5 Floskeln, auf die Sie in Ihren Briefen getrost verzichten können

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Floskeln haben den Vorteil, dass man beim Schreiben nicht lange nachdenken muss – sie schreiben sich gewissermaßen von selbst. Leider sagen sie aber inhaltlich kaum etwas aus: Die „Floskel“ ist laut DUDEN nämlich definiert als „inhaltsarme Redensart“. Womöglich schließen Ihre Leser aus der Verwendung von Floskeln, dass Sie ziemlich gedankenlos an die Sache herangegangen sind. Manchmal sind Floskeln auch unfreiwillig komisch. In jedem Fall aber blähen sie Ihre Schreiben unnötig auf.

Entschlacken Sie Ihre Briefe und verzichten Sie auf diese fünf häufig verwendeten Floskeln:

1. „Hiermit erlaube ich mir, …“ (z. B. „folgende Leistungen zu berechnen“)

Wer erlaubt hier wem etwas? Der Schreibende sich selbst? Das ergibt keinen Sinn: Man kann sich selbst gar nicht erlauben, jemand anderem etwas in Rechnung zu stellen oder sonst etwas von ihm zu wollen. Die Erlaubnis dazu müsste schließlich der Adressat des Schreibens geben. Speziell bei der Rechnung geht es ohnehin nicht um „erlaubt oder verboten“, sondern um einen rechtlich durchsetzbaren Vergütungsanspruch, der aus der Erbringung einer vereinbarten Leistung entstanden ist. Deswegen schreibe ich in meinen Rechnungen meistens schlicht und deutlich:

„Für meine Leistungen als … berechne ich vereinbarungsgemäß: …“

2. „Beiliegend übersende ich Ihnen …“

Man stelle sich vor, wie sich der Schreibende in den Briefumschlag zwängt, um tatsächlich „beiliegend“ eine Nachricht zu überbringen … sehr witzig! Schreiben Sie lieber etwas wie

„In der Anlage/Im Anhang finden Sie …“
„Wie gewünscht sende ich Ihnen hier …“

3. „Mit der Bitte um Kenntnisnahme“

Wenn Sie nicht wollten, dass ich das Geschriebene zur Kenntnis nehme, würden Sie mir doch keinen Brief bzw. keine E-Mail schicken, oder? Vielleicht hat der Empfänger nicht immer sofort Zeit zum Lesen, aber sobald er damit begonnen hat, kann er die „Kenntnisnahme“ ohnehin kaum vermeiden.

Meist wird diese Floskel eingesetzt, um deutlich zu machen, dass der Empfänger des Schreibens nur informiert werden soll und weiter nichts zu unternehmen braucht. Das sollte aus dem Text aber ohnehin hervorgehen. Insofern können Sie diese Floskel ohne Verlust für den Leser streichen.

Falls Sie der Intelligenz Ihrer Leser oder Ihren eigenen Formulierungsfähigkeiten nicht ganz trauen, können Sie ersatzweise schreiben:

„Dieses Schreiben dient nur zu Ihrer Information und erfordert keine Antwort bzw. sonstigen Aktivitäten von Ihnen.“

4. „Wir möchten Sie bitten, …“ (z. B. „diese Angaben vertraulich zu behandeln.“)

Neulich las ich das sogar auf einem Schild in einer Hochschultoilette: „Wir möchten Sie bitten, hier nicht zu rauchen!“

Also was jetzt: Möchten Sie mich bitten, was auch immer (nicht) zu tun? Oder tun Sie es? Das Bitten kann ich Ihnen in jedem Fall großzügig erlauben. Aber wenn Sie möchten, dass jemand tatsächlich etwas Bestimmtes tut oder unterlässt, sollten Sie das auch klar als Bitte bzw. Aufforderung formulieren:

„Bitte behandeln Sie diese Angaben vertraulich.“
„Auch hier gilt das allgemeine Rauchverbot – bitte halten Sie sich daran!“


5. „Für Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.“

Mal ehrlich: Wem stehen Sie denn „zur Verfügung“, und das auch noch „gerne“ und „jederzeit“? Die Sklaverei bzw. Leibeigenschaft ist glücklicherweise schon lange abgeschafft. Sicher dürfen Kunden und Geschäftspartner Sie anrufen oder Ihnen eine E-Mail schreiben, wenn sie noch Fragen haben. Sie werden sie auch beantworten. Das ist so selbstverständlich, dass Sie dazu eigentlich gar nichts schreiben müssten. Wenn Sie es trotzdem als Ausdruck Ihrer Dienstleistungsbereitschaft tun möchten, könnten Sie z. B. formulieren:

„Falls Sie noch Fragen haben, können Sie mich gerne unter der Durchwahl -123 anrufen.“

Weitere Überlegungen und Tipps zum Thema Behördensprache finden Sie auf unserer Übersichtsseite Best of Behördendeutsch.

17 Kommentare

  1. Vielen Dank für die Tipps.
    In vielen Büros wird nach dem Motto geschrieben: „So habe ich das doch schon oft gelesen“ oder (mein Lieblingsspruch) „So haben wir das immer schon geschrieben“.
    Gut, dass es auch Menschen gibt, die zeigen wie Korrespondenz verbessert werden kann.
    Liebe Grüße
    Sabine

  2. Interessant. Bei Punkt 5 stimme ich nur bedingt zu. Für Rückfragen zur Verfügung stehen ist kann nicht nur als ein Zeichen von Dienstbeflissenheit gesehen werden. Zur Verfügung stehen bedeutet auch bereit zu sein, die Hausaufgaben gemacht zu haben und in der Sache konkret weiterhelfen zu können. Sicherlich ist der Kontext maßgeblich für die Verwendung dieser Floskel, gerade im Umgang mit unbekannten Personen. Will ich beispielsweise was erledigt sehen, dann signalisiere ich lieber neben dem SgDuH und MfG (die wir ja keinesfalls streichen wollen, selbst ausgewiesene Asoziale werden von uns sehr geehrt) meinetwegen redundant meine offene Kommunikations- und Hilfbereitschaft, als korrekt mit dem Rechtsweg zu drohen.

    Ihre alternative Formulierung halte ich übrigens für unglücklich formuliert, außer Sie bestehen auf die Art des Kommunikationsmittels, das benutzt werden darf, um mit Ihnen Kontakt aufzunehmen.

    • Manches ist sicher Geschmackssache, aber ich bin ziemlich sicher, dass eigentlich niemand einem anderen wirklich „zur Verfügung steht“. Tatsächlich kann ein konkreter Vorschlag wie „erreichen Sie mich unter E-Mail/Tel. …“ auch dazu dienen, die Empfänger auf vom Absender bevorzugte Kommunikationskanäle zu leiten. Das kann man einsetzen, muss es aber nicht. Wer gerne weiterhin zur Verfügung stehen möchte, darf das natürlich auch 🙂

  3. Frage:
    Beim Wort „leider“ gehen die Meinungen auseinander.
    Ist es erlaubt oder nicht? Falls nein, womit wird es ersetzt?

    • Oh, erlaubt ist eigentlich alles, wir sind ja nicht die Sprachpolizei 🙂 „Leider“ kommt aber bei Briefempfängern oft nicht so gut an, weil es als billige Floskel empfunden wird. Es sind ja meist die Negativnachrichten, die man so einleitet: „Leider können wir Ihren Antrag nicht bewilligen …“ Das Bedauern wirkt aber unecht. Hier wäre es aufrichtiger, nur die Gründe zu nennen: „Wir können Ihren Antrag nicht bewilligen, weil …“

  4. Hi,

    unter Punkt 2. geben Sie eine Formulierungshilfe:

    ….in der Anlage finden Sie….

    Was soll denn in der Anlage sein? Richtig muss es heißen: anliegend (zu diesem Brief) erhalten Sie.

    Herzlichen Gruß!

    • Ich gebe zu, dass „in der Anlage“ nicht richtig schön ist, aber es ist sprachlich durchaus korrekt. „Anliegend“ gefällt mir genauso wenig wie „beiliegend“. Zum Glück können wir alle drei Formulierungen durch eine bessere ersetzen. Zum Beispiel: „Mit diesem Brief sende ich Ihnen …“ Was halten Sie davon?

  5. Ich habe soeben mein Diplom bekommen, darin steht „…hiermit wird bestätigt dass xy die Prüfung als zzz mit der Gesamtnote >sehr gutmit sehr gut< bestanden" nicht völlig reichen? Oder "erfolgreich abgeschlossen"?

    • Ich bin nicht sicher, ob ich die Frage ganz verstanden habe. Stört Sie die Formulierung „mit der Gesamtnote >sehr gut< bestanden“? Damit soll vermutlich ausgedrückt werden, dass mehrere Noten in das Gesamtergebnis eingeflossen sind. „Erfolgreich abgeschlossen“ wäre dagegen wesentlich schwächer in der Wirkung – das ist die Prüfung ja auch, wenn sie gerade noch bestanden wurde.

      • Dummerweise fehlt der mittelteil meines textes…
        Meine frage geht darum dass steht „erfolgreich bestanden“ – wenn man bestanden hat war man ja schon erfolgreich, weil erfolglos bestehen kann man ja nicht *grins*
        Und mit „sehr gut“ ist ja klar dass es erfolgreich gewesen sein muss….

        • Ja, das stimmt natürlich: Erfolglos bestehen geht nicht. Aber >mit der Gesamtnote sehr gut< bestehen ist aus meiner Sicht trotzdem besser als "nur" erfolgreich bestehen. Wie auch immer: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Erfolg!

  6. Mit Verlaub…. ich weiß, auch das ist eine Floskel, aber ich möchte Sie darauf hinweisen, dass es auch sehr schwer ist, wenn man, wie unter Punkt 2 von Ihnen vorgeschlagen, IN DER ANLAGE (Grünanlage?) etwas zu erhalten, wo soll man denn da bloß suchen?????
    Hier muss es korrekt ALS ANLAGE erhalten Sie heißen, denn Ihr Vorschlag ist ebenso falsch wie das bemängelte „beiliegend“

    • Hallo Frau Fischer, Ihre Interpretation mit der Grünanlage ist witzig 🙂 Allerdings sind die Formulierungen „als Anlage“ und „in der Anlage“ tatsächlich beide richtig. Das schreibt übrigens auch die Duden-Redaktion. Aber ich gebe zu, dass es da noch schönere Formulierungen gibt. Etwa: „Die benötigten Unterlagen senden wir Ihnen mit diesem Schreiben zu.“

  7. Eine ehemalige Kollegin hat immer sehr treffend gesagt: „In der Anlage pinkelt der Hund“, und seit dem ziehe ich das „als“ auch vor.

  8. Hallo,

    die deutsche Sprache ist für mich nach 20 Jahre Lernzeit, immer noch sehr kompliziert. Mein Job verlangt von mir korrekt zu schreiben womit ich immer kämpfen muss. Nun wenn sein muss.

    Hier kann ich „Hoffmayer“ bestätigen, dass ich selbst von einer Innenministerium Mitarbeiterin gesagt bekommen habe:

    „In der Anlage pinkelt der Hund“ . Sie war 1964 in der Verwaltung tätig und damals hat sie ihr Vorgesetzter damit ermahnt.

    • Wie ich bereits als Antwort auf Frau Fischer geschrieben habe: „In der Anlage“ ist eine durchaus korrekte Formulierung. Man muss sie aber nicht verwenden, wenn man sie nicht mag oder dabei an pinkelnde Hunde denkt 🙂

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