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Lügen wir in E-Mails mehr als am Telefon?

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Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir gar nicht so selten lügen. Nicht richtig schlimm, aber doch ein bisschen: „Oh, ich würde ja gerne kommen, aber ich habe leider schon einen anderen Termin.“ Es ist netter als: „Nö, dazu habe ich wirklich überhaupt keine Lust.“ Aber es ist gelogen. Genauso wie viele andere Ausreden, Komplimente, Entschuldigungen, die wir privat oder beruflich äußern. Etwa zur scheußlichen neuen Frisur der Kollegin: „Steht dir wirklich gut!“ Oder zum wieder einmal total abwegigen Vorschlag des Kollegen: „Super Idee!“

E-Mails, persönliches Gespräch oder Telefonat: Welche Medium verführt eher zum Lügen?

Dazu habe ich ein sehr interessantes Interview in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Psychologie heute gelesen, und zwar mit dem kanadischen Psychologen Jeff Hancock.

Ich dachte, dass man im persönlichen Gespräch am ehrlichsten ist und dass man in E-Mails eher die Wahrheit verbiegt als im Telefonat. Falsch gedacht! Hancock hat das wissenschaftlich untersucht und sagt ganz klar: Im persönlichen Gespräch flunkern wir kaum. Aber am Telefon wird zweieinhalbmal so viel gelogen wie per E-Mail.

Die „Super Idee!-Lügen“ nennt Hancock übrigens „Butler-Lügen“, weil man sie äußert, wenn man nett sein und die Form wahren will.

Das bringt uns zu einer weiteren interessanten Frage:

Welche Faktoren beeinflussen die Ehrlichkeit in der Kommunikation?

Laut Hancock sind es drei Faktoren:

1. Gleichzeitigkeit: Findet die Kommunikation gleichzeitig oder zeitlich versetzt statt?
2. Flüchtigkeit: Sind die Worte flüchtig wie beim persönlichen Gespräch, oder können sie gespeichert, kopiert und weitergeleitet werden?
3. Distanz: Ist der Kommunikationspartner vor Ort oder weit entfernt?

Treffen Gleichzeitigkeit, Flüchtigkeit und große Distanz zusammen, wird am meisten gelogen, weil man zum einen spontan reagieren muss und zum anderen der Gesprächspartner unsere möglicherweise verräterische Mimik nicht sehen kann. Genau das ist am Telefon der Fall. Übrigens auch bei WhatsApp- und anderen Messenger-Nachrichten.

Das sagt der Psychologe dazu:

„In E-Mails flunkern wir viel weniger. Man hat ja Zeit, sich eine elegante Antwort zu überlegen, die einerseits wahr ist und trotzdem niemanden beleidigt.“

Mein Fazit: Wenn Sie erfahren wollen, was Menschen wirklich denken, sollten Sie um schriftliche Stellungnahmen bitten. Oder um ein persönliches Gespräch, von Angesicht zu Angesicht.

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