroph recht nützlich, wenn Sie zum Beispiel einen Ausspruch im Dialekt wiedergeben wollen. Hier verbesert es die Verständlichkeit, wenn Sie sehen, wo Buchstaben fehlen.

„’s goht scho, sait d’r Allgaier, ’s muss!“

Den Apostroph richtig setzen

Wenn Sie sich für einen Apostroph entscheiden, sollte er zum einen an der richtigen Stelle und zum anderen auf die richtige Art und Weise gesetzt werden.  Dazu zwei Beispiele, die zeigen, wie es nicht stimmt:

Kinderlädele mit falsch gesetztem Apostroph

Das Kinderlädele (wir gratulieren zum Jubiläum!) krankt an zwei Stellen: Erstens wurde ein französischer Akzent (accent aigu) gesetzt statt des Auslassungszeichens. Das ist im folgenden Beispiel nicht passiert:

Lädele mit falschem Apostroph

Zweitens haben beide den Apostroph an die falsche Stelle gesetzt: Ausgelassen wurden ja die Buchstaben d und a; ausgeschrieben würde es „das Lädele“ bzw. „das Kinderlädele“ heißen. Richtig müsste der Apostroph daher vor dem s stehen, nicht danach. So wie beim Namensschild dieses Fahrradgeschäfts:

Ladenschild, das zeigt, wo Sie den Apostroph richtig setzen

Typografisch ist der Apostroph übrigens eine Katastrophe, denn auf der PC-Tastatur findet sich gar kein richtiges Zeichen dafür. Das Zeichen, das auf der Taste über dem # steht, ist eigentlich das Minutenzeichen. Aber es passt auf jeden Fall besser als der französische Akzent.

Erstaunlicherweise erfreut sich der Apostroph trotz aller Schwierigkeiten großer Beliebtheit. Oft falsch gesetzt wird er auch bei Namen im Genitiv, bei der Pluralbildung oder bei Verkleinerungsformen im Dialekt .

13. Juli 2017
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Zuviel des Guten: missverständliche Werbung im Sonnenstudio

Gewitter, Regen? Kein Problem! Wer seinem Teint eine sommerliche Bräunung verleihen möchte, kann auch in ein Solarium gehen und seine Haut dort gerben lassen. Ein wenig übertrieben ist allerdings das Angebot dieses Sonnenstudios, das offenbar statt einer zehnminütigen Intensiv-Bestrahlung gleich die kompletten Geräte an die Kundschaft verticken will … oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Bräunungsgeräte zum Dauertiefpreis - missverständliche Werbung im Sonnenstudio

Briefprofi Barbara merkt an dieser Stelle noch an, dass zwischen „Top“ und „Bräunungsgeräte“ ein Bindestrich stehen sollte, denn hier soll ja sicherlich hervorgehoben werden, dass es sich nicht um irgendwelche 08/15-Geräte handelt.

Rechtschreibung

6. Juli 2017
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Rechtschreibung – hier sind die neuen Regeln 2017

Seit Ende Juni enthält das „Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung“ einige neue Regelungen, die Sie kennen sollten. Erarbeitet wurden sie vom Rat für Deutsche Rechtschreibung, der dafür verantwortlich ist, dass die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum bewahrt bleibt. Im Regelteil wurden vor allem die Paragraphen 25 E3 und 63 E4 geändert.

1. Es gibt nun ganz offiziell ein großes Eszett

Falls Sie sich spontan fragen, wofür man das denn brauchen kann: Bisher musste bei der Schreibung in Großbuchstaben (Versalien) ein Eszett durch zwei S ersetzt werden. Dadurch wurde etwa die Flößerstraße zur FLÖSSERSTRASSE und aus Frau Nußbaum eine FRAU NUSSBAUM.

So lautet die offizielle Regelung dazu:

§ 25
E1: (…)
E2: Steht der Buchstabe ß nicht zur Verfügung, so schreibt man ss. In der Schweiz kann man immer ss schreiben. Beispiel: Straße – Strasse
E3: Bei Schreibung mit Großbuchstaben schreibt man SS. Daneben ist auch die Verwendung des Großbuchstabens ẞ möglich. Beispiel: Straße – STRASSE – STRAẞE.

Typografisch gab es zwar das große Eszett schon länger, aber seine Verwendung war nach den amtlichen Regeln der deutschen Rechtschreibung nicht korrekt. Die Problematik der früheren Regelung habe ich im Beitrag s oder ss? schon einmal aufgegriffen und am Beispiel einer Überschrift illustriert, die Großes leisten! hieß und in Versalien eben: GROSSES LEISTEN!

Ab sofort ist GROẞES LEISTEN! nicht nur wünschenswert, sondern auch korrekt geschrieben.

Und wie habe ich das mit dem GROẞEN ẞ jetzt gemacht?

Schließlich findet sich dieser Buchstabe nicht auf der Computertastatur. Aber man kann ihn auf dem Umweg über die Tastenkombination 1E9E Alt-C erzeugen. Damit können wir uns behelfen, bis sich die Tastaturhersteller eine praktischere Lösung einfallen lassen.

2. In bestimmen Fällen ist nun die Großschreibung von Adjektiven erlaubt

§ 63 Feste Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv
(…)
(3) Der adjektivische Bestandteil wird großgeschrieben
(3.1) bei Titeln, Ehren- und Amtsbezeichnungen, zum Beispiel:
der Regierende Bürgermeister, die Königliche Hoheit, der Heilige Vater, der Erste Staatsanwalt, die Leitende Ministerialrätin
(3.2) bei offiziellen sowie kirchlichen Feier- und Gedenktagen, zum Beispiel:
der Erste Mai, der Internationale Frauentag, der Heilige Abend
E4: Bei Funktionsbezeichnungen sowie bei Benennungen für besondere Anlässe und Kalendertage kann großgeschrieben werden, zum Beispiel: der erste/Erste Vorsitzende, der technische/Technische Direktor; die goldene/Goldene Hochzeit, das neue/Neue Jahr

Das komplette amtliche Regelwerk der deutschen Sprache finden Sie übrigens hier.

Speziell das neue Jahr war in der Vergangenheit von sehr vielen Menschen bereits (mit Glückwünschen) zum Neuen Jahr gemacht worden. Zukünftig ist das auch ganz offiziell richtig. Ich persönlich finde es nur konsequent, erst zum Heiligen Abend und dann zum Neuen Jahr gratulieren zu dürfen.

Allerdings hat der Rechtschreibrat ausdrücklicht betont, dass eine weitere beliebte Großschreibung nach wie vor falsch ist, nämlich die beim Willkommensgruß:

Herzlich willkommen! ist und bleibt die einzig richtige Schreibweise

Denn außer in den oben genannten Fällen werden Adjektive nach wie vor klein geschrieben. Dieser freundliche Römer hat sich diesbezüglich also leider geirrt:

Römer mit Schild Herzlich Willkommen

Korrekt wäre allenfalls

Ein herzliches Willkommen!

Denn hier ist Willkommen ein Substantiv, und als solches schreibt man es groß.

3. Bei der Eindeutschung von Fremdwörtern wurde zurückgerudert

Der Rechtschreibrat hat beobachtet, dass sie sich nicht durchsetzen, die komischen „deutschen“ Schreibungen wie Wandalismus oder Ketschup. Deswegen hat er etliche dieser Schreibungen aus seinem Wörterverzeichnis 2017 entfernt.

So ganz konsequent war er dabei aber nicht, wie meine kleine Stichprobe ergeben hat. Denn man schreibt jetzt richtig:

  • Chicorée, aber nicht mehr Schikoree (der mit Sch hatte es übrigens in den Duden ohnehin nie geschafft)
  • Chimäre, aber nach wie vor auch Schimäre
  • Creme, neu auch Crème, aber nicht mehr Krem (die ist im Duden noch als „veraltet“ enthalten)
  • Malaise, nicht mehr Maläse (die hatte es auch nie in den Duden geschafft)
  • Mayonnaise, nicht mehr Majonäse (die steht aber im Duden)
  • Polonaise, aber nach wie vor auch Polonäse (beide im Duden)

Naja, da hat der Rechtschreibrat halt auch in Zukunft noch etwas zu tun, bis er die Malaise mit der Polonäse erledigt hat …

Weitere Tipps zum Thema finden Sie auf unserer Seite Best of Rechtschreibung.

Neue Rechtschreibregeln 2017 zum Pinnen

lauter Verbotsschilder

27. Juni 2017
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Ein Verbot nett formulieren? Das ist gar nicht so einfach!

Als ich dieses Schild am Schaufenster eines leerstehenden Ladens in der Kemptener Innenstadt gesehen habe, musste ich schmunzeln: Hier hat jemand versucht, etwas zu verbieten, dabei aber freundlich zu wirken. Das ist offensichtlich gar nicht so einfach:

verbot nett formulieren - verboten mit Herz

„Nicht erwünscht“ ist schwach formuliert, „verboten“ dagegen sehr hoheitlich-streng. Mit dem Herzchen wirkt das Verbot zugegebenermaßen gleich viel freundlicher, aber irgendwie auch unentschieden. Ob sich von einem so herzlichen Verbot jemand vom Plakatieren abhalten lässt?

Wie können Sie alternativ ein Verbot nett formulieren?

Zum Beispiel als Bitte:

Bitte nicht plakatieren!

Das ist höflich, birgt aber die Gefahr, dass die Verneinung nicht ankommt, und nur die Aufforderung „plakatieren“ beim Leser hängenbleibt. Wie in diesem Beispiel, bei dem ein ähnliches Schild offensichtlich völlig falsch verstanden wurde.

Besser dürfte daher eine Kombination aus Freundlichkeit (Bitte) und klarem Verbot wirken. Etwa so:

Bitte halten Sie dieses Schaufenster frei – Plakatieren ist hier verboten!

Was meinen Sie dazu?

Allgemein neigen wir in Deutschland ja eher zum Verbieten, weniger zu Erlauben. Das habe ich bereits in diesem Post zu Verbotsschildern dokumentiert. In Sachen Charme und Freundlichkeit könnten wir bei Aufforderungen zu erwünschtem Verhalten einiges von den Österreichern lernen, wie ich hier festgestellt habe.

Bewerbungen

20. Juni 2017
nach Barbara
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Mustertext für einen Zwischenbescheid an Bewerber

Trotz Fachkräftemangels werden viele Unternehmen nach einer Stellenausschreibung nach wie vor von einer Flutwelle an Bewerbungsunterlagen überspült. All diese Unterlagen wollen gesichtet und nach Relevanz sortiert werden, bevor die ersten Absagen und Einladungen zu Vorstellungsgesprächen versendet werden. Oft dauert es mehrere Wochen, bis das erledigt ist. Da ist es nur höflich, die Bewerber darüber zu informieren, dass und wie lange sie auf eine Antwort warten müssen. Zu diesem Zweck erhalten sie einen Zwischenbescheid.

Wie formuliere ich einen Zwischenbescheid? Praxisbeispiele:

Im Rahmen meiner Korrespondenzworkshops bin ich zum Beispiel auf diese Formulierungen gestoßen:

Sehr geehrter Herr Bewerber,

wir danken Ihnen herzlich für Ihre Bewerbung als …

Bitte haben Sie Verständnis, dass die Prüfung aller eingehenden Bewerbungen einige Zeit beansprucht. Zu gegebener Zeit werden wir Sie wieder informieren.

Der Dank ist immerhin freundlich. Aber der zweite Absatz wirkt schon ziemlich kühl. Und was bedeutet „zu gegebener Zeit“? Es klingt nach „irgendwann“. Und wahrscheinlich wird der Bewerber nach zwei oder drei Wochen dann doch anrufen und sich nach dem Stand erkundigen.

Genau diesen Anruf wollte der Absender dieses Schreibens verhindern:

Wir danken Ihnen für die Zusendung Ihrer Bewerbung und das unserem Haus damit entgegengebrachte Vertrauen.

Die Bearbeitung der eingegangenen Bewerbungen wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Wir bitten Sie um ein wenig Geduld.

Nach eingehender Prüfung der Unterlagen werden wir uns unaufgefordert wieder mit Ihnen in Verbindung setzen.

Vermutlich werden die meisten Empfänger durchaus verstehen, dass das bedeutet, sie mögen den Verantwortlichen bitte nicht mit telefonischen Nachfragen nerven. Aber wie lange sollen sie warten? „Ein wenig Geduld“ klingt nach einem kurzen Zeitraum. „nach eingehender Prüfung der Unterlagen“ eher nach einem langen. Hm, das spricht auch für eine telefonische Nachfrage nach zwei bis drei Wochen …

Das Problem ist der Interessengegensatz

Wer eine Bewerbung versendet, möchte verständlicherweise möglichst schnell eine Reaktion bekommen. Er möchte wissen, ob er in die engere Wahl kommt und auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch hoffen darf. Falls nicht, möchte er wenigstens seine Unterlagen so schnell wie möglich zurückbekommen, damit er sie für eine andere Bewerbung verwenden kann.

Auf der Unternehmensseite möchte man dagegen erst einmal Zeit gewinnen, um in aller Ruhe die interessantesten Bewerber herauszufiltern und sich ein genaueres Bild von ihnen zu machen. Je nach Unternehmen müssen dabei unterschiedliche Ressorts und Hierarchiestufen koordiniert werden. Das kann schon eine Weile dauern. Wenn Sie an diesem Prozess beteiligt sind, möchten Sie in dieser Zeit sicher auch nicht täglich Anrufe bekommen, in denen sich jemand erkundigt, wie weit Sie denn sind.

Die Lösung: Machen Sie genauere Zeitangaben

„Das geht doch nicht“, werden Sie jetzt vermutlich denken. So ganz genau können Sie ja gar nicht wissen, wie lange der Chef oder die Fachabteilungen brauchen, um sich zu entscheiden. Es wird aber vermutlich länger als zwei Wochen und kürzer als zwölf (hoffentlich!) dauern. Also nennen Sie in Ihrem Zwischenbescheid eine Zeitspanne dazwischen, die Sie für realistisch halten. Wenn es dann doch deutlich länger dauert, rufen die Leute eben an. Aber wenigstens nicht vorher.

Mustertext für einen bewerber- und bearbeiterfreundlichen Zwischenbescheid

Sehr geehrte Frau Bewerberin,

herzlichen Dank für Ihre Bewerbung als …, die am … bei uns eingegangen ist. Wir freuen uns über Ihr Interesse an dieser Stelle und an unserem Unternehmen und werden Ihre Unterlagen sorgfältig prüfen.

Da wir erfreulicherweise viele Bewerbungen bekommen und mehrere Personen an der Personalauswahl beteiligt sind, werden wir etwa vier ((alternativ: sechs)) Wochen für die Bearbeitung benötigen. Sobald feststeht, welche Bewerber in die engere Wahl kommen, melden wir uns bei Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen

Mustertext für einen Zwischenbescheid

6. Juni 2017
nach Judith
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Eiskalt erwischt: Dieser Vergleich ist werbewirksam

Die meisten unserer Schnappschüsse beschäftigen sich ja mit irgendwie missglückten Werbesprüchen. Davon kann bei diesem Foto nicht die Rede sein. Diese Aufschrift auf dem Schild eines Berliner Kiosks liefert nämlich nicht nur einen anschaulichen, sondern auch einen ausgesprochen humorvollen Vergleich.

Werbeschild mit einem eiskalten Vergleich

Diese Getränke müssen also wirklich eiskalt sein!