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Der Strichpunkt – das unterschätzte Satzzeichen

Satzzeichen - Ausrufezeichen, Fragezeichen, Anführungszeichen, Komma, Punkt, Strichpunkt

Der Strichpunkt ist heute ein Exot unter den Satzzeichen; viele Menschen, die beruflich schreiben, verwenden ihn überhaupt nicht. Das ist aber schade, denn das Semikolon, so der „feinere“ Name des Strichpunkts, ermöglicht Nuancierungen im Text, die ohne ihn einfach wegfallen – und dann fehlen.

Der Strichpunkt: eine Kurzvorstellung

Ein Punkt ist eine klare Sache: Wo er steht, ist der Satz zu Ende. Wenn innerhalb eines Satzes gegliedert werden muss, setzt man ein Komma. Der Strichpunkt besteht dagegen aus einem Punkt und einem Komma, und dieses Erscheinungsbild ist Programm: Das Semikolon setzt man dort, wo ein Punkt zu stark wäre, ein Komma aber zu schwach.

Wann genau ein Punkt „zu stark“ und das Komma „zu schwach“ ist, lässt sich nicht eindeutig sagen; es hängt davon ab, wie der oder die Schreibende das empfindet. Das Semikolon steht also für einen gewissen Interpretationsspielraum, für Mehrdeutigkeit und damit eben nicht für klare Regeln (richtig/falsch). Vermutlich ist das der Grund, warum viele Menschen beim Schreiben im Zweifelsfall auf den Strichpunkt verzichten und sich für die – vermeintliche – Eindeutigkeit entscheiden.

„Das Semikolon ist das Zeichen der Unentschiedenen, der Zauderer, der Grenzgänger, der Wanderer zwischen den Welten. Wir brauchen es.“

Juli Zeh, zitiert in Autoren über das Semikolon

Das gilt keineswegs nur für literarisches Schreiben. Der Strichpunkt hat auch in Sachtexten seine Berechtigung. Vergleichen Sie beispielsweise die Wirkung folgender Sätze:

„Wir müssen die Kosten im Personalbereich senken, das gilt auch für die Ausbildung.“

Das wirkt nüchtern und emotionslos.

„Wir müssen die Kosten im Personalbereich senken. Das gilt auch für die Ausbildung.“

Das ist die knallharte Variante.

„Wir müssen die Kosten im Personalbereich senken; das gilt auch für die Ausbildung.“

Hier scheint ein leichtes Zögern, ein Hauch von Bedauern auf; dafür sorgt das Semikolon.

Was Sie sonst noch über das Semikolon wissen sollten

Es hat grundsätzlich nebenordnende Funktion. Deswegen steht es nie zwischen einem Haupt- und einem Nebensatz. Meistens steht es zwischen Hauptsätzen, manchmal auch in Aufzählungen, in denen Zusammengehörendes gruppiert werden soll.

Beispiel für den Strichpunkt in einer Aufzählung:

„Schriftliche Kommunikation ist mehr als eine Anhäufung von Buchstaben, Wörtern, Sätzen; Zeichen und Symbolen.“

Die Mehrzahl von Semikolon ist übrigens Semikola oder Semikolons.

Satzzeichen

Mehr über die Funktion und den richtigen Einsatz der diversen Satzzeichen finden Sie auf unserer Übersichtsseite Best of Satzzeichen.

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