Stellenanzeige - was wir bieten

26. März 2018
von Barbara
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Was wir bieten – Formulierungen in Stellenanzeigen

Viele Stellenanzeigen enthalten einen Unterpunkt Was wir bieten. Wer diesen formuliert, sollte sich vorab fragen: Was wünschen sich Bewerber von ihrem zukünftigen Arbeitgeber, wie sieht ein richtig attraktives Angebot aus Bewerbersicht aus? Dieser Perspektivwechsel scheint aber gar nicht so einfach zu sein. Oder warum finden sich hier so viele floskelhafte und austauschbare Formulierungen? Und warum so vieles, das gar nicht als besonderer Pluspunkt zu verstehen ist?

Natürlich gibt es Wünsche, die bei jedem Arbeitnehmer auftauchen: Jeder möchte eine Arbeit machen, die ihm liegt, die für ihn interessant und sinnvoll ist. Jeder möchte für seine Arbeit ordentlich bezahlt werden und nicht befürchten müssen, dass er die neu angetretene Stelle schnell wieder verliert.

Bei anderen Teilen der Jobbeschreibung ist die Sache weniger eindeutig, sondern es kommt darauf an, welche Aussagen als anziehend empfunden werden. Darauf, welche Persönlichkeiten Sie für welche Aufgaben suchen. Für extravertierte Menschen, die gerne mit anderen zusammen sind und sich schnell langweilen, sind beispielsweise Teamklima und Abwechslung besonders wichtig. Menschen, die gerne methodisch vorgehen und sich tief in Details einarbeiten, legen vermutlich mehr Wert auf eine gründliche Einarbeitung und eine langfristig angelegte Tätigkeit.

Erstaunlicherweise berücksichtigen viele Stellenanzeigen in der Jobbeschreibung keinen dieser Aspekte. Sondern hier herrschen Banalität und Einheitsbrei.

Stellenanzeigen formulieren - was wir bieten

Was wir bieten – oder was man halt so verspricht …

Ausgerechnet bei dem, womit ein Unternehmen sich abheben könnte, herrscht in der Praxis eine überwältigende Gleichförmigkeit. Angeboten wird meist nur das, was alle anderen auch bieten.

Ist wirklich jede Stelle „interessant und abwechslungsreich“?

Das könnte man annehmen. Denn in etwa 80 von 100 Anzeigen beginnt die Jobbeschreibung mit: Wir bieten …

einen interessanten und abwechslungsreichen Arbeitsplatz
eine abwechslungsreiche, spannende Aufgabe
eine abwechslungsreiche, vielseitige Tätigkeit
eine abwechslungsreiche Tätigkeit in einem international ausgerichteten Unternehmen
eine anspruchsvolle, spannende wie abwechslungsreiche Tätigkeit

Gähn – in der Wiederholung liest sich das ziemlich langweilig. Glaubwürdig ist es auch nicht. Zum einen, weil manche Jobs objektiv relativ eintönig sind. Zum anderen, weil es subjektiv höchst unterschiedlich ist, was als interessant und spannend empfunden wird.

Mein Rat: Lassen Sie diese Leerfloskel einfach weg. Beschreiben Sie lieber die Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten:

Zu Ihren Aufgaben gehört es …
Sie kümmern sich um …

Dann weiß der Bewerber, was ihn erwartet – und ob er persönlich das interessant findet oder nicht, kann er dann selbst entscheiden.

Leerformeln zum Gehalt wecken Verdacht

Gar nicht so selten gibt es Stellenanzeigen, die unter Was wir bieten kein Wort über die Bezahlung verlieren. Ist die Bezahlung dort so schlecht, dass man lieber nichts dazu sagt? Die Mehrheit aber flüchtet sich in ebenfalls verdächtige Leerformeln wie:

attraktives Gehalt
leistungsgerechte Bezahlung/Vergütung
attraktive Bezahlung und gute Sozialleistungen

Verdächtig deswegen, weil „attraktiv“ oder „leistungsgerecht“ für den Arbeitgeber garantiert etwas anderes bedeutet als für den Arbeitnehmer. Was für den einen attraktiv ist (etwa möglichst geringe Lohnkosten), ist es für den anderen gerade nicht. Leistung ist in vielen Berufen ohnehin gar nicht eindeutig zu messen. Im Zweifel wird der Arbeitgeber sie ohnehin anders (niedriger) einschätzen als der Mitarbeiter.

Attraktiver, weil wesentlich konkreter, sind Formulierungen wie:

Vergütung nach XY-Tarif
übertarifliche Bezahlung
betriebliche Altersvorsorge
ein Dienst-PKW, auch zur privaten Nutzung
10 % Personalrabatt auf private Einkäufe

Was wir bieten – wollen Sie wirklich etwas über das Betriebsklima schreiben?

Natürlich möchte niemand mit miesepetrigen Kollegen zusammenarbeiten, die einen bei jeder Gelegenheit ausbooten. Andererseits ist es geradezu unglaublich, was hier alles versprochen wird: Alle Teams sind toll! Belegt durch Formulierungen dieser Art:

ein gutes/angenehmes Betriebsklima
ein außergewöhnlich gutes Betriebsklima
ein motiviertes Team
ein starkes/kollegiales Team
ein dynamisches, motiviertes und kompetentes Team
ein humorvolles und kollegiales Team

Mein Vorschlag: Lassen Sie das Teamklima in Stellenanzeigen einfach weg. Bewerber wissen, dass das gute Klima auch da versprochen wird, wo es nicht herrscht. Insofern ist es kein Unterscheidungsmerkmal.

Vorsichtig sein sollten Sie übrigens bei Formulierungen wie

ein junges, familiäres Team
unser junges dynamisches Team

Da könnten sich Bewerber jenseits der 40 oder 50 leicht diskriminiert fühlen …

Und womit können Sie Ihr Angebot dann attraktiv machen?

Interessant sind in erster Linie das Unternehmen und die Stelle, um die es geht, samt ihren Aufgabenbereichen. Wo diese nicht selbsterklärend sind, sollten Sie diese kurz beschreiben. Ein vernünftiges Wort zur Bezahlung sollten Sie möglichst auch verlieren (siehe oben).

Je nach den Gepflogenheiten Ihrer Branche sollten Sie unter Was wir bieten zudem angeben, wo Sie sich unterscheiden. Etwa

einen unbefristeten Arbeitsvertrag
geregelte Arbeitszeiten (Gastronomie)
Arbeit in festen Schichten – keine Nachtschicht
die Möglichkeit der Verbeamtung bei Erfüllen der beamtenrechtlichen Voraussetzungen

Und dann noch alles, von dem Sie glauben, dass es Sie für Ihre Wunschbewerber wirklich anziehend macht. Oder zumindest zeigt, dass Sie bereit sind, sich um Bewerber wirklich zu bemühen. Wer Bewerber der Generation Y (die jetzt um die 30 sind) anziehen möchte, probiert es beispielsweise mit:

Mitarbeiter-Benefits wie Vertrauensarbeitszeit, Kids-Office, Sportprogramme, After-Work-Partys

Manchmal sticht auch die regionale Karte:

Wir bieten Ihnen einen Arbeitsplatz in einer der schönsten Regionen Deutschlands. Bei Bedarf helfen wir gerne auch bei der Wohnungssuche.

Lustig fand ich diese Stellenanzeige:

Stellenanzeige im Allgäuer Dialekt

Ist das nicht eine gute Idee? Wer weiß, dass das Unternehmen bei Vergütung und Karrierechancen nicht mit Konzernen und anderen „Großen“ mithalten kann, muss deswegen schließlich nicht aufgeben. Und in diesem Unternehmen könnte das Versprechen eines humorvollen Teams sogar eingelöst werden; zumindest in der Personalabteilung hat da jemand Humor ….

Falls Sie sich für weitere Formulierungstipps zum Recruiting interessieren, empfehlen wir Ihnen auch folgende Posts:

Floskeln in Stellenanzeigen – Anforderungen an Bewerber

Wie Sie Ihr Unternehmensprofil in Stellenanzeigen gestalten

Mustertext für einen Zwischenbescheid an Bewerber

19. März 2018
von Judith
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Mühsal kann nur männlich sein – oder?

Das folgende Bild zeigt einen Ausschnitt aus einer spannenden Reportage über Schwammtaucher. Erschienen ist sie in Wings, dem Bord-Magazin der Lufthansa-Tochter Eurowings. Doch – ach! – schauen Sie mal ans Ende des ersten Absatzes. Da ist die Mühsal plötzlich männlich.

Textauszug, in dem die Mühsal männlich ist

Zugegeben, es ist ein Kuriosum im Deutschen, dass Hauptwörter ein grammatisches Geschlecht haben und dieses Geschlecht mitunter recht willkürlich zugeordnet wird. Es heißt der Boden und die Decke, der Baum und die Pflanze, der Mond und die Sonne, der Hass und die Liebe, der Urlaub und die Mühsal.

Das Beispiel oben zeigt nur allzu deutlich, dass das grammatische Geschlecht nichts mit dem natürlichen Geschlecht zu tun haben muss. Denn eigentlich bin auch ich der Meinung: Mühsal müsste männlich sein, schließlich ist es vorwiegend der männliche Teil der Bevölkerung, der uns Frauen Mühe macht …

Leuchtturm

12. März 2018
von Barbara
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Bildhafte Sprache ist toll – solange die Bilder nicht schief sind!

Eine bildhafte Sprache macht Texte anschaulich und lebendig. Mit den richtigen Sprachbildern erzeugen Sie eine emotionale Wirkung beim Leser und werden dadurch überzeugender. Es ist schon ein Unterschied, ob wir Ihnen beispielsweise hilfreiche Informationen für das Erstellen empfängerorientierter Texte geben oder aber einen Kompass, mit dem Sie den Weg direkt ins Herz Ihres Lesers finden.

So funktioniert bildhafte Sprache

Wer Texte liest, muss die Inhalte geistig verarbeiten, um sie zu Wissen zu verknüpfen und/oder Handlungen daraus abzuleiten. Das ist viel einfacher, wenn die Worte an Erlebniswelten anknüpfen, die dem Leser bekannt sind. Bilder sind mit Erinnerungen und Gefühlen verknüpft, und die speichern wir Menschen nun mal viel besser ab als Abstraktes.

Hilfreiche Informationen sind abstrakt. Empfängerorientierte Texte auch. Ein Kompass ist etwas Konkretes. Und jemanden ins Herz zu treffen, ist spätestens seit Amors Wirken ein Bild, das positive Emotionen erzeugt.

Zur Bildwelt „Kompass“ bzw. „Orientierung“ könnten Sie natürlich auch andere Formulierungen finden: Mit guten Texten können Sie zum Beispiel eine Schneise in den Informationsdschungel schlagen. Wie ein Leuchtturm in der Informationsflut wirken. Oder wegweisend durch  Textwüsten führen.

Allerdings sollten Sie darauf achten, dass Ihre Sprachbilder nicht verrutschen. Wenn Leuchtturm, dann Meer. Der Leuchtturm im Sprachdschungel oder in der Wüste erzeugt kein stimmiges Bild, sondern ein schiefes und damit unfreiwillige Komik.

Dieses Sprachbild hängt schief

Die Idee zu diesem Text kam mir, als ich diesen Aufdruck auf einer Tüte fand:

Beispiel für missglückte bildhafte Sprache - Zahnfleisch auf Kurs

Jetzt wissen Sie auch, warum ich oben an den Kompass gedacht habe. Der kann zweifellos helfen, den richtigen Kurs zu finden. Allerdings frage ich mich, wohin das Zahnfleisch auf seinem Kurs wohl unterwegs ist … Bestimmt wäre es den meisten Patienten lieber, die Entzündung würde sich davonmachen, das Zahnfleisch aber dableiben.

Der „Kurs“ führt hier eindeutig in die Irre. Beziehungsweise in eine unpassende Bildwelt und damit zu Befremden oder Gelächter. Wenn es unbedingt ein Bild sein soll, dann vielleicht das vom „Bakterienkiller“ (auch wenn das ein wenig martialisch wirkt).

Weitere Beispiele für missglückte bildhafte Sprache

In meinem Fundus habe ich noch zwei hübsche Exemplare gefunden. So bekam ich einmal eine Werbe-E-Mail einer Korrekturleserin, die mich mit folgendem Satz erheiterte:

Sie sind sich gewiss dessen bewusst, dass Rechtschreibfehler einen Webauftritt in einem schiefen Licht erscheinen lassen.

Rechtschreibfehler sind tatsächlich gar nicht gut, wobei ich nicht ausschließe, dass mir ab und zu einer unterläuft. Aber schief ist hier vor allem das Sprachbild, das Licht ist es sicher nicht. Leider rückte damit die Absenderin ihr ganzes Angebot in ein schlechtes Licht.

In einem Ratgebertext las ich diesen Hinweis:

Hier gibt es zahlreiche juristische Fallstricke zu umschiffen.

Vor allem gibt es hier die Vermischung zweier Bildwelten zu bestaunen. Umschiffen kann man Untiefen oder Klippen oder andere Ärgernisse nautischer Art. Fallstricke finden sich auf dem Meer bzw. unter dem Kiel eines Schiffes aber nicht. Sie werden nur Landratten gefährlich. Man könnte sie aber zum Beispiel umgehen, lösen oder auch beherzt durchtrennen.

Haben Sie weitere schöne Beispiele für schiefe Sprachbilder für uns? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

Bildhafte Sprache ist toll - solange die Bilder stimmig sind!

 

Auch in unserem Blog finden Sie weitere Beispiele für bildhafte Sprache, etwa diese:

Eiskalt erwischt: Dieser Vergleich ist werbewirksam

Schiefes Sprachbild auf einer Flasche

1. März 2018
von Judith
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Deutsch-englischer Unsinn: Wo das Wörtchen „mehr“ nicht passt

Unsere Konsumgesellschaft ist unersättlich, und dieser Tatsache will offenbar ein Schild Rechnung tragen, das ich jüngst in einem Klamottenladen gefunden habe:

Mehr Sale - deutsch-englischer Unsinn

Keine Frage: Wer sich hemmungslos in den Schlussverkauf stürzen will, findet hier, was er braucht. Wer jedoch bei alledem noch sprachliche Sinnhaftigkeit erwartet, wird eher enttäuscht. Denn den Sale (= englische Bezeichnung für Schlussverkauf oder auch Ausverkauf) gibt es nur ganz oder gar nicht – nicht aber mehr oder weniger. Korrekt wäre beispielsweise „Mehr reduzierte Artikel auf den anderen Etagen“.

Weniger deutsch-englischer Unsinn ergäbe jedenfalls mehr verständliche Werbung.

Um den eher wenig sinnvollen Einsatz englischer Begriffe im Deutschen geht es auch in folgenden Beiträgen:

Wenn englisch, dann richtig – bitte ohne Pseudoanglizismus!

Käuflicher Irrer – oder nur ein verwirrender Anglizismus?

Bairisch, englisch, benglisch – oder nur noch grässlich?

Satzzeichen

22. Februar 2018
von Barbara
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Der Bindestrich bei zusammengesetzten Begriffen – so ist es richtig!

Wie Sie wissen, sind wir Briefprofis keine Law-and-Order-Frauen, was die schriftliche Kommunikation angeht; wir verstehen uns definitiv nicht als Haudrauf-Sprachpolizistinnen. Aber für die Einhaltung der Rechtschreib- und Zeichensetzungsregeln plädieren wir durchaus. Bei der Zeichensetzung lassen uns die geltenden Regeln ohnehin einigen Spielraum. Der wird allerdings mitunter so ausgelegt, als wären beispielsweise Kommas und Bindestriche völlig verzichtbar. Das sind sie natürlich nicht. Dabei ist die Komma-und-Bindestrich-Frage keineswegs rein akademischer Natur, denn am Ende dient die korrekte Handhabung vor allem der Lesbarkeit und Verständlichkeit der Texte.

Haben Sie es bemerkt? Bereits im Einleitungstext hat sich gezeigt, wie nützlich der Bindestrich bei Aneinanderreihungen von Wörtern ist, die man nicht einfach zu einem Wort zusammensetzen kann.

Komposita und Durchkopplungen

Eine besondere Stärke der deutschen Sprache ist es, dass man die unterschiedlichsten Wörter und Wortarten bei Bedarf zu einem einzigen zusammenbauen kann. Das ergibt die typischen Komposita, die es beispielsweise im Englischen nicht gibt. Sie brachten Markt Twain bei seinen Betrachtungen über die schreckliche deutsche Sprache schon vor über 100 Jahren zu Verzweiflung.

So kann der Griff an der Schublade eines Schreibtischs problemlos zum Schreibtischschubladengriff werden oder aus einer falschen Meldung eine Falschmeldung.

Es gibt aber auch Wörter, die sich nicht so einfach zusammensetzen lassen. Wenn sie trotzdem zusammengehören, verwendet man den Bindestrich, um sie aneinander zu koppeln. Das wird auch „durchkoppeln“ genannt.

Der Bindestrich bei zusammengesetzten Begriffen

Er ist nicht immer verpflichtend.

Law and Order ist zum Beispiel ein englischer Begriff, der eingedeutscht wurde (daher die Großschreibung der Substantive) und ohne Bindestriche verwendet werden kann. Sobald dazu aber ein weiteres Wort gekoppelt wird, muss der Bindestrich zwischen allen einzelnen Elementen stehen: die Law-and-Order-Frau ist richtig geschrieben, die Law and order-Frau falsch.

Interessant ist die Komma-und-Bindestrich-Frage. Dabei handelt es sich um eine zusammengehörende Frage. Dagegen signalisiert die Komma- und Bindestrichfrage, dass es hier um eine Kommafrage und um eine Bindestrichfrage geht. Was ja nicht falsch ist. Insofern sind beide Schreibweisen möglich, es handelt sich also um eine Sowohl-als-auch-Lösung. Die wiederum ist nur in dieser Schreibweise richtig.

Für die Gewinn-und-Verlust-Rechnung gibt es dagegen nur eine korrekte Schreibweise

Häufig liest man von der Gewinn- und Verlustrechnung. Das drückt sprachlich aber aus, dass es eine Gewinnrechnung und eine Verlustrechnung (also zwei Rechnungen) gibt. Das ist natürlich falsch, denn es handelt sich um eine einzige Rechnung, bei der ermittelt wird, ob unter dem Strich ein Gewinn oder ein Verlust steht. Die einzig sinnvolle und korrekte Schreibweise ist daher Gewinn-und-Verlust-Rechnung.

Oder Sie verwenden gleich das Kürzel GuV. Dann vermeiden Sie die Frage nach dem Bindestrich bei zusammengesetzten Begriffen. Es sei denn, sie koppeln das Kürzel GuV an ein anderes Wort:

Klar ist die Sache auch bei Zusammensetzungen mit Abkürzungen

Falls Sie Abkürzungen oder Einzelbuchstaben mit anderen Wörtern kombinieren wollen, ist der Bindestrich ein Muss:

Die GuV-Unterlagen liegen im DIN-A4-Format vor. Die E-Mail wurde an den IT-Leiter geschickt.

Dieselben Regeln gelten für den Bindestrich bei zusammengesetzten Begriffen, die nur aus Abkürzungen bestehen. So bin ich als Redakteurin eines Newsletters, der sich mit der Abrechnung in Arztpraxen beschäftigt, auf die Richtlinie Ultraschallscreening auf Bauchaortenaneurysmen gestoßen. Da dies ein ziemlich sperriger Ausdruck und Ultraschallscreening-auf-Bauchaortenaneurysmen-Richtlinie auch keine echte Verbesserung ist, hat sich dafür die Abkürzung US-BAA-RL durchgesetzt. Die ist schön kurz und orthografisch korrekt.

Ganz schön spannend, diese Bindestriche, nicht wahr? Und so nützlich …

Mehr Posts über Satzzeichen und den Bindestrich finden Sie auf unserer Übersichtsseite Best of Satzzeichen.

Der Bindestrich bei Zusammensetzungen - Pin

14. Februar 2018
von Judith
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Wellen, Sardellen, Garnellen – Maritimes auf der Speisekarte

Eine Quelle steter Freude ist für uns Briefprofis das Studium der Speisekarte beim Restaurantbesuch. So auch diese mit einer Palette an Meeresfrüchten, die man andernorts wohl vergeblich sucht:

Vielleicht war der Koch auch nur inspiriert von einem maritimen Reimschema, das nach Wellen und Sardellen eben nach „Garnellen“ verlangt.

7. Februar 2018
von Barbara
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Wie Sie Ihr Unternehmensprofil in Stellenanzeigen gestalten

BMW oder Siemens könnten darauf verzichten, aber die meisten Unternehmen können nicht davon ausgehen, dass jeder sie kennt und um ihre Branchenzugehörigkeit und ihr Leistungsspektrum weiß. Insofern ist es erstaunlich, dass dennoch viele Unternehmen über ihren Namen und ihr Logo hinaus bei Stellenausschreibungen nichts über sich verraten.

Dahinter mag die Ansicht stecken, dass der interessierte Bewerber sich ja auf der Unternehmenswebsite informieren könne. Oder man geht davon aus, dass sowieso nur Brancheninsider sich bewerben.

Damit werden aber möglicherweise manche, eigentlich passende Bewerber erst gar nicht aufmerksam auf diese Stellen, weil sie mit dem Namen des Unternehmens allein nichts anfangen können. Und das wäre angesichts des oft beklagten Fachkräftemangels doch schade.

Eine (kurze) Vorstellung des Unternehmens gehört in jede Stellenanzeige

Allerdings ist das mit dem Selbstbeschreibungen so eine Sache. Ich kenne das Problem aus eigener Erfahrung: Ich kann sehr gut Profile für andere formulieren, gerate aber jedes Mal ins Schwitzen, wenn ich eines über mich selbst schreiben soll. Das geht offenbar nicht nur mir so.

Wie Sie Ihr Unternehmensprofil in Stellenanzeigen lieber nicht gestalten

Manche Selbstvorstellung wirkt etwas angeberisch:

Wir sind die Nummer 1 in …
Wir sind das führende Unternehmen für …

Daran ändert es auch nichts, wenn man in der 3. Person von sich spricht: XY …

ist Deutschlands erste Adresse für …
einer der Innovations- und Marktführer für …
Weltmarktführer für …
ein weltweiter Marktführer bei …
zählt zu den besten Automotive-Zulieferern weltweit
ist auf Wachstumskurs
gehört zu den größten Modefilialisten Deutschlands

Oder wenn man scheinbar nur weitergibt, was andere sagen:

Wir gelten als innovatives, expandierendes mittelständisches Unternehmen der … Industrie
Seit über 25 Jahren gelten wir europaweit als Experte für …

Zumindest in Stellenanzeigen wimmelt es nur so von Marktführern, alle sind die besten, größten und innovativsten ihrer Branche oder gleich der ganzen Welt. Das ist weder informativ noch überzeugend. Und so richtig sympathisch wirkt es auch nicht.

Wie sieht eine glaubwürdige und aussagekräftige Unternehmensvorstellung aus?

Was antworten Sie, wenn ein Bekannter Sie fragt, was Ihr Unternehmen eigentlich macht? Wahrscheinlich sagen Sie dann etwas über die Branche, die Produkte bzw. Leistungen und die Größe des Unternehmens. Vielleicht noch etwas zu bestimmten Besonderheiten, etwa wenn es sich bei Ihrem Arbeitgeber um eine Stiftung oder um ein inhabergeführtes Unternehmen handelt. Genau diese Dinge interessieren auch potenzielle Bewerber. Sie brauchen Sie für Ihr Firmenprofil nur noch aufzuschreiben.

Aber bitte nicht so:

XY ist führender Hersteller im Bereich High Performance Motion Control und liefert kundenspezifische Lösungen und Systeme für anspruchsvolle Industrieanwendungen.

Die Z AG ist ein führender Anbieter metallbasierter additiver Fertigungstechnologie.

Die X GmbH ist Teil der Y Unternehmensgruppe und gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Embedded Hardware- und Softwarelösungen.

Brancheninsider verstehen möglicherweise, was das für ein Unternehmen ist und was es tut. Alle anderen eher nicht. Im Zweifelsfall bewerben sie sich lieber bei einem Unternehmen, dessen Selbstbeschreibung ihnen einleuchtet.

Ein gutes Unternehmensprofil in Stellenanzeigen ist konkret und in verständlicher Sprache formuliert

Dazu habe ich einige Beispiele gefunden, die als Vorbild dienen können:

Wir sind eine überregional tätige mittelständische Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft mit über 150 Mitarbeitern an den Standorten X, Y und Z.

XY ist eine internationale Personalberatung mit Sitz in Z. Wir finden wir für unsere Auftraggeber weltweit Fach- und Führungskräfte.

Wir sind eine große christliche Hilfsorganisation mit Sitz in Berlin. Unsere Arbeit ist Dienst am Menschen für den Menschen. Zu unseren Aufgaben zählen u.a. Rettungsdienst, Krankentransport, Soziale Dienste, Behindertendienst, Kinder- und Jugendarbeit. (Die Johanniter)

Als X-Firmenfamilie vereinen wir mehrere Vertriebsbereiche mit ca. 2.000 Mitarbeitern unter einem Dach: (…)  Seit über 75 Jahren entwickeln, produzieren und vertreiben wir erstklassige Produkte für Kinder, Familien sowie Bildungs- und Betreuungseinrichtungen.

Y ist ein weltweit tätiges Gesundheitsunternehmen, das Medikamente und Medizinprodukte zur Infusion, Transfusion und klinischen Ernährung anbietet. Unsere Produkte und Dienstleistungen werden in der Therapie und Versorgung von kritisch und chronisch kranken Patienten eingesetzt.

Für das Unternehmensprofil in Stellenanzeigen gilt also nichts anderes als für die sonstige Kommunikation eines Unternehmens nach außen: Besser klar und einfach als modisch-verschwurbelt.

Unternehmensprofil in Stellenanzeigen - Formulierungstipps

Falls Sie sich für weitere Themen rund um die schriftliche Kommunikation im Personalbereich interessieren, empfehle ich Ihnen auch folgende Posts:

Mustertext für einen Zwischenbescheid an Bewerber

Floskeln in Stellenanzeigen – Anforderungen an Bewerber

Behördendeutsch in verständliche Sprache übersetzen

1. Februar 2018
von Barbara
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Unser erstes E-Book: Behördendeutsch in verständliche Sprache übersetzen

Meine Tipps zum Behördendeutsch finden erfreulicherweise viele Leser. Daher haben wir vor einiger Zeit unsere Seite Best of Behördendeutsch eingerichtet, auf der wir auf die entsprechenden Beiträge verlinken. Noch einfacher wäre es natürlich, wenn Interessierte alle Texte zu diesem Thema in einem einzigen Dokument lesen könnten; dann entfällt nämlich das lästige Hinundherklicken. Genau das können Sie jetzt, jedenfalls dann, wenn Sie ein Kindle-Lesegerät haben. Ich habe nämlich das erste Briefprofi-E-Book erstellt, das Sie ab sofort bei Amazon kaufen können (Partnerlink*):

Behördendeutsch in verständliche Sprache übersetzen: Wie Sie ganz einfach so schreiben, dass Ihre Empfänger Sie verstehen. Ohne Floskeln, ohne Missverständnisse. (Die Briefprofis 1)

Für den Preis einer Tasse Cappuccino – genauer gesagt, für 2,99 Euro –, können Sie diesen praktischen, kleinen Leitfaden erwerben. Er wird Ihnen dabei helfen, das Behördendeutsch aus Ihrer Geschäftskorrespondenz zu verbannen und ganz einfach bessere Formulierungen zu finden.

*„Partnerlink“ bedeutet, dass ich für jeden Einkauf, der durch einen Klick auf diesen Link zustande kommt, eine kleine prozentuale Beteiligung bekomme.

Für den Fall, dass Sie keinen Kindle haben, können Sie den Ratgeber übrigens auch im PDF-Format direkt bei uns bestellen. Senden Sie dazu einfach eine E-Mail an info@kettl-roemer.de.

31. Januar 2018
von Judith
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Sorgsam, sparsam, seltsam – falsches Adjektiv in der Toilette

Etwas seltsam finde ich sie schon, die Aufforderung auf diesem Schild, das neben einem Waschbecken in der Toilette hängt:

falsches Adjektiv in der Toilette - sorgsam statt sparsam

Sorgsam? Das bedeutet schonend, pfleglich, gewissenhaft. Aber mal ehrlich, da kann ich noch so schonend und pfleglich mit dem Papier umgehen, im Endeffekt ist der Umwelt damit trotzdem nicht geholfen. Und dem Papier dürfte es egal sein, wie aufmerksam ich es behandle. Vielleicht wäre Sparsamkeit hier der bessere Ratschlag gewesen …

Anforderungen an Bewerber

23. Januar 2018
von Barbara
2 Kommentare

Floskeln in Stellenanzeigen – Anforderungen an Bewerber

Zugegeben, es ist gar nicht so einfach, eine Stellenanzeige zu formulieren. Man hat ja nicht so viel Platz und will das Wichtigste kompakt zusammenstellen. Daher beschränkt man sich üblicherweise auf die Punkte

  • Unser Unternehmen/Wer wir sind
  • Ihre Aufgaben/Was bzw. wen wir suchen
  • Ihr Profil/Welche Qualifikationen und Fähigkeiten Sie mitbringen sollten
  • Wir bieten/Was Sie bei uns erwarten können

Diese Punkte sind die logischen Bestandteile einer Stellenanzeige, denn potenzielle Bewerber müssen wissen, wer wen für welche Aufgaben sucht, bevor sie eine Bewerbung schreiben. Erschwert wird das allerdings durch die Floskelhaftigkeit der Texte. Die Anforderungen an Bewerber unterscheiden sich nämlich oft nur im Hinblick auf die fachlichen Qualifikationen und Erfahrungen; wo es persönliche Eigenschaften und Fähigkeiten geht, sind sie in weiten Teilen austauschbar. Damit verlieren sie aber ihre Orientierungs- und Unterscheidungsfunktion bzw. überhaupt ihren Nutzen.

Anforderungen an Bewerber in Stellenanzeigen sind oft austauschbar und banal

Einer der Spitzenreiter unter den Anforderungen ist die Teamfähigkeit. Aber auch an die gewünschte Arbeitsweise werden immer dieselben Anforderungen gestellt:

Teamfähigkeit – gähn!

Die Formulierungen unterscheiden sich nur minimal: Egal, ob Mitarbeiter für die Buchhaltung, für die Personalabteilung, die IT oder die Technik gesucht werden: Teamfähigkeit sollen alle mitbringen. Wahlweise Teamorientierung, Teamgeist, Bereitschaft zur oder Freude an der Arbeit im Team.

Allerdings dürfte es sich bei den meisten Arbeitnehmern herumgesprochen haben, dass sie normalerweise nicht tagaus, tagein allein in einem stillen Kämmerlein an komplett abgegrenzten Aufgaben arbeiten werden. Jedenfalls, wenn sie sich nicht gerade als Leuchtturmwärter bewerben. Dass man mit Kollegen zu tun haben wird und konstruktiv mit ihnen zusammenarbeiten sollte, weiß jeder. Dass das nicht immer einfach ist, auch. Was soll dann diese Anforderung?

Und wer wird sich selbst als nicht teamfähig einstufen und deswegen auf eine Bewerbung verzichten? Garantiert nicht einmal die Menschen, deren Kollegen ihnen tatsächlich mangelnde Teamfähigkeit vorwerfen, denn Selbst- und Fremdbild weichen oft deutlich voneinander ab. Im Zweifelsfall findet noch der unfreundlichste Eigenbrötler, dass es an den Kollegen liegt, wenn die Zusammenarbeit nicht klappt, niemals jedoch an ihm selbst.

Mein Rat: Verzichten Sie auf die floskelhafte Forderung nach Teamfähigkeit in Ihren Stellenanzeigen, sie bewirkt ohnehin nichts.

Eigeninitiative und selbstständige Arbeitsweise

Hier ist die Bandbreite auch nicht viel größer: Alternative Formulierungen sind Eigenverantwortlichkeit, Engagement oder eine proaktive Arbeitsweise.

Das ist nun auch nichts Außergewöhnliches: Welches Unternehmen sucht schon reine Befehlsempfänger, Mitarbeiter oder gar Führungskräfte, die von selbst gar nichts machen, sondern nur erledigen, was man ihnen dezidiert aufträgt? Eine gewisse Initiative wird an jedem Arbeistplatz erwartet. Vor allem an der Stelle selbst lässt sich ablesen, in welchem Maße eigenständiges Arbeiten damit verbunden ist. Das dürfte bei einem Mitarbeiter am Fließband weniger sein als bei einem Einkaufsleiter, darüber hinaus ist der Erkenntniswert dieser Anforderungen an Bewerber eher gering.

Auch hier gilt übrigens: Kaum jemand wird von sich selbst denken, er hätte besonders wenig Initiative. Und wer ganz bewusst nur Dienst nach Vorschrift machen möchte, wird sich sowieso kaum auf einen Job im Außendienst oder um eine Führungsposition bewerben.

Mein Rat: Lassen Sie auch diese Anforderungen einfach weg, sie dient weder zur Information eines Bewerbers noch hat sie eine Filterfunktion.

Belastbarkeit

Auch diese Eigenschaft wird in sehr vielen Stellenanzeigen gewünscht, ist aber ziemlich banal. Eine gewisse Belastbarkeit muss jeder Arbeitnehmer mitbringen. Wer sucht schon einen Mitarbeiter, der unter der kleinsten Belastung zusammenbricht?

Vielleicht gibt es den ein oder anderen Bewerber, der sich beim Lesen dieser Anforderung denkt: „Nö, ich kann nicht gut mit Stress umgehen, da bewerbe ich mich lieber nicht.“ Aber das dürfte eher die Ausnahme sein. Insofern ist auch dies eine der Anforderungen an Bewerber, auf die man in Stellenanzeigen gut verzichten kann.

Es sei denn natürlich, Sie haben wirklich eine außergewöhnlich anstrengende Position zu besetzen. Wer „hohe Belastbarkeit“ fordert, sagt damit ehrlich, dass der Stresslevel der ausgelobten Tätigkeit ziemlich hoch ist. Das kann manche Bewerber abschrecken (was dann ja auch erwünscht ist). Jedenfalls diejenigen, die ihre eigene Belastbarkeit realistisch einschätzen. Bei den anderen dürfte es vor allem dazu führen, dass sie sich eine entsprechend gute Bezahlung erwarten. Die sollten Sie dann auch bieten können.

Welche Anforderungen an Bewerber sind in Stellenanzeigen sinnvoll?

Die Antwort ist naheliegend: Nur diejenigen, die tatsächlich zu einer Vorselektion der potenziellen Bewerber führen. Das heißt: Alle „harten“ Kriterien sollten aufgeführt werden, etwa

  • Schulabschluss/Berufsausbildung in relevanten Bereichen/Studienabschluss mit Studienfach
  • Dauer der gewünschten Berufserfahrung bzw. Hinweis, dass auch Absolventen oder Quereinsteiger genommen werden
  • Fremdsprachenkenntnisse
  • PC-Kenntnisse, ggf. bezogen auf branchentypische Programme

„Weiche“ Kriterien mit Vorselektionspotenzial sind beispielsweise:

  • Bereitschaft zu intensiver Reisetätigkeit (weltweit)
  • Bereitschaft zur Schichtarbeit mit Rufbereitschaft
  • Erfahrungen im Umgang mit Geschäftspartnern aus dem asiatischen Raum

Wer die nicht hat, bewirbt sich nicht. Das spart dann beiden Seiten Mühe und Enttäuschungen. Das ist sinnvoll.

Stellenanzeigen formulieren - Anforderungen an Bewerber

Falls Sie sich für weitere Themen rund um die schriftliche Kommunikation im Personalbereich interessieren, empfehle ich Ihnen auch folgende Posts:

Mustertext für einen Zwischenbescheid an Bewerber

Wie Sie Ihr Unternehmensprofil in Stellenanzeigen gestalten