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Der Apostroph bei Namen im Genitiv: Von Peterchens Mondfahrt bis zu Tom’s Tacos

Der Apostroph, der im Grunde seines Wesens nur ein schlichtes Auslassungszeichen ist, hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Karriere gemacht: Wo es früher Omas Apfelkuchen und Pauls Pommes gab, werden heute Carmen’s Cupcakes und Tom’s Taco’s beworben.

Das liegt zum einen daran, dass die Apostroph-Regeln der deutschen Sprache nicht ganz eindeutig sind, sondern einen gewissen Interpretationsspielraum lassen. Zum anderen zeigt sich hier wieder einmal der Einfluss der englischen Sprache, denn sie sieht bei Namen im Genitiv immer einen Apostroph vor – allerdings nicht für die Pluralbildung. Die erfolgt regelmäßig durch das Anhängen eines „s“ ohne Apostroph.

Taco’s und Toast’s sind also garantiert falsch, und das in beiden Sprachen.

„Tom’s Tacos“ ist die einzig korrekte Schreibweise, wenn Tom Engländer oder Amerikaner ist. Im Deutschen könnte man darüber streiten, ob es Toms oder Tom’s Tacos sind, obwohl manche Sprachkrittler hier schnell das böse Wort vom „Deppenapostroph“ anführen.

Wie ist das denn nun mit dem Apostroph bei Namen im Genitiv?

Hier greifen drei Regeln:

1. Normalerweise wird vor einem Genitiv-s kein Apostroph gesetzt.

Wenn Peterchen zum Mond fährt, ist Peterchens Mondfahrt das korrekt geschriebene Ergebnis. Die ‘-lose Schreibung gilt für Bayerns Brauereien ebenso wie für Hamburgs Reedereien oder die nützlichen Leistungen der Briefprofis.

2. Ein Apostroph wird zur Kennzeichnung des Genitivs gesetzt, wenn Namen bestimmte Endungen (s, ss, ß, tz, z, x und ce), aber keinen Artikel bei sich haben.

Hat Thomas eine Villa, kann der Genitiv ja nicht durch ein zweites s gekennzeichnet werden. Dann handelt es sich eben um Thomas‘ Villa.

Auf dieses Beispiel bin ich übrigens durch eine Meldung gekommen, laut der ein Investor namens Thomas Manns eine Villa in München Bogenhausen gekauft hat, in der früher einmal der Schriftsteller Thomas Mann mit seiner Familie gelebt hatte. Das inspirierte Katja Riedel in der Süddeutschen Zeitung zu der sehr hübschen (und absolut korrekten) Headline:

Manns Villa wird Manns‘ Villa

Rein sprachlich betrachtet hätte es hätte natürlich auch Fritz‘, Franz‘ oder Alice‘ bescheidene Unterkunft sein können. Oder Toms Hütte.

3. Man kann den Apostroph setzen, um die Grundform eines Personennamens zu verdeutlichen, und zwar vor dem Genitiv-s oder der Adjektivendung -sch.

Der eichendorffsche Taugenichts kann also auch als Eichendorff’scher Taugenichts geschrieben werden. Und Carmen’s Tassenküchlein sind nicht direkt falsch, obwohl man sich auch ohne Apostroph durchaus denken kann, dass die Dame Carmen heißt und nicht Carmens.

Bei Namen mit Verwechslungspotenzial sieht das anders aus: Lucas‘ Würstchenbude gehört eindeutig einem Mann, während Luca’s Würstchen eventuell von einer Frau angeboten werden.

Eigentlich gar nicht so schwierig, die Sache mit dem Apostroph bei Namen im Genitiv, oder?

Apostroph bei Namen im Genitiv

Mehr Tipps zur korrekten Verwendung von Satzzeichen finden Sie übrigens auf unserer Seite Best of Satzzeichen.

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    Lucas‘ Würstchenbude gehört eindeutig einem Mann, während Luca’s Würstchen eventuell von einer Frau angeboten werden.

    Lucas Würstchen werden sicher von einer Frau angeboten.

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      Luca ist tatsächlich ein Name, der sowohl für Frauen als auch für Männer vergeben wird. Es ist nämlich die italienische Form von Lukas; im Italienischen ist Luca ein reiner Männername. In Deutschland wird deswegen vom Standesamt verlangt, dass ein Kind neben Luca noch einen zweiten Vornamen erhält, der das Geschlecht eindeutig erkennbar ist. Insofern können Luca’s Angebote sowohl von einer Frau als auch von einem Mann stammen.

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    Zum Foto „Hansl´s Höhlenstube“ wäre noch anzumerken, dass dies korrekt „Hansl’s“ – also mit Apostroph – und nicht mit Akzentzeichen, geschrieben werden sollte. Ein Umstand, auf den im Artikel nicht eingegangen wurde. Dieser Fehler wird mindestens so oft gemacht wie die Verwendung des Deppenapostrophes. Weiters möchte ich mich gegen die Bezeichnung „böses Wort“ verwehren. Was ist am „Deppen“ eigentlich böse? Betrachtet man die Bedeutung des Wortes näher, so ist dabei weder ein Schimpfwort noch etwas „Böses“ zu entdecken. Nur weil jemand ungeschickt ist (von ursprünglich „[im Dunkeln] tappen“), muss die passende Bezeichnung noch lange nicht böse sein…

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