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Unabsteigbar? Barer Unsinn!

Was höre ich da in der Bundesliga-Berichterstattung? „Werder Bremen ist quasi unabsteigbar!“ Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber bei mir rollen sich bei einem solchen Satz bzw. Wort die Zehennägel auf. Kein Wunder, dass die Autokorrektur rote Ringelchen darunter malt.

Unabsteigbar-unverzichtbar-unverfallbar-neu

„Unabsteigbar“ – grammatisch ist das Unsinn. Barer Unsinn, sozusagen. Genauso wie das Wort „unkaputtbar“, das sich dank der Werbung eines amerikanischen Brauseherstellers inzwischen aber eingebürgert hat und nicht mehr aus dem täglichen Sprachgebrauch wegzukriegen ist. Warum klingt es trotzdem irgendwie falsch?

Ganz einfach: Weil sich sprachlich korrekt nur transitive Verben in Adjektive mit der Endsilbe „-bar“ umwandeln lassen. „Transitiv“ sind Verben, die ein Akkusativ-Objekt nach sich ziehen.  Bei den Verben „lesen“, „befahren“, „vermeiden“ oder „erklären“ beispielsweise stellt sich fast schon automatisch die Frage: „Wen oder was?“ Die Antwort ist dann das Akkusativ-Objekt. Aus einem Verb, das ein solches benötigt, lässt sich ein wohlklingendes Adjektiv bilden: lesbar, befahrbar, vermeidbar, erklärbar. Beim Verb „absteigen“ ist das nicht der Fall. Über das Verb „unabsteigen“ möchte ich gar nichts weiter sagen …

Aber Grammatik hin, Grammatik her – es gibt eben echte Künstler in Sachen Wortbildung. Neben Bundesliga-Berichterstattern fällt mir da noch eine Berufsgruppe ein, die sich hier besondere Verdienste erworben hat: die Juristen. Nicht nur, dass sie uns das schöne Wort „unverfallbar“ beschert haben, nein, sie krönen diese Wortschöpfung auch noch mit einer (juristisch) passenden Substantivierung. Und so muss sich niemand wundern, wenn er in einem Altersvorsorge-Vertrag dann auch noch eine „Unverfallbarkeits-Klausel“ vorfindet. Brrr!

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