Bewerbungen

20. Juni 2017
nach Barbara
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Mustertext für einen Zwischenbescheid an Bewerber

Trotz Fachkräftemangels werden viele Unternehmen nach einer Stellenausschreibung nach wie vor von einer Flutwelle an Bewerbungsunterlagen überspült. All diese Unterlagen wollen gesichtet und nach Relevanz sortiert werden, bevor die ersten Absagen und Einladungen zu Vorstellungsgesprächen versendet werden. Oft dauert es mehrere Wochen, bis das erledigt ist. Da ist es nur höflich, die Bewerber darüber zu informieren, dass und wie lange sie auf eine Antwort warten müssen. Zu diesem Zweck erhalten sie einen Zwischenbescheid.

Wie formuliere ich einen Zwischenbescheid? Praxisbeispiele:

Im Rahmen meiner Korrespondenzworkshops bin ich zum Beispiel auf diese Formulierungen gestoßen:

Sehr geehrter Herr Bewerber,

wir danken Ihnen herzlich für Ihre Bewerbung als …

Bitte haben Sie Verständnis, dass die Prüfung aller eingehenden Bewerbungen einige Zeit beansprucht. Zu gegebener Zeit werden wir Sie wieder informieren.

Der Dank ist immerhin freundlich. Aber der zweite Absatz wirkt schon ziemlich kühl. Und was bedeutet „zu gegebener Zeit“? Es klingt nach „irgendwann“. Und wahrscheinlich wird der Bewerber nach zwei oder drei Wochen dann doch anrufen und sich nach dem Stand erkundigen.

Genau diesen Anruf wollte der Absender dieses Schreibens verhindern:

Wir danken Ihnen für die Zusendung Ihrer Bewerbung und das unserem Haus damit entgegengebrachte Vertrauen.

Die Bearbeitung der eingegangenen Bewerbungen wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Wir bitten Sie um ein wenig Geduld.

Nach eingehender Prüfung der Unterlagen werden wir uns unaufgefordert wieder mit Ihnen in Verbindung setzen.

Vermutlich werden die meisten Empfänger durchaus verstehen, dass das bedeutet, sie mögen den Verantwortlichen bitte nicht mit telefonischen Nachfragen nerven. Aber wie lange sollen sie warten? „Ein wenig Geduld“ klingt nach einem kurzen Zeitraum. „nach eingehender Prüfung der Unterlagen“ eher nach einem langen. Hm, das spricht auch für eine telefonische Nachfrage nach zwei bis drei Wochen …

Das Problem ist der Interessengegensatz

Wer eine Bewerbung versendet, möchte verständlicherweise möglichst schnell eine Reaktion bekommen. Er möchte wissen, ob er in die engere Wahl kommt und auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch hoffen darf. Falls nicht, möchte er wenigstens seine Unterlagen so schnell wie möglich zurückbekommen, damit er sie für eine andere Bewerbung verwenden kann.

Auf der Unternehmensseite möchte man dagegen erst einmal Zeit gewinnen, um in aller Ruhe die interessantesten Bewerber herauszufiltern und sich ein genaueres Bild von ihnen zu machen. Je nach Unternehmen müssen dabei unterschiedliche Ressorts und Hierarchiestufen koordiniert werden. Das kann schon eine Weile dauern. Wenn Sie an diesem Prozess beteiligt sind, möchten Sie in dieser Zeit sicher auch nicht täglich Anrufe bekommen, in denen sich jemand erkundigt, wie weit Sie denn sind.

Die Lösung: Machen Sie genauere Zeitangaben

„Das geht doch nicht“, werden Sie jetzt vermutlich denken. So ganz genau können Sie ja gar nicht wissen, wie lange der Chef oder die Fachabteilungen brauchen, um sich zu entscheiden. Es wird aber vermutlich länger als zwei Wochen und kürzer als zwölf (hoffentlich!) dauern. Also nennen Sie in Ihrem Zwischenbescheid eine Zeitspanne dazwischen, die Sie für realistisch halten. Wenn es dann doch deutlich länger dauert, rufen die Leute eben an. Aber wenigstens nicht vorher.

Mustertext für einen bewerber- und bearbeiterfreundlichen Zwischenbescheid

Sehr geehrte Frau Bewerberin,

herzlichen Dank für Ihre Bewerbung als …, die am … bei uns eingegangen ist. Wir freuen uns über Ihr Interesse an dieser Stelle und an unserem Unternehmen und werden Ihre Unterlagen sorgfältig prüfen.

Da wir erfreulicherweise viele Bewerbungen bekommen und mehrere Personen an der Personalauswahl beteiligt sind, werden wir etwa vier ((alternativ: sechs)) Wochen für die Bearbeitung benötigen. Sobald feststeht, welche Bewerber in die engere Wahl kommen, melden wir uns bei Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen

Mustertext für einen Zwischenbescheid

6. Juni 2017
nach Judith
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Eiskalt erwischt: Dieser Vergleich ist werbewirksam

Die meisten unserer Schnappschüsse beschäftigen sich ja mit irgendwie missglückten Werbesprüchen. Davon kann bei diesem Foto nicht die Rede sein. Diese Aufschrift auf dem Schild eines Berliner Kiosks liefert nämlich nicht nur einen anschaulichen, sondern auch einen ausgesprochen humorvollen Vergleich.

Werbeschild mit einem eiskalten Vergleich

Diese Getränke müssen also wirklich eiskalt sein!

lodernde Flammen

29. Mai 2017
nach Barbara
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Leidenschaft in Werbeslogans – lieber sparsam dosieren

Als Umworbene haben wir in Sachen leidenschaftliche Werbeversprechen eine gewisse Leidensfähigkeit erworben. Es ist ja auch rührend, was Freiberufler und Unternehmen alles mit Leidenschaft betreiben.

Leidenschaft in Werbeslogans wirkt oft unglaubwürdig

Das musste schon die Deutsche Bank erfahren: Ihr Slogan Leistung aus Leidenschaft wurde angesichts der diversen Skandale und des Aktienkurses im Sinkflug von Spöttern gerne zu „Leistung, die Leiden schafft“ verballhornt. Seit Mai wirbt das Geldinstitut nun mit einem modischen Hashtag: #PositiveImpact bzw. #PositiverBeitrag.

Über Hashtag-Slogans kann man zwar streiten und über den Impact auch. Übrigens hat sich die Deutsche Bank vorsichtshalber gleich den #NegativeImpact schützen lassen. Hihi.

Ich finde es aber grundsätzlich durchaus begrüßenswert, wenn die Leidenschaft der Banker (endlich) durch ihr Bemühen abgelöst wird, einen positiven Beitrag zum finanziellen Wohlergehen ihrer Kunden zu leisten.

Mit Leidenschaft kann Werbung auch unfreiwillig komisch werden

Dieses vollmundige, äh lodernde Leistungsversprechen fand ich auf einem Werbeplakat für eine Zahnarztpraxis:

Werbeschild Zahnerhalt aus Leidenschaft

Ganz ehrlich: Das sind mir zu viel der Gefühle bei einem Zahnarzt! Ein leidenschaftlicher Parodontologe weckt bei mir Assoziationen zu einem, der begeistert Leiden schafft. Kennen Sie den Zahnarzt aus „Der kleine Horrorladen“? Brrr! Da gehe ich lieber zu einem absolut leidenschaftlosen, aber dafür sorgfältigen und fachkompetenten Kollegen.

Was meinen Sie dazu? Ist Leidenschaft für Sie ein rundum positiv besetzter Begriff? Haben Sie weitere leidenschaftliche Fundstücke für unsere Sammlung?

Falls Sie sich aus Leidenschaft mit Werbung beschäftigen: Weitere unfreiwillig komische Werbeslogans hat Briefprofi Judith zum Beispiel auf einer Weinflasche oder bei einer Fensterwerbung zum Davonlaufen gefunden.

rote Mailbox mit Brief

22. Mai 2017
nach Barbara
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Wenn englisch, dann richtig – bitte ohne Pseudoanglizismus!

Kürzlich haben wir uns mit der Frage beschäftigt, ob und wann man Bindestriche verwendet, wenn man zusammengesetzte englische Begriffe in deutschen Schreiben verwendet. Inzwischen gibt es ja ziemlich viele Anglizismen – also englische Ausdrücke, die Eingang in unsere Sprache finden. Oft liegt das daran, dass es für einen Begriff keine echte oder nur eine sehr umständliche deutsche Entsprechung gibt.

Anglizismen sind grundsätzlich okay

Man könnte z. B. statt Electronic Banking auch „Abwicklung von Bankgeschäften auf elektronischem Wege“ schreiben. Oder die Happy Hour durch „eine Stunde, in der alkoholische Getränke verbilligt angeboten werden“ ersetzen. Sprachpuristen würden sich darüber vielleicht freuen. Alle anderen Leser würden sich eher wundern.

Wo ein Anglizismus sinnvoll ist, können Sie ihn also unbesorgt übernehmen, solange Sie sich dabei an die jeweils passenden Rechtschreibregeln halten. Andererseits gibt es auch viele Anglizismen, die überflüssig sind, weil es für sie einen deutschen Ausdruck gibt, der den Sachverhalt genauso trifft und außerdem von jedem verstanden wird. Dann empfehlen wir natürlich die Wahl des deutschen Begriffs.

Eine schöne Auswahlhilfe bei der Entscheidung „Anglizismus oder nicht“ bietet übrigens die Lektorin Dr. Sandra Meinzenbach auf ihrem Blog Textskizzen.

Und was bitte ist ein Pseudoanglizismus?

In unserem letzten Post haben wir uns Gedanken über den „Kaffee zum Wegtragen“ gemacht, den Briefprofi Judith entdeckt hatte. Dieser etwas merkwürdige Ausdruck sollte den Ausdruck Coffee to go ersetzen, was an sich ja eine gute Idee ist. Denn „to go“ ist zwar eine Formulierung aus zwei englischen Wörtern. Aber eine, die niemand im Zusammenhang mit Kaffee versteht, dessen Muttersprache Englisch ist. (Es sei denn, derjenige hat Deutschland bereits bereist und sich einen Reim darauf gemacht, was dieser merkwürdige scheinenglische Ausdruck bedeutet.)

Coffee to go ist damit ein typischer Schein- oder Pseudoanglizismus. Er macht auf Englisch, ist aber schlicht eine deutsche Fehlübersetzung. Ein Engländer oder Amerikaner kauft nämlich einen take away coffee, wenn er einen Kaffee zum Mitnehmen haben möchte.

Weitere Scheinanglizismen, die Sie vermeiden sollten

Nun ist das mit dem Kaffee ja nicht so schlimm, denn in der Geschäftskorrespondenz oder anderen Texten für Ihre englischsprachigen Leser werden Sie ihn ja nicht so oft brauchen. Es gibt aber noch mehr Pesudoanglizismen, auf die Sie im geschäftlichen Zusammenhang hereinfallen könnten. Typische Beispiele sind:

Beamer
Handy
Service Point

Die heißen nämlich in echtem Englisch:

projector
mobile phone
information desk

Falls Sie über Ihre Branche schreiben möchten, ist das nicht die branch (= Ast oder auch Bank), sondern die industry. Und wenn Sie Ihren Chef erwähnen, ist er der boss, denn die Bezeichnung chef ist im Englischen für den Küchenchef reserviert.

Vorsicht bei Reisen mit der Bahn!

Besonders lustig finde ich einen Pseudoanglizismus, den die Deutsche Bahn in die Welt gesetzt hat: Falls Sie einem englischen Korrespondenzpartner empfehlen, er möge doch das Angebot Rail & Fly nutzen, wird er sich sehr wundern. Übersetzt heißt das nämlich „Fluchen und Fliegen“ (to rail = schimpfen, lästern, fluchen). Das kann zwar passieren, wenn man mit der Bahn zum Flughafen reist. Aber gemeint war sicher Rail & Flight (= Schiene und Flug).

Pseudoanglizismus - ein Begriff, der englisch klingt, den aber kein Engländer versteht

10. Mai 2017
nach Judith
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Kaffee zum Wegtragen? Mit Transporteignung? To go?

Es geht wohl nicht bloß mir so: Coffee to go kommt schon wegen des blöden Anglizismus nicht in Frage. Noch dazu ist es ja ein Pseudoanglizismus, denn im Englischen ergibt dieser Ausdruck gar keinen Sinn. Irgendwie seltsam erscheint mir allerdings die folgende Übersetzung ins Deutsche, die einen gewissen Zweifel daran aufkommen lässt, ob das dunkle Gebräu denn überhaupt genießbar ist:

Schild mit Aufschrift Kaffee zum Wegtragen

Hm … soll hier nun die Transportfähigkeit des Kaffees als Hauptvorzug hervorgehehoben werden? Oder ist diese Aufschrift in Wirklichkeit eine Aufforderung dazu, das Getränk sofort in den nächsten Kanal zu kippen? Wir werden es wohl nie erfahren …

Briefprofi Barbara findet übrigens den Versuch der Coffee-to-go-Vermeidung sehr löblich und hat sich Gedanken über Alternativen gemacht.

Wie wäre es z. B. mit

  • Kaffee zum Mitnehmen
  • Kaffee für unterwegs
  • Mitnahme-Kaffee

?

gendergerechte Geschlechtersymbole

4. Mai 2017
nach Barbara
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Die Grenzen des Genderns

Eine „gendergerechte“ oder „gendersensible“ Sprache wird heute von vielen Institutionen benutzt bzw. zur Benutzung vorgeschrieben. Das führt aber zu teilweise schwer lesbaren und teilweise ziemlich albernen Texten. Wie kann hier die Gratwanderung zwischen Gendersensibilität und den sprachlichen Grenzen des Genderns gelingen?

Was heißt eigentlich gendern?

Das das grammatikalische Geschlecht heißt in der Linguistik lateinisch Genus oder englisch gender. Im Deutschen gibt es drei grammatikalische Geschlechter, nämlich weiblich, männlich und sächlich: der Mann, die Frau, das Kind.

Das wäre weiter kein Problem, wenn sich nicht seit den 60er-Jahren die Erkenntnis durchgesetzt hätte, dass es in der Gesellschaft neben dem biologischen Geschlecht (im Wesentlichen männlich und weiblich) auch Geschlechtervorstellungen und Rollenzuschreibungen gibt, die nicht biologisch bedingt sind, sondern sozial. So herrscht beispielsweise nach wie vor die Vorstellung vor, Frauen seien „von Natur aus“ fürsorglich und sanftmütig, Männer dagegen stark und mutig. Deswegen sei es die natürliche Rolle der Frau, sich um Familie und Haushalt zu kümmern und die des Mannes, Geld zu verdienen. Biologisch ist das Quatsch.

So hat sich die Bezeichnung gender für das soziale Geschlecht im Gegensatz zum biologischen Geschlecht (engl. sex) etabliert.

Nun gibt es im Deutschen viele Substantive, die aus einem Verb mit der Endung -er gebildet werden. Wer etwas unternimmt, indem er ein Unternehmen gründet, ist ein Unternehmer, wer dort arbeitet, ein Arbeiter; wer herrscht, ist ein Herrscher, wer dient, ein Diener. Das bedeutet nicht, dass es sich bei diesen Menschen ausschließlich um Männer handelt, es können auch weibliche Herrscher und Unternehmer sein. Die Frauen sind hier „mitgemeint“, linguistisch also unmarkiert.

Dann gibt es noch die Fremdwörter, die es zunächst nur als männliche Form gab: der Student, der Ingenieur, der Präsident. Das hat wohl historische Gründe, denn früher gab es (wegen der sozialen Geschlechterzuschreibungen) ja tatsächlich nur Männer in diesen Berufen. Das gilt übrigens auch für den Sekretär. Als Frauen nach und nach diese Domänen eroberten, blieben die Wörter aber grammatikalisch (zunächst) männlich.

Genau dagegen richtet sich die gendergerechte Sprache: Frauen sollen auch sprachlich sichtbar gemacht und damit auf dieselbe soziale Ebene wie Männer gestellt werden. Das ist ein durchaus begrüßenswertes Anliegen.

Meistens ist das Gendern ganz einfach

Klar: Schreibe ich Tipps für den Chef, den Unternehmer und den Freiberufler, erwecke ich den Eindruck, dass ich mich nur oder zumindest vorwiegend an Männer wende. Das lässt sich aber ganz einfach vermeiden, indem ich ausdrücklich beide Geschlechter anspreche,

Liebe Leserin, lieber Leser,

und ansonsten bei Beispielen, Fallstudien und Ähnlichem zwischen der männlichen und der weiblichen Form abwechsle. Es gibt ja auf der grammatikalischen, sozialen und biologischen Ebene auch die Chefin, die Unternehmerin und die Freiberuflerin, ebenso wie den Sekretär und den Assistenten.

Ich betreue als Redakteurin einen Newsletter zum Thema Abrechnung in Arztpraxen. Wenn ich dort Beispiele bringe, sind immer abwechselnd der Arzt und die Ärztin, der Patient und die Patientin dran. Die medizinische Fachangestellte, kurz MFA genannt, ist in diesem Newsletter allerdings immer weiblich. Das hängt damit zusammen, dass die Männerquote in diesem Beruf so verschwindend klein ist, dass die wenigen Männer sich hier mitgemeint fühlen dürfen.

Alle Ärztinnen, Ärzte und MFAs zusammen sind das Praxisteam. Das ist grammatikalisch sächlich, womit Frauen und Männer gleichermaßen „unmarkiert“ enthalten sind.

Soweit, so einfach.

Wann sind die Grenzen des Genderns erreicht?

Bauarbeiter im Abendrot

Wie bei vielen im Grunde berechtigten Anliegen ist die gendergerechte Sprache inzwischen aber über ihr Ziel hinausgeschossen, indem sie krampfhaft versucht, jegliche Bezeichnung für Menschen irgendwie geschlechtsneutral hinzubiegen. Das ergibt umständliche, schwer lesbare und blutleere Formulierungen.

So lese ich im „Leitfaden gendergerechte Sprache“ einer deutschen Hochschule, man solle das Wort

Studentenvertreter

ersetzen durch die Formulierung:

Vertretung der Studierendenschaft

Im Genderwörterbuch Geschickt Gendern wird das Abteilungsleitertreffen durch das Treffen der Abteilungsleitungen ersetzt. Für die Anhänger einer Bewegung wird der Ersatz sich einer Bewegung Zuordnende vorgeschlagen und der Bauarbeiter wird zum Bauarbeiten ausführenden Fachpersonal.

Das ist keine gendersensible Sprache mehr, sondern alberne Genderei.

Außerdem führen diese substantivierten Partizipien sprachlich in die Irre:

Ein Student ist nicht in jedem Moment seines Lebens ein Studierender. Umgekehrt kann ich eine Studierende sein, wenn ich beispielsweise gerade den Fahrplan an der Bushaltestelle studiere. Studentin bin ich deswegen aber trotzdem schon lange nicht mehr.

Ich wende mich hier an meine Leserinnen und Leser. Solange Sie dies lesen, sind Sie auch Lesende, gleich aber nicht mehr: Für heute beende ich nämlich meine Überlegungen zu den Grenzen des Genderns.

Was denken Sie über dieses Thema? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Grenzen des Genderns - manchmal ist gendergerechte Sprache einfach Blödsinn

Weitere Überlegungen und Tipps zum Thema Behördensprache finden Sie auf unserer Übersichtsseite Best of Behördendeutsch.

27. April 2017
nach Judith
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Bestellbestätigung automatisch verkürzt – irgendwie komisch

Manchmal ist ausgesprochen lustig, was dabei herauskommt, wenn etwa bei einer Bestellbestätigung automatisch der Titel des bestellten Artikels verkürzt wird. Hier mein Beispiel:

Das ursprünglich bestellte Buch heißt: Der Dackel. Eine Weltanschauung.

Was ist bei der Bestellbestätigung passiert?

Schauen Sie mal nach, was jetzt in der Spalte mit der Überschrift „Artikelbezeichnung“ steht:

Der Dackel wird geliefert – echt jetzt? Zu meiner grenzenlosen Erleichterung fand sich in dem Paket, das ich wenige Tage später erhielt, aber kein kurzbeiniger Jagdhund, sondern tatsächlich das bestellte Buch.

20. April 2017
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Zusammengesetzte englische Begriffe im Deutschen: Wie ist das mit dem Bindestrich?

Normalerweise beschäftigen wir Briefprofis uns ja nur mit deutschen Texten. In denen kommen aber oft auch englische Wörter vor. Und schon stellt sich die Frage, wie man die denn schreibt. Klein oder groß, zusammen oder getrennt, eingedeutscht oder nicht? Mit der Konsonantenverdopplung bei eingedeutschten Wörtern wie Tipp oder Stopp haben wir uns ja schon beschäftigt. Wenn wir bei einer längeren Verhandlung einen Boxenstopp einlegen, hat der also ein Doppel-P am Schluss.

Nicht, dass wir hier grundsätzlich zu Anglizismen raten würden, aber manche englische Begriffe sind einfach treffender als deutsche Entsprechungen, die nur einen Teil der Wortbedeutung wiedergeben.

Aber hier naht schon wieder Ungemach: Schreibt man zusammengesetzte englische Begriffe im Deutschen nun zusammen oder getrennt? Groß oder klein? Mit oder ohne Bindestrich? Boxenstopp oder Boxen-Stopp?

Groß oder klein?

Substantive werden im Deutschen großgeschrieben, ebenso wie Verbindungen aus zwei Substantiven. Also werden grundsätzlich auch zusammengesetzte englische Substantive im Deutschen großgeschrieben.

Frau Schlau fliegt in der Economyclass zum Treffen des Braintrusts, um dort über neue Fundraisingtools zu sprechen.

Bindestrich oder nicht?

Due „Fundraisingtools“ geben schon zu denken. Sie sind zwar korrekt geschrieben, aber nicht sehr gut zu lesen. Deswegen haben Sie auch die Möglichkeit, zwischen zusammengesetzte englische Substantive einen Bindestrich zu setzen. Auch dann werden die Substantive natürlich großgeschrieben. Korrekt wäre also auch:

Frau Schlau fliegt in der Economy-Class zu einem Treffen des Brain-Trusts, um dort über neue Fund-Raising-Tools zu sprechen.

Ich persönlich finde das ein paar Bindestriche zu viel und würde hier alle Begriffe zusammenschreiben und nur das Fundraising-Tool wegen der besseren Lesbarkeit mit einem Bindestrich versehen. Ob Frau Schlau einen Boxenstopp oder einen Boxen-Stopp einplant, bleibt also ihr überlassen.

Und wenn es nicht nur Substantive sind?

Wird ein englisches Adjektiv mit einem Substantiv zusammengespannt, wird der Begriff grundsätzlich getrennt, dabei sind beide Wörter großzuschreiben. Nur wenn die Hauptbetonung auf dem zuerst stehenden Adjektiv liegt, kann auch zusammengeschrieben werden.

Während Frau Schlau über die Nutzung von Social Media und Electronic Banking referiert, freut sie sich auf das bevorstehende Happy End des Tages und auf einen leckeren Hotdog.

Bei Verbindungen aus Verb und Partikel (Partikel sind Wörter, die nicht gebeugt werden können) haben Sie die Wahl zwischen Zusammen- und Bindestrichschreibung:

In der Kaffeepause jammert Kollege Wichtig mal wieder über seinen Hangover von der letzten Party und darüber, dass er vor lauter Stress bald im Burn-out landen werde. Frau Schlau, für die Jammern ein echtes No-Go ist, zählt heimlich einen Countdown, bis sie sich verabschieden kann.

Jetzt noch die Kür: zusammengesetzte englische Begriffe mit mehr als zwei Bestandteilen

Werden mehrere Wörter bzw. Wortgruppen zusammengesetzt, werden alle Bestandteile per Bindestrich gekoppelt.

Frau Schlau geht nach dem Know-how-Transfer mit den Kollegen aus der Public-Relations-Abteilung zur After-Work-Party, auf der krasse Cross-over-Musik gespielt wird.

Übrigens: Werden englische Redewendungen komplett ins Deutsche übernommen, schreibt man sie englisch: nämlich klein und ohne Bindestriche.

Als Frau Schlau nach Hause fliegt, resümiert sie, dass das ganze Treffen wieder einmal business as usual war.

Also eigentlich ziemlich easy, die richtige deutsche Schreibweise für zusammengesetzte englische Begriffe …

Falls Sie sich für weitere Rechtschreibtipps interessieren, empfehlen wir einen Besuch auf unserer Seite Best of Rechtschreibung. Mehr über Bindestriche und andere Satzzeichen finden Sie auf unserer Seite Best of Satzzeichen.

3. April 2017
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Verkleinerungsformen – Apostroph überflüssig!

Die deutsche Sprache und Dialektlandschaft kennen mehrere Verkleinerungsformen: So war der große Hans mal ein kleines Hänschen, der in der Gaststätte statt eines großen Tellers Suppe nur ein Tellerlein mit einem Süppchen bestellte. Wobei man über den Hang zum Süppchen statt einer ordentlichen Suppe auf deutschen Speisekarten durchaus streiten könnte.

Gewiss aber bestellte kein Häns’chen jemals ein Teller’lein mit einem Süpp’chen. Die Verkleinerungsform (Diminutiv) wird im Deutschen nämlich nur durch das Anhängen der Verkleinerungssilbe -lein oder -chen gebildet. Weil dabei kein Buchstabe ausgelassen wird, brauchen wir dazu auch kein Auslassungszeichen (Apostroph).

Und wie ist das mit den Verkleinerungsformen im süddeutschen Dialekt?

Im Prinzip genauso, nur dass im Dialekt aus dem -lein ein -le oder -l geworden ist. Diese Endung wird einfach an den zu verkleinernden Begriff angehängt. Wenn also unser Hänsle ein kleiner Schwabe ist, bestellt er ein Süpple oder ein Brotzeitbrettle. Der bayerische Hansl wird dagegen ein Supperl oder Brotzeitbrettl bestellen.

Kein Hans’l, kein Brett’l, kein Apostroph beim Diminutiv!

Auf den Speisekarten im süddeutschen Raum halten sich diese überflüssigen Apostrophe trotzdem hartnäckig. Das ist aber nicht alpenländisch-authentisch, sondern schlicht falsch:

Verkleinerungsformen: kein Apostroph!

Übrigens wäre auch zu fragen, warum der Allgäuer Wurstsalat hier ein „Allgäuer Wurstsalat“ ist. Stimmt mit dem was nicht? Ist der gar nicht echt, sondern am Ende ein hochdeutscher Wurstsalat, der nur so tut, als ob er ein Allgäuer wäre? Das kann schon sein, denn der echte Allgäuer Wurstsalat wird mit Fleischwurst gemacht und ist nicht etwa „vom Leberkäse“. Naja, das hier ist ja keine Rezepteblog, und das mit den Anführungszeichen und seinen Anwendungsmöglichkeiten bzw. Bedeutungen ist auch schon wieder ein eigenes Thema …

Mehr Tipps zur korrekten Verwendung von Satzzeichen finden Sie auf unserer Seite Best of Satzzeichen.

Rechtschreibung

27. März 2017
nach Barbara
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Tip oder Tipp, Stopp oder Stop? Immer diese Eindeutschungen …

Tip oder Tipp, Stopp oder Stop? Viele Wörter aus dem Englischen gehören heute zum ganz normalen „deutschen“ Wortschatz. Die meisten davon werden trotzdem in englischer Rechtschreibung geschrieben. Manche wurden aber eingedeutscht, also den Regeln der deutschen Rechtschreibung unterworfen. Die sind es auch, die mitunter für orthografische Verwirrung sorgen.

Beispiel für falsche Rechtschreibung: Frisurentips

Eine Zeitschrift warb beispielsweise damit, dass es in ihr garantiert keine Frisurentips gäbe. Das ist einerseits möglicherweise eine interessante Werbeaussage, andererseits aber garantiert falsch geschrieben.

Tip oder Tipp?

Wenn Sie einen Engländer um Rat fragen, gibt er Ihnen einen tip. Im Deutschen aber werden nach einem kurzen Vokal die Konsonanten verdoppelt, deswegen gibt es in deutschen Texten korrekterweise ausschließlich Tipps. Das gilt für Frisuren und alle anderen Lebensbereiche.

Stop oder Stopp?

Stoppschild mit Aufschrift STOP

Wenn Sie heute mit dem Auto zur Arbeit gefahren sind, haben Sie vielleicht an einem Stoppschild gehalten. Hoffentlich 3 Sekunden lang an der Haltelinie. Merkwürdigerweise steht auf dem Schild aber gar nicht Stopp, sondern STOP. Das liegt vermutlich daran, dass, als das Schild 1971 eingeführt wurde, die Schreibweise noch nicht eingedeutscht war. In England halten Sie also am stop sign, in Deutschland stoppen Sie am deutschen Stoppschild, auf dem aber ein englisches STOP steht.

Pin oder Pinn?

Okay, das war eine Fangfrage: Sie können zwar an einer Pinnwand etwas pinnen, nämlich mit einer Pinnnadel. Oder Sie pinnen virtuell etwas bei Pinterest. Aber pin als Substantiv gibt es nur auf Englisch, nicht auf Deutsch. Im Deutschen gibt es höchstens die PIN-Nummer, aber die hat wiederum mit dem Pinnen nichts zu tun.

Nicht jedes gängige Wort wird eingedeutscht

Ein bisschen unlogisch ist es ja schon: Trotz häufiger Verwendung und kurzem Vokal ist ein Hit nach wie vor kein Hitt und ein Sportler nicht topp, sondern top … aber wer weiß, wie lange noch? Schließlich ist auch in der Rechtschreibung viel im Fluss.

Falls Sie sich für weitere Rechtschreibtipps interessieren, empfehlen wir einen Besuch auf unserer Seite Best of Rechtschreibung.