Satzzeichen

19. Juli 2017
nach Barbara
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Wo und wie Sie den Apostroph richtig setzen

Die Sache ist im Grunde ganz einfach: Man setzt einen Apostroph, um anzuzeigen, dass an der betreffenden Stelle ein oder mehrere Buchstaben ausgelassen wurden. Das wissen die meisten Menschen. Trotzdem sind sich viele nicht sicher, wie sie den Apostroph richtig setzen sollen. Das liegt auch daran, dass der Apostroph nicht immer verpflichtend ist.

Der Apostroph ist bei Auslassungen kein Muss

So gibt es Wörter, die zwar verkürzt, aber so eindeutig sind, dass niemand einen Apostroph braucht. Deswegen wird er üblicherweise nicht gesetzt.

Gern zeig ich das am Beispielsatz „Komm pünktlich ins Büro, sonst lass ich dich rauswerfen!“

Überkorrekt und kaum noch lesbar wäre dagegen die Variante:

Gern’ zeig’ ich das am Beispielsatz „Komm’ pünktlich in’s Büro, sonst lass’ ich dich ‘rauswerfen!“

Dagegen ist der Apostroph recht nützlich, wenn Sie zum Beispiel einen Ausspruch im Dialekt wiedergeben wollen. Hier verbesert es die Verständlichkeit, wenn Sie sehen, wo Buchstaben fehlen.

„’s goht scho, sait d’r Allgaier, ’s muss!“

Den Apostroph richtig setzen

Wenn Sie sich für einen Apostroph entscheiden, sollte er zum einen an der richtigen Stelle und zum anderen auf die richtige Art und Weise gesetzt werden.  Dazu zwei Beispiele, die zeigen, wie es nicht stimmt:

Kinderlädele mit falsch gesetztem Apostroph

Das Kinderlädele (wir gratulieren zum Jubiläum!) krankt an zwei Stellen: Erstens wurde ein französischer Akzent (accent aigu) gesetzt statt des Auslassungszeichens. Das ist im folgenden Beispiel nicht passiert:

Lädele mit falschem Apostroph

Zweitens haben beide den Apostroph an die falsche Stelle gesetzt: Ausgelassen wurden ja die Buchstaben d und a; ausgeschrieben würde es „das Lädele“ bzw. „das Kinderlädele“ heißen. Richtig müsste der Apostroph daher vor dem s stehen, nicht danach. So wie beim Namensschild dieses Fahrradgeschäfts:

Ladenschild, das zeigt, wo Sie den Apostroph richtig setzen

Typografisch ist der Apostroph übrigens eine Katastrophe, denn auf der PC-Tastatur findet sich gar kein richtiges Zeichen dafür. Das Zeichen, das auf der Taste über dem # steht, ist eigentlich das Minutenzeichen. Aber es passt auf jeden Fall besser als der französische Akzent.

Erstaunlicherweise erfreut sich der Apostroph trotz aller Schwierigkeiten großer Beliebtheit. Oft falsch gesetzt wird er auch bei Namen im Genitiv, bei der Pluralbildung oder bei Verkleinerungsformen im Dialekt .

13. Juli 2017
nach Judith
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Zuviel des Guten: missverständliche Werbung im Sonnenstudio

Gewitter, Regen? Kein Problem! Wer seinem Teint eine sommerliche Bräunung verleihen möchte, kann auch in ein Solarium gehen und seine Haut dort gerben lassen. Ein wenig übertrieben ist allerdings das Angebot dieses Sonnenstudios, das offenbar statt einer zehnminütigen Intensiv-Bestrahlung gleich die kompletten Geräte an die Kundschaft verticken will … oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Bräunungsgeräte zum Dauertiefpreis - missverständliche Werbung im Sonnenstudio

Briefprofi Barbara merkt an dieser Stelle noch an, dass zwischen „Top“ und „Bräunungsgeräte“ ein Bindestrich stehen sollte, denn hier soll ja sicherlich hervorgehoben werden, dass es sich nicht um irgendwelche 08/15-Geräte handelt.

Rechtschreibung

6. Juli 2017
nach Barbara
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Rechtschreibung – hier sind die neuen Regeln 2017

Seit Ende Juni enthält das „Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung“ einige neue Regelungen, die Sie kennen sollten. Erarbeitet wurden sie vom Rat für Deutsche Rechtschreibung, der dafür verantwortlich ist, dass die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum bewahrt bleibt. Im Regelteil wurden vor allem die Paragraphen 25 E3 und 63 E4 geändert.

1. Es gibt nun ganz offiziell ein großes Eszett

Falls Sie sich spontan fragen, wofür man das denn brauchen kann: Bisher musste bei der Schreibung in Großbuchstaben (Versalien) ein Eszett durch zwei S ersetzt werden. Dadurch wurde etwa die Flößerstraße zur FLÖSSERSTRASSE und aus Frau Nußbaum eine FRAU NUSSBAUM.

So lautet die offizielle Regelung dazu:

§ 25
E1: (…)
E2: Steht der Buchstabe ß nicht zur Verfügung, so schreibt man ss. In der Schweiz kann man immer ss schreiben. Beispiel: Straße – Strasse
E3: Bei Schreibung mit Großbuchstaben schreibt man SS. Daneben ist auch die Verwendung des Großbuchstabens ẞ möglich. Beispiel: Straße – STRASSE – STRAẞE.

Typografisch gab es zwar das große Eszett schon länger, aber seine Verwendung war nach den amtlichen Regeln der deutschen Rechtschreibung nicht korrekt. Die Problematik der früheren Regelung habe ich im Beitrag s oder ss? schon einmal aufgegriffen und am Beispiel einer Überschrift illustriert, die Großes leisten! hieß und in Versalien eben: GROSSES LEISTEN!

Ab sofort ist GROẞES LEISTEN! nicht nur wünschenswert, sondern auch korrekt geschrieben.

Und wie habe ich das mit dem GROẞEN ẞ jetzt gemacht?

Schließlich findet sich dieser Buchstabe nicht auf der Computertastatur. Aber man kann ihn auf dem Umweg über die Tastenkombination 1E9E Alt-C erzeugen. Damit können wir uns behelfen, bis sich die Tastaturhersteller eine praktischere Lösung einfallen lassen.

2. In bestimmen Fällen ist nun die Großschreibung von Adjektiven erlaubt

§ 63 Feste Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv
(…)
(3) Der adjektivische Bestandteil wird großgeschrieben
(3.1) bei Titeln, Ehren- und Amtsbezeichnungen, zum Beispiel:
der Regierende Bürgermeister, die Königliche Hoheit, der Heilige Vater, der Erste Staatsanwalt, die Leitende Ministerialrätin
(3.2) bei offiziellen sowie kirchlichen Feier- und Gedenktagen, zum Beispiel:
der Erste Mai, der Internationale Frauentag, der Heilige Abend
E4: Bei Funktionsbezeichnungen sowie bei Benennungen für besondere Anlässe und Kalendertage kann großgeschrieben werden, zum Beispiel: der erste/Erste Vorsitzende, der technische/Technische Direktor; die goldene/Goldene Hochzeit, das neue/Neue Jahr

Das komplette amtliche Regelwerk der deutschen Sprache finden Sie übrigens hier.

Speziell das neue Jahr war in der Vergangenheit von sehr vielen Menschen bereits (mit Glückwünschen) zum Neuen Jahr gemacht worden. Zukünftig ist das auch ganz offiziell richtig. Ich persönlich finde es nur konsequent, erst zum Heiligen Abend und dann zum Neuen Jahr gratulieren zu dürfen.

Allerdings hat der Rechtschreibrat ausdrücklicht betont, dass eine weitere beliebte Großschreibung nach wie vor falsch ist, nämlich die beim Willkommensgruß:

Herzlich willkommen! ist und bleibt die einzig richtige Schreibweise

Denn außer in den oben genannten Fällen werden Adjektive nach wie vor klein geschrieben. Dieser freundliche Römer hat sich diesbezüglich also leider geirrt:

Römer mit Schild Herzlich Willkommen

Korrekt wäre allenfalls

Ein herzliches Willkommen!

Denn hier ist Willkommen ein Substantiv, und als solches schreibt man es groß.

3. Bei der Eindeutschung von Fremdwörtern wurde zurückgerudert

Der Rechtschreibrat hat beobachtet, dass sie sich nicht durchsetzen, die komischen „deutschen“ Schreibungen wie Wandalismus oder Ketschup. Deswegen hat er etliche dieser Schreibungen aus seinem Wörterverzeichnis 2017 entfernt.

So ganz konsequent war er dabei aber nicht, wie meine kleine Stichprobe ergeben hat. Denn man schreibt jetzt richtig:

  • Chicorée, aber nicht mehr Schikoree (der mit Sch hatte es übrigens in den Duden ohnehin nie geschafft)
  • Chimäre, aber nach wie vor auch Schimäre
  • Creme, neu auch Crème, aber nicht mehr Krem (die ist im Duden noch als „veraltet“ enthalten)
  • Malaise, nicht mehr Maläse (die hatte es auch nie in den Duden geschafft)
  • Mayonnaise, nicht mehr Majonäse (die steht aber im Duden)
  • Polonaise, aber nach wie vor auch Polonäse (beide im Duden)

Naja, da hat der Rechtschreibrat halt auch in Zukunft noch etwas zu tun, bis er die Malaise mit der Polonäse erledigt hat …

Weitere Tipps zum Thema finden Sie auf unserer Seite Best of Rechtschreibung.

Neue Rechtschreibregeln 2017 zum Pinnen

lauter Verbotsschilder

27. Juni 2017
nach Barbara
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Ein Verbot nett formulieren? Das ist gar nicht so einfach!

Als ich dieses Schild am Schaufenster eines leerstehenden Ladens in der Kemptener Innenstadt gesehen habe, musste ich schmunzeln: Hier hat jemand versucht, etwas zu verbieten, dabei aber freundlich zu wirken. Das ist offensichtlich gar nicht so einfach:

verbot nett formulieren - verboten mit Herz

„Nicht erwünscht“ ist schwach formuliert, „verboten“ dagegen sehr hoheitlich-streng. Mit dem Herzchen wirkt das Verbot zugegebenermaßen gleich viel freundlicher, aber irgendwie auch unentschieden. Ob sich von einem so herzlichen Verbot jemand vom Plakatieren abhalten lässt?

Wie können Sie alternativ ein Verbot nett formulieren?

Zum Beispiel als Bitte:

Bitte nicht plakatieren!

Das ist höflich, birgt aber die Gefahr, dass die Verneinung nicht ankommt, und nur die Aufforderung „plakatieren“ beim Leser hängenbleibt. Wie in diesem Beispiel, bei dem ein ähnliches Schild offensichtlich völlig falsch verstanden wurde.

Besser dürfte daher eine Kombination aus Freundlichkeit (Bitte) und klarem Verbot wirken. Etwa so:

Bitte halten Sie dieses Schaufenster frei – Plakatieren ist hier verboten!

Was meinen Sie dazu?

Allgemein neigen wir in Deutschland ja eher zum Verbieten, weniger zu Erlauben. Das habe ich bereits in diesem Post zu Verbotsschildern dokumentiert. In Sachen Charme und Freundlichkeit könnten wir bei Aufforderungen zu erwünschtem Verhalten einiges von den Österreichern lernen, wie ich hier festgestellt habe.

Bewerbungen

20. Juni 2017
nach Barbara
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Mustertext für einen Zwischenbescheid an Bewerber

Trotz Fachkräftemangels werden viele Unternehmen nach einer Stellenausschreibung nach wie vor von einer Flutwelle an Bewerbungsunterlagen überspült. All diese Unterlagen wollen gesichtet und nach Relevanz sortiert werden, bevor die ersten Absagen und Einladungen zu Vorstellungsgesprächen versendet werden. Oft dauert es mehrere Wochen, bis das erledigt ist. Da ist es nur höflich, die Bewerber darüber zu informieren, dass und wie lange sie auf eine Antwort warten müssen. Zu diesem Zweck erhalten sie einen Zwischenbescheid.

Wie formuliere ich einen Zwischenbescheid? Praxisbeispiele:

Im Rahmen meiner Korrespondenzworkshops bin ich zum Beispiel auf diese Formulierungen gestoßen:

Sehr geehrter Herr Bewerber,

wir danken Ihnen herzlich für Ihre Bewerbung als …

Bitte haben Sie Verständnis, dass die Prüfung aller eingehenden Bewerbungen einige Zeit beansprucht. Zu gegebener Zeit werden wir Sie wieder informieren.

Der Dank ist immerhin freundlich. Aber der zweite Absatz wirkt schon ziemlich kühl. Und was bedeutet „zu gegebener Zeit“? Es klingt nach „irgendwann“. Und wahrscheinlich wird der Bewerber nach zwei oder drei Wochen dann doch anrufen und sich nach dem Stand erkundigen.

Genau diesen Anruf wollte der Absender dieses Schreibens verhindern:

Wir danken Ihnen für die Zusendung Ihrer Bewerbung und das unserem Haus damit entgegengebrachte Vertrauen.

Die Bearbeitung der eingegangenen Bewerbungen wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Wir bitten Sie um ein wenig Geduld.

Nach eingehender Prüfung der Unterlagen werden wir uns unaufgefordert wieder mit Ihnen in Verbindung setzen.

Vermutlich werden die meisten Empfänger durchaus verstehen, dass das bedeutet, sie mögen den Verantwortlichen bitte nicht mit telefonischen Nachfragen nerven. Aber wie lange sollen sie warten? „Ein wenig Geduld“ klingt nach einem kurzen Zeitraum. „nach eingehender Prüfung der Unterlagen“ eher nach einem langen. Hm, das spricht auch für eine telefonische Nachfrage nach zwei bis drei Wochen …

Das Problem ist der Interessengegensatz

Wer eine Bewerbung versendet, möchte verständlicherweise möglichst schnell eine Reaktion bekommen. Er möchte wissen, ob er in die engere Wahl kommt und auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch hoffen darf. Falls nicht, möchte er wenigstens seine Unterlagen so schnell wie möglich zurückbekommen, damit er sie für eine andere Bewerbung verwenden kann.

Auf der Unternehmensseite möchte man dagegen erst einmal Zeit gewinnen, um in aller Ruhe die interessantesten Bewerber herauszufiltern und sich ein genaueres Bild von ihnen zu machen. Je nach Unternehmen müssen dabei unterschiedliche Ressorts und Hierarchiestufen koordiniert werden. Das kann schon eine Weile dauern. Wenn Sie an diesem Prozess beteiligt sind, möchten Sie in dieser Zeit sicher auch nicht täglich Anrufe bekommen, in denen sich jemand erkundigt, wie weit Sie denn sind.

Die Lösung: Machen Sie genauere Zeitangaben

„Das geht doch nicht“, werden Sie jetzt vermutlich denken. So ganz genau können Sie ja gar nicht wissen, wie lange der Chef oder die Fachabteilungen brauchen, um sich zu entscheiden. Es wird aber vermutlich länger als zwei Wochen und kürzer als zwölf (hoffentlich!) dauern. Also nennen Sie in Ihrem Zwischenbescheid eine Zeitspanne dazwischen, die Sie für realistisch halten. Wenn es dann doch deutlich länger dauert, rufen die Leute eben an. Aber wenigstens nicht vorher.

Mustertext für einen bewerber- und bearbeiterfreundlichen Zwischenbescheid

Sehr geehrte Frau Bewerberin,

herzlichen Dank für Ihre Bewerbung als …, die am … bei uns eingegangen ist. Wir freuen uns über Ihr Interesse an dieser Stelle und an unserem Unternehmen und werden Ihre Unterlagen sorgfältig prüfen.

Da wir erfreulicherweise viele Bewerbungen bekommen und mehrere Personen an der Personalauswahl beteiligt sind, werden wir etwa vier ((alternativ: sechs)) Wochen für die Bearbeitung benötigen. Sobald feststeht, welche Bewerber in die engere Wahl kommen, melden wir uns bei Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen

Mustertext für einen Zwischenbescheid

6. Juni 2017
nach Judith
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Eiskalt erwischt: Dieser Vergleich ist werbewirksam

Die meisten unserer Schnappschüsse beschäftigen sich ja mit irgendwie missglückten Werbesprüchen. Davon kann bei diesem Foto nicht die Rede sein. Diese Aufschrift auf dem Schild eines Berliner Kiosks liefert nämlich nicht nur einen anschaulichen, sondern auch einen ausgesprochen humorvollen Vergleich.

Werbeschild mit einem eiskalten Vergleich

Diese Getränke müssen also wirklich eiskalt sein!

lodernde Flammen

29. Mai 2017
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Leidenschaft in Werbeslogans – lieber sparsam dosieren

Als Umworbene haben wir in Sachen leidenschaftliche Werbeversprechen eine gewisse Leidensfähigkeit erworben. Es ist ja auch rührend, was Freiberufler und Unternehmen alles mit Leidenschaft betreiben.

Leidenschaft in Werbeslogans wirkt oft unglaubwürdig

Das musste schon die Deutsche Bank erfahren: Ihr Slogan Leistung aus Leidenschaft wurde angesichts der diversen Skandale und des Aktienkurses im Sinkflug von Spöttern gerne zu „Leistung, die Leiden schafft“ verballhornt. Seit Mai wirbt das Geldinstitut nun mit einem modischen Hashtag: #PositiveImpact bzw. #PositiverBeitrag.

Über Hashtag-Slogans kann man zwar streiten und über den Impact auch. Übrigens hat sich die Deutsche Bank vorsichtshalber gleich den #NegativeImpact schützen lassen. Hihi.

Ich finde es aber grundsätzlich durchaus begrüßenswert, wenn die Leidenschaft der Banker (endlich) durch ihr Bemühen abgelöst wird, einen positiven Beitrag zum finanziellen Wohlergehen ihrer Kunden zu leisten.

Mit Leidenschaft kann Werbung auch unfreiwillig komisch werden

Dieses vollmundige, äh lodernde Leistungsversprechen fand ich auf einem Werbeplakat für eine Zahnarztpraxis:

Werbeschild Zahnerhalt aus Leidenschaft

Ganz ehrlich: Das sind mir zu viel der Gefühle bei einem Zahnarzt! Ein leidenschaftlicher Parodontologe weckt bei mir Assoziationen zu einem, der begeistert Leiden schafft. Kennen Sie den Zahnarzt aus „Der kleine Horrorladen“? Brrr! Da gehe ich lieber zu einem absolut leidenschaftlosen, aber dafür sorgfältigen und fachkompetenten Kollegen.

Was meinen Sie dazu? Ist Leidenschaft für Sie ein rundum positiv besetzter Begriff? Haben Sie weitere leidenschaftliche Fundstücke für unsere Sammlung?

Falls Sie sich aus Leidenschaft mit Werbung beschäftigen: Weitere unfreiwillig komische Werbeslogans hat Briefprofi Judith zum Beispiel auf einer Weinflasche oder bei einer Fensterwerbung zum Davonlaufen gefunden.

rote Mailbox mit Brief

22. Mai 2017
nach Barbara
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Wenn englisch, dann richtig – bitte ohne Pseudoanglizismus!

Kürzlich haben wir uns mit der Frage beschäftigt, ob und wann man Bindestriche verwendet, wenn man zusammengesetzte englische Begriffe in deutschen Schreiben verwendet. Inzwischen gibt es ja ziemlich viele Anglizismen – also englische Ausdrücke, die Eingang in unsere Sprache finden. Oft liegt das daran, dass es für einen Begriff keine echte oder nur eine sehr umständliche deutsche Entsprechung gibt.

Anglizismen sind grundsätzlich okay

Man könnte z. B. statt Electronic Banking auch „Abwicklung von Bankgeschäften auf elektronischem Wege“ schreiben. Oder die Happy Hour durch „eine Stunde, in der alkoholische Getränke verbilligt angeboten werden“ ersetzen. Sprachpuristen würden sich darüber vielleicht freuen. Alle anderen Leser würden sich eher wundern.

Wo ein Anglizismus sinnvoll ist, können Sie ihn also unbesorgt übernehmen, solange Sie sich dabei an die jeweils passenden Rechtschreibregeln halten. Andererseits gibt es auch viele Anglizismen, die überflüssig sind, weil es für sie einen deutschen Ausdruck gibt, der den Sachverhalt genauso trifft und außerdem von jedem verstanden wird. Dann empfehlen wir natürlich die Wahl des deutschen Begriffs.

Eine schöne Auswahlhilfe bei der Entscheidung „Anglizismus oder nicht“ bietet übrigens die Lektorin Dr. Sandra Meinzenbach auf ihrem Blog Textskizzen.

Und was bitte ist ein Pseudoanglizismus?

In unserem letzten Post haben wir uns Gedanken über den „Kaffee zum Wegtragen“ gemacht, den Briefprofi Judith entdeckt hatte. Dieser etwas merkwürdige Ausdruck sollte den Ausdruck Coffee to go ersetzen, was an sich ja eine gute Idee ist. Denn „to go“ ist zwar eine Formulierung aus zwei englischen Wörtern. Aber eine, die niemand im Zusammenhang mit Kaffee versteht, dessen Muttersprache Englisch ist. (Es sei denn, derjenige hat Deutschland bereits bereist und sich einen Reim darauf gemacht, was dieser merkwürdige scheinenglische Ausdruck bedeutet.)

Coffee to go ist damit ein typischer Schein- oder Pseudoanglizismus. Er macht auf Englisch, ist aber schlicht eine deutsche Fehlübersetzung. Ein Engländer oder Amerikaner kauft nämlich einen take away coffee, wenn er einen Kaffee zum Mitnehmen haben möchte.

Weitere Scheinanglizismen, die Sie vermeiden sollten

Nun ist das mit dem Kaffee ja nicht so schlimm, denn in der Geschäftskorrespondenz oder anderen Texten für Ihre englischsprachigen Leser werden Sie ihn ja nicht so oft brauchen. Es gibt aber noch mehr Pesudoanglizismen, auf die Sie im geschäftlichen Zusammenhang hereinfallen könnten. Typische Beispiele sind:

Beamer
Handy
Service Point

Die heißen nämlich in echtem Englisch:

projector
mobile phone
information desk

Falls Sie über Ihre Branche schreiben möchten, ist das nicht die branch (= Ast oder auch Bank), sondern die industry. Und wenn Sie Ihren Chef erwähnen, ist er der boss, denn die Bezeichnung chef ist im Englischen für den Küchenchef reserviert.

Vorsicht bei Reisen mit der Bahn!

Besonders lustig finde ich einen Pseudoanglizismus, den die Deutsche Bahn in die Welt gesetzt hat: Falls Sie einem englischen Korrespondenzpartner empfehlen, er möge doch das Angebot Rail & Fly nutzen, wird er sich sehr wundern. Übersetzt heißt das nämlich „Fluchen und Fliegen“ (to rail = schimpfen, lästern, fluchen). Das kann zwar passieren, wenn man mit der Bahn zum Flughafen reist. Aber gemeint war sicher Rail & Flight (= Schiene und Flug).

Pseudoanglizismus - ein Begriff, der englisch klingt, den aber kein Engländer versteht

10. Mai 2017
nach Judith
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Kaffee zum Wegtragen? Mit Transporteignung? To go?

Es geht wohl nicht bloß mir so: Coffee to go kommt schon wegen des blöden Anglizismus nicht in Frage. Noch dazu ist es ja ein Pseudoanglizismus, denn im Englischen ergibt dieser Ausdruck gar keinen Sinn. Irgendwie seltsam erscheint mir allerdings die folgende Übersetzung ins Deutsche, die einen gewissen Zweifel daran aufkommen lässt, ob das dunkle Gebräu denn überhaupt genießbar ist:

Schild mit Aufschrift Kaffee zum Wegtragen

Hm … soll hier nun die Transportfähigkeit des Kaffees als Hauptvorzug hervorgehehoben werden? Oder ist diese Aufschrift in Wirklichkeit eine Aufforderung dazu, das Getränk sofort in den nächsten Kanal zu kippen? Wir werden es wohl nie erfahren …

Briefprofi Barbara findet übrigens den Versuch der Coffee-to-go-Vermeidung sehr löblich und hat sich Gedanken über Alternativen gemacht.

Wie wäre es z. B. mit

  • Kaffee zum Mitnehmen
  • Kaffee für unterwegs
  • Mitnahme-Kaffee

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