22. Mai 2018
von Judith
Keine Kommentare

Ironie oder was? Ein Beispiel für irritierende Anführungszeichen

Anführungszeichen sind eigentlich für die Kennzeichnung der wörtlichen Rede gedacht. Manchmal werden sie auch benutzt, um sich ironisch von einem benutzten Begriff zu distanzieren. Oder um zu zeigen, dass ein Begriff im übertragenen Sinn gebraucht wird. Hier allerdings sollen die Anführungszeichen offenbar der Betonung dienen. Das aber ist höchst missverständlich und für zeichenkundige Leser eher amüsant als überzeugend. Die Gänsefüßchen haben also sozusagen einen Pferdefuß.

Praxisbeispiel für irritierende Anführungszeichen - zur Betonung sind sie ungeeignet!

Die „Schönste“ war eine grässliche Hexe, der Prinz aber wollte lieber Schneewittchen, weil die tatsächlich die Schönste war. Wer also könnte es verdient haben, am „schönsten“ zu wohnen? Wahrscheinlich nur „total sympathische“ Leute. Also Unsympathen.

Mein Rat: Wenn Sie ein Wort betonen wollen, verzichten Sie lieber auf irritierende Anführungszeichen. Weitaus wirksamer und weniger missverständlich sind Fett- oder Kursivdruck.

Wenn Sie wissen möchten, welche Bedeutungen Sie mit Anführungszeichen transportieren können (und welche nicht), empfehlen wir unseren Post Anführungszeichen ohne wörtliche Rede – wann setzt man sie, und wie wirken sie? Mehr Tipps zu Satzzeichen finden Sie auf unserer Seite Best of Satzzeichen.

Beispiel für ein falsch gesetztes Komma zwischen Adjektiven

13. Mai 2018
von Barbara
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Wie ist das mit dem Komma zwischen Adjektiven?

Lieben Sie den Sommer auch so wie ich? Wenn an heißen, sonnigen Tagen kleine weiße Wölkchen über den strahlend blauen Himmel ziehen, die Grillen zirpen und die Luft nach würzigem, reifem Heu duftet? Ja, das ist herrlich.

Aber von der Zeichensetzung her doch etwas erstaunlich, oder? Denn das Komma bei

an heißen, sonnigen Tagen

und

nach würzigem, reifem Heu

ist korrekt. Aber das fehlende Komma in

kleine weiße Wölkchen

und

über den strahlend blauen Himmel

ist es auch.

Wie kann das sein?

So ist das mit dem Komma zwischen Adjektiven

Im Wesentlichen kommt es darauf an, ob die Adjektive gleichrangig sind oder nicht. Falls ja, muss ein Komma gesetzt werden.

Gleichrangig sind sie, wenn sie aufzählenden Charakter haben. Ob das so ist, können Sie ganz einfach überprüfen, indem Sie das Komma durch ein und ersetzen. Die korrekte Alternative zu

heiße, sonnige Tage

wären also

heiße und sonnige Tage

Und wann steht kein Komma zwischen Adjektiven?

Wenn eine feste Verbindung aus Substantiv und Adjektiv vorliegt, die durch ein weiteres Attribut näher bestimmt ist, darf kein Komma gestzt werden.

Ein typisches Beispiel für eine solche feste Verbindung ist der blaue Himmel. Strahlend ist ein Attribut, mit dem das Blau näher bestimmt wird. Der

strahlend blaue Himmel

benötigt deswegen kein Komma. Dasselbe gilt für die kleinen weißen Wölkchen.

Mit diesem Wissen können Sie leicht erkennen, was in diesem Hinweis (er hat mich zu diesem Text angeregt) falsch ist:

Beispiel für ein falsch gesetztes Komma zwischen Adjektiven

Genau: Knackig bestimmt attributiv die frischen Salate näher. Daher ist das Komma falsch. Korrekt wäre:

Große Auswahl an knackig frischen Salaten

Eine gleichrangige Verwendung der Adjektive wäre aber auch möglich. Zum Beispiel so:

Große Auswahl an knackigen, frischen, bunten Salaten.

Die sind dann knackig und frisch und bunt. Und von der Zeichensetzung her korrekt. Wohl bekomms!

Komma zwischen Adjektiven - Pin

Falls Sie sich für weitere Tipps zur Zeichensetzung interessieren, empfehlen wir Ihnen unsere Übersichtsseite Best of Satzzeichen.

englische Nationalfahne

2. Mai 2018
von Judith+Barbara
Keine Kommentare

Musterformulierungen für Abwesenheitsnotizen auf Englisch

Abwesenheitsnotizen sind ein wichtiges Mittel, um Ihren Kunden und Geschäftspartnern mitzuteilen, dass bzw. wie lange Sie abwesend sind. Natürlich ist es durchaus sinnvoll, solche Mitteilungen auch in anderen Sprachen zu verfassen, je nachdem, wo Ihre Kunden sind. Dieser Artikel behandelt Abwesenheitsnotizen auf Englisch: Wie formulieren Sie richtig, dass Sie nicht da sind, wann mit einer Antwort zu rechnen ist oder wer Sie während Ihrer Abwesenheit vertritt? Autorin dieses Gastbeitrags ist Bettina Schropp.

Abwesenheitsnotizen auf Englisch – short and simple

Wenn Sie nur eine einfache Nachricht schicken möchten, von wann bis wann Sie nicht im Büro sind, können Sie folgende Abwesenheitsnotiz schreiben:

Thank you for your email. I am currently out of the office until (date).
Danke für Ihre E-Mail. Ich bin bis (Datum) nicht im Büro.

Thank you for your message. I will be out of the office from (date) to (date) with no access to email.
Danke für Ihre Nachricht. Ich bin von (Datum) bis (Datum) nicht im Büro und habe keinen Zugang zu meinen E-Mails.

So formulieren Sie weitere nützliche Hinweise

Hilfreich für den Absender der E-Mail ist es, wenn Sie angeben, was während Ihrer Abwesenheit passiert: Wird die E-Mail an jemanden weitergeleitet? Wer kann während Ihrer Abwesenheit kontaktiert werden?

Your message has been forwarded to my colleague (name).
Ihre Nachricht wurde an meine/n Kollegin/en (Name) weitergeleitet.

Your email will not be forwarded. If your message is urgent, please contact (name) at (email address).
Ihre E-Mail wird nicht weitergeleitet. Wenn Ihre Nachricht dringend ist, kontaktieren Sie bitte (Name) unter (E-Mail Adresse).

During my absence I will only have limited access to my emails. If your request is urgent, please feel free to contact (name) on (phone number) or (email address).
Während meiner Abwesenheit habe ich nur begrenzten Zugang zu meinen E-Mails. Wenn Ihr Anliegen dringend ist, können Sie gerne (Name) unter (Tel.) oder (E-Mail Adresse) kontaktieren.

Da heutzutage praktisch jedes Unternehmen auch andere Formen der Information anbietet, also z. B. eine Homepage, Facebook, Twitter etc., kann es unter Umständen sinnvoll sein, auch auf diese zu verweisen:

For information on our latest product range, you can also check our website www.xyz.de.
Für Informationen über unser aktuelles Produktangebot können Sie auch auf unserer Website www.xyz.de vorbeischauen.

Über die Autorin dieses Gastbeitrags

Bettina Schropp ist staatlich geprüfte Fremdsprachenkorrespondentin. Nach der Ausbildung hat sie 6 Jahre in Irland gelebt und gearbeitet, wodurch sie Englisch auf (nahezu) muttersprachlichem Niveau spricht. Seit ihrem Umzug zurück nach Deutschland arbeitet sie als Trainerin, Dozentin und Buchautorin. Regelmäßige Artikel zur englischen Sprache, zu Grammatik und englischem Wortschatz gibt es in ihrem Blog auf ihrerer Website Sicheres Englisch.de. Ihre Lehrbuchreihe Sicheres Englisch behandelt unterschiedliche Aspekte der englischen Sprache, z. B. nützliche Redewendungen, Gebrauch der englischen Zeiten, Englisch für den Urlaub.

Falls Sie diese Musterformulierungen für Abwesenheitsnotizen auf Englisch nützlich fanden, empfehlen wir Ihnen auch folgende Beiträge:

Abwesenheitsnotizen können gleichzeitig praktisch und kundenfreundlich sein!

Weihnachtsgrüße auf Englisch – Musterformulierungen

Abwesenheitsnotizen auf Englisch

20. April 2018
von Judith
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Oje, ein Ateljé – bizarre Schreibweise eines Fremdworts

Keine Frage, ein Ladengeschäft als Atelier zu bezeichnen, zeugt vom künstlerischen Anspruch der Ladenbesitzerin. Kunstvoll, wenn auch orthografisch nicht ganz korrekt, ist die Ladenbezeichung in dieser Anzeige. Schauen Sie sich die bizarre Schreibweise dieses Wörtchens mal genauer an. Kreativ, nicht wahr?

Oje, ein Ateljé - bizarre Schreibweise

Mit der korrekten Schreibweise von Fremdwörtern haben wir uns schon öfter beschäftigt. Zum Beispiel hier:

Wenn die Friseurs in die Salone gehen … (zur korrekten Pluralbildung bei Fremdwörtern)

E-Mail, e-mail, eMail, Email … welche Schreibweise ist denn richtig?

Rechtschreibung

12. April 2018
von Barbara
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Getrennt- oder Zusammenschreibung – das ist (auch) eine Sinnfrage

Manchmal ist das mit der Rechtschreibung gar nicht so einfach, etwa wenn es um die Getrennt- oder Zusammenschreibung von Wörtern (insbesondere Verben) geht.

Neulich las ich auf einer Zugtoilette ein Hinweisschild, in dem die Benutzer gebeten wurden, sie möchten den Ort doch so verlassen, dass auch andere Nutzer sich dort wohl fühlen könnten. Nun muss ich gestehen, dass ich mir ein „Wohlfühlen“ auf Zugtoiletten gar nicht richtig vorstellen kann. Insofern fand ich das Schild eher lustig.

Vor allem aber blieb ich – wahrscheinlich berufsbedingt – an der Schreibweise hängen. Soll ich nun dafür sorgen, dass andere sich wohlfühlen oder mich fragen, wie andere sich wohl fühlen werden, wenn ich das Klo verschmutzt hinterlasse?

Getrennt- oder Zusammenschreibung – das ist hier die Frage

Für die Antwort ist ein Blick in das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung hilfreich.

Hier heißt es in der Vorbemerkung zum Abschnitt B (Getrennt- und Zusammenschreibung):

(1) Die Getrennt- und Zusammenschreibung betrifft Einheiten, die im Text unmittelbar benachbart und aufeinander bezogen sind. Handelt es sich um die Bestandteile von Wortgruppen, so schreibt man sie getrennt. Handelt es sich um die Bestandteile von Zusammensetzungen, so schreibt man sie zusammen.

(2) Einheiten derselben Form können manchmal sowohl eine Wortgruppe (wie schwer beschädigt) als auch eine Zusammensetzung (wie schwerbeschädigt) bilden. Die Verwendung einer Wortgruppe oder einer Zusammensetzung richtet sich danach, was jeweils gemeint ist und was dem Sprachgebrauch und den Regularitäten des Sprachbaus entspricht.

Das heißt, es gilt bei der Frage nach der richtigen Schreibweise zwei Punkte zu klären:

1. Wortgruppe oder Zusammensetzung?

Dazu zwei Beispiele:

Er ist sehr auf sein Wohl bedacht.

Das ist eine Wortgruppe, die schreibt man getrennt.

Das ist ein wohldurchdachter Vorschlag.

Hier handelt es sich um eine Zusammensetzung, die man auch zusammenschreibt.

2. Ist je nach Getrennt- oder Zusammenschreibung eine andere Bedeutung gegeben?

Das merkt man auch daran, welches Wort bzw. welcher Bestandteil betont wird:

Werde ich mich wohlfühlen?

Dies ist eine Frage danach, ob ich mich gut fühlen werde. Die Betonung liegt deswegen auf der Silbe wohl. Bei der Frage

Wie werde ich mich wohl fühlen?

liegt die Betonung dagegen auf dem Verb fühlen – es geht also allgemein um die Gefühlslage, die gut oder schlecht sein kann. Ähnlich sieht es bei folgenden Kombinationen aus:

Er ist wohlbehalten hier angekommen.

(= Er ist gut angekommen.)

Die richtige Adresse wird er wohl behalten haben.

(= Vermutlich weiß er sie noch.)

Eine heiße Suppe wird ihr wohltun.

(= Sie wird ihr guttun)

Glaubst du, er nimmt die Beförderung an? Ja, das wird er wohl tun.

(= Er wird es vermutlich tun)

Ich hoffe, Sie sind nun mit gutem Rat bezüglich der Getrennt- oder Zusammenschreibung von Verben mit dem Wörtchen wohl wohlversorgt …

Getrennt- oder Zusammenschreibung am Beispiel wohlfühlen oder wohl fühlen

Weitere Tipps zur Rechtschreibung finden Sie auf unserer Überblicksseite Best of Rechtschreibung.

4. April 2018
von Judith
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Missglückte Bildsprache mit Hand und Fuß

Ich wusste es ja schon immer: Was in unserem Nachbarland Österreich produziert wird, hat Hand und Fuß. So auch dieses Produkt, das ich im österreichischen Tannheim entdeckt habe (was es war, weiß ich schon gar nicht mehr). Allerdings legt das Bild zu diesem Textaufdruck den Schluss nahe, dass die Österreicher es mit der Unterscheidung von Hand und Fuß nicht allzu genau nehmen …

Hand und Fuß - missglückte Bildsprache

Nein, jetzt mal ernsthaft: Hier sollte wohl der klimatische Fußabdruck als Zeichen umweltfreundlicher Produktion unbedingt noch zur handgemachten Ware dazu. Man liest Hand, sieht aber einen Fuß. Ergebnis: Diese Sprache-Bild-Kombination hat weder Hand noch Fuß!

Mehr über Sprachbilder lesen Sie auch im Beitrag Bildhafte Sprache ist toll – solange die Bilder nicht schief sind!.

Stellenanzeige - was wir bieten

26. März 2018
von Barbara
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Was wir bieten – Formulierungen in Stellenanzeigen

Viele Stellenanzeigen enthalten einen Unterpunkt Was wir bieten. Wer diesen formuliert, sollte sich vorab fragen: Was wünschen sich Bewerber von ihrem zukünftigen Arbeitgeber, wie sieht ein richtig attraktives Angebot aus Bewerbersicht aus? Dieser Perspektivwechsel scheint aber gar nicht so einfach zu sein. Oder warum finden sich hier so viele floskelhafte und austauschbare Formulierungen? Und warum so vieles, das gar nicht als besonderer Pluspunkt zu verstehen ist?

Natürlich gibt es Wünsche, die bei jedem Arbeitnehmer auftauchen: Jeder möchte eine Arbeit machen, die ihm liegt, die für ihn interessant und sinnvoll ist. Jeder möchte für seine Arbeit ordentlich bezahlt werden und nicht befürchten müssen, dass er die neu angetretene Stelle schnell wieder verliert.

Bei anderen Teilen der Jobbeschreibung ist die Sache weniger eindeutig, sondern es kommt darauf an, welche Aussagen als anziehend empfunden werden. Darauf, welche Persönlichkeiten Sie für welche Aufgaben suchen. Für extravertierte Menschen, die gerne mit anderen zusammen sind und sich schnell langweilen, sind beispielsweise Teamklima und Abwechslung besonders wichtig. Menschen, die gerne methodisch vorgehen und sich tief in Details einarbeiten, legen vermutlich mehr Wert auf eine gründliche Einarbeitung und eine langfristig angelegte Tätigkeit.

Erstaunlicherweise berücksichtigen viele Stellenanzeigen in der Jobbeschreibung keinen dieser Aspekte. Sondern hier herrschen Banalität und Einheitsbrei.

Stellenanzeigen formulieren - was wir bieten

Was wir bieten – oder was man halt so verspricht …

Ausgerechnet bei dem, womit ein Unternehmen sich abheben könnte, herrscht in der Praxis eine überwältigende Gleichförmigkeit. Angeboten wird meist nur das, was alle anderen auch bieten.

Ist wirklich jede Stelle „interessant und abwechslungsreich“?

Das könnte man annehmen. Denn in etwa 80 von 100 Anzeigen beginnt die Jobbeschreibung mit: Wir bieten …

einen interessanten und abwechslungsreichen Arbeitsplatz
eine abwechslungsreiche, spannende Aufgabe
eine abwechslungsreiche, vielseitige Tätigkeit
eine abwechslungsreiche Tätigkeit in einem international ausgerichteten Unternehmen
eine anspruchsvolle, spannende wie abwechslungsreiche Tätigkeit

Gähn – in der Wiederholung liest sich das ziemlich langweilig. Glaubwürdig ist es auch nicht. Zum einen, weil manche Jobs objektiv relativ eintönig sind. Zum anderen, weil es subjektiv höchst unterschiedlich ist, was als interessant und spannend empfunden wird.

Mein Rat: Lassen Sie diese Leerfloskel einfach weg. Beschreiben Sie lieber die Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten:

Zu Ihren Aufgaben gehört es …
Sie kümmern sich um …

Dann weiß der Bewerber, was ihn erwartet – und ob er persönlich das interessant findet oder nicht, kann er dann selbst entscheiden.

Leerformeln zum Gehalt wecken Verdacht

Gar nicht so selten gibt es Stellenanzeigen, die unter Was wir bieten kein Wort über die Bezahlung verlieren. Ist die Bezahlung dort so schlecht, dass man lieber nichts dazu sagt? Die Mehrheit aber flüchtet sich in ebenfalls verdächtige Leerformeln wie:

attraktives Gehalt
leistungsgerechte Bezahlung/Vergütung
attraktive Bezahlung und gute Sozialleistungen

Verdächtig deswegen, weil „attraktiv“ oder „leistungsgerecht“ für den Arbeitgeber garantiert etwas anderes bedeutet als für den Arbeitnehmer. Was für den einen attraktiv ist (etwa möglichst geringe Lohnkosten), ist es für den anderen gerade nicht. Leistung ist in vielen Berufen ohnehin gar nicht eindeutig zu messen. Im Zweifel wird der Arbeitgeber sie ohnehin anders (niedriger) einschätzen als der Mitarbeiter.

Attraktiver, weil wesentlich konkreter, sind Formulierungen wie:

Vergütung nach XY-Tarif
übertarifliche Bezahlung
betriebliche Altersvorsorge
ein Dienst-PKW, auch zur privaten Nutzung
10 % Personalrabatt auf private Einkäufe

Was wir bieten – wollen Sie wirklich etwas über das Betriebsklima schreiben?

Natürlich möchte niemand mit miesepetrigen Kollegen zusammenarbeiten, die einen bei jeder Gelegenheit ausbooten. Andererseits ist es geradezu unglaublich, was hier alles versprochen wird: Alle Teams sind toll! Belegt durch Formulierungen dieser Art:

ein gutes/angenehmes Betriebsklima
ein außergewöhnlich gutes Betriebsklima
ein motiviertes Team
ein starkes/kollegiales Team
ein dynamisches, motiviertes und kompetentes Team
ein humorvolles und kollegiales Team

Mein Vorschlag: Lassen Sie das Teamklima in Stellenanzeigen einfach weg. Bewerber wissen, dass das gute Klima auch da versprochen wird, wo es nicht herrscht. Insofern ist es kein Unterscheidungsmerkmal.

Vorsichtig sein sollten Sie übrigens bei Formulierungen wie

ein junges, familiäres Team
unser junges dynamisches Team

Da könnten sich Bewerber jenseits der 40 oder 50 leicht diskriminiert fühlen …

Und womit können Sie Ihr Angebot dann attraktiv machen?

Interessant sind in erster Linie das Unternehmen und die Stelle, um die es geht, samt ihren Aufgabenbereichen. Wo diese nicht selbsterklärend sind, sollten Sie diese kurz beschreiben. Ein vernünftiges Wort zur Bezahlung sollten Sie möglichst auch verlieren (siehe oben).

Je nach den Gepflogenheiten Ihrer Branche sollten Sie unter Was wir bieten zudem angeben, wo Sie sich unterscheiden. Etwa

einen unbefristeten Arbeitsvertrag
geregelte Arbeitszeiten (Gastronomie)
Arbeit in festen Schichten – keine Nachtschicht
die Möglichkeit der Verbeamtung bei Erfüllen der beamtenrechtlichen Voraussetzungen

Und dann noch alles, von dem Sie glauben, dass es Sie für Ihre Wunschbewerber wirklich anziehend macht. Oder zumindest zeigt, dass Sie bereit sind, sich um Bewerber wirklich zu bemühen. Wer Bewerber der Generation Y (die jetzt um die 30 sind) anziehen möchte, probiert es beispielsweise mit:

Mitarbeiter-Benefits wie Vertrauensarbeitszeit, Kids-Office, Sportprogramme, After-Work-Partys

Manchmal sticht auch die regionale Karte:

Wir bieten Ihnen einen Arbeitsplatz in einer der schönsten Regionen Deutschlands. Bei Bedarf helfen wir gerne auch bei der Wohnungssuche.

Lustig fand ich diese Stellenanzeige:

Stellenanzeige im Allgäuer Dialekt

Ist das nicht eine gute Idee? Wer weiß, dass das Unternehmen bei Vergütung und Karrierechancen nicht mit Konzernen und anderen „Großen“ mithalten kann, muss deswegen schließlich nicht aufgeben. Und in diesem Unternehmen könnte das Versprechen eines humorvollen Teams sogar eingelöst werden; zumindest in der Personalabteilung hat da jemand Humor ….

Falls Sie sich für weitere Formulierungstipps zum Recruiting interessieren, empfehlen wir Ihnen unsere Seite Best of Personal.

19. März 2018
von Judith
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Mühsal kann nur männlich sein – oder?

Das folgende Bild zeigt einen Ausschnitt aus einer spannenden Reportage über Schwammtaucher. Erschienen ist sie in Wings, dem Bord-Magazin der Lufthansa-Tochter Eurowings. Doch – ach! – schauen Sie mal ans Ende des ersten Absatzes. Da ist die Mühsal plötzlich männlich.

Textauszug, in dem die Mühsal männlich ist

Zugegeben, es ist ein Kuriosum im Deutschen, dass Hauptwörter ein grammatisches Geschlecht haben und dieses Geschlecht mitunter recht willkürlich zugeordnet wird. Es heißt der Boden und die Decke, der Baum und die Pflanze, der Mond und die Sonne, der Hass und die Liebe, der Urlaub und die Mühsal.

Das Beispiel oben zeigt nur allzu deutlich, dass das grammatische Geschlecht nichts mit dem natürlichen Geschlecht zu tun haben muss. Denn eigentlich bin auch ich der Meinung: Mühsal müsste männlich sein, schließlich ist es vorwiegend der männliche Teil der Bevölkerung, der uns Frauen Mühe macht …

Leuchtturm

12. März 2018
von Barbara
2 Kommentare

Bildhafte Sprache ist toll – solange die Bilder nicht schief sind!

Eine bildhafte Sprache macht Texte anschaulich und lebendig. Mit den richtigen Sprachbildern erzeugen Sie eine emotionale Wirkung beim Leser und werden dadurch überzeugender. Es ist schon ein Unterschied, ob wir Ihnen beispielsweise hilfreiche Informationen für das Erstellen empfängerorientierter Texte geben oder aber einen Kompass, mit dem Sie den Weg direkt ins Herz Ihres Lesers finden.

So funktioniert bildhafte Sprache

Wer Texte liest, muss die Inhalte geistig verarbeiten, um sie zu Wissen zu verknüpfen und/oder Handlungen daraus abzuleiten. Das ist viel einfacher, wenn die Worte an Erlebniswelten anknüpfen, die dem Leser bekannt sind. Bilder sind mit Erinnerungen und Gefühlen verknüpft, und die speichern wir Menschen nun mal viel besser ab als Abstraktes.

Hilfreiche Informationen sind abstrakt. Empfängerorientierte Texte auch. Ein Kompass ist etwas Konkretes. Und jemanden ins Herz zu treffen, ist spätestens seit Amors Wirken ein Bild, das positive Emotionen erzeugt.

Zur Bildwelt „Kompass“ bzw. „Orientierung“ könnten Sie natürlich auch andere Formulierungen finden: Mit guten Texten können Sie zum Beispiel eine Schneise in den Informationsdschungel schlagen. Wie ein Leuchtturm in der Informationsflut wirken. Oder wegweisend durch  Textwüsten führen.

Allerdings sollten Sie darauf achten, dass Ihre Sprachbilder nicht verrutschen. Wenn Leuchtturm, dann Meer. Der Leuchtturm im Sprachdschungel oder in der Wüste erzeugt kein stimmiges Bild, sondern ein schiefes und damit unfreiwillige Komik.

Dieses Sprachbild hängt schief

Die Idee zu diesem Text kam mir, als ich diesen Aufdruck auf einer Tüte fand:

Beispiel für missglückte bildhafte Sprache - Zahnfleisch auf Kurs

Jetzt wissen Sie auch, warum ich oben an den Kompass gedacht habe. Der kann zweifellos helfen, den richtigen Kurs zu finden. Allerdings frage ich mich, wohin das Zahnfleisch auf seinem Kurs wohl unterwegs ist … Bestimmt wäre es den meisten Patienten lieber, die Entzündung würde sich davonmachen, das Zahnfleisch aber dableiben.

Der „Kurs“ führt hier eindeutig in die Irre. Beziehungsweise in eine unpassende Bildwelt und damit zu Befremden oder Gelächter. Wenn es unbedingt ein Bild sein soll, dann vielleicht das vom „Bakterienkiller“ (auch wenn das ein wenig martialisch wirkt).

Weitere Beispiele für missglückte bildhafte Sprache

In meinem Fundus habe ich noch zwei hübsche Exemplare gefunden. So bekam ich einmal eine Werbe-E-Mail einer Korrekturleserin, die mich mit folgendem Satz erheiterte:

Sie sind sich gewiss dessen bewusst, dass Rechtschreibfehler einen Webauftritt in einem schiefen Licht erscheinen lassen.

Rechtschreibfehler sind tatsächlich gar nicht gut, wobei ich nicht ausschließe, dass mir ab und zu einer unterläuft. Aber schief ist hier vor allem das Sprachbild, das Licht ist es sicher nicht. Leider rückte damit die Absenderin ihr ganzes Angebot in ein schlechtes Licht.

In einem Ratgebertext las ich diesen Hinweis:

Hier gibt es zahlreiche juristische Fallstricke zu umschiffen.

Vor allem gibt es hier die Vermischung zweier Bildwelten zu bestaunen. Umschiffen kann man Untiefen oder Klippen oder andere Ärgernisse nautischer Art. Fallstricke finden sich auf dem Meer bzw. unter dem Kiel eines Schiffes aber nicht. Sie werden nur Landratten gefährlich. Man könnte sie aber zum Beispiel umgehen, lösen oder auch beherzt durchtrennen.

Haben Sie weitere schöne Beispiele für schiefe Sprachbilder für uns? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

Bildhafte Sprache ist toll - solange die Bilder stimmig sind!

 

Auch in unserem Blog finden Sie weitere Beispiele für bildhafte Sprache, etwa diese:

Eiskalt erwischt: Dieser Vergleich ist werbewirksam

Schiefes Sprachbild auf einer Flasche

1. März 2018
von Judith
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Deutsch-englischer Unsinn: Wo das Wörtchen „mehr“ nicht passt

Unsere Konsumgesellschaft ist unersättlich, und dieser Tatsache will offenbar ein Schild Rechnung tragen, das ich jüngst in einem Klamottenladen gefunden habe:

Mehr Sale - deutsch-englischer Unsinn

Keine Frage: Wer sich hemmungslos in den Schlussverkauf stürzen will, findet hier, was er braucht. Wer jedoch bei alledem noch sprachliche Sinnhaftigkeit erwartet, wird eher enttäuscht. Denn den Sale (= englische Bezeichnung für Schlussverkauf oder auch Ausverkauf) gibt es nur ganz oder gar nicht – nicht aber mehr oder weniger. Korrekt wäre beispielsweise „Mehr reduzierte Artikel auf den anderen Etagen“.

Weniger deutsch-englischer Unsinn ergäbe jedenfalls mehr verständliche Werbung.

Um den eher wenig sinnvollen Einsatz englischer Begriffe im Deutschen geht es auch in folgenden Beiträgen:

Wenn englisch, dann richtig – bitte ohne Pseudoanglizismus!

Käuflicher Irrer – oder nur ein verwirrender Anglizismus?

Bairisch, englisch, benglisch – oder nur noch grässlich?