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Lektorat von Unternehmenstexten – worum geht es dabei?

Wegweiser nach "schlecht" und "gut" - hier im Hinblick auf Fachbegriffe in der Kundenkorrespondenz

Bei einem Lektorat werden Ihre Unternehmenstexte gründlich in die Mangel genommen, durchgewalkt, geglättet und feinsäuberlich in Form gebracht. Dabei geht es um mehr als um Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik.

Ein Lektorat ist viel weitreichender als ein Korrektorat. Ein Lektor tilgt nicht nur objektive Fehler, sondern sorgt vor allem dafür, dass Ihr Text in der Öffentlichkeit einen tadellosen Auftritt hinlegt.

Kernfrage beim Lektorat: Ist die Aussage des Texts überhaupt klar?

Das ist die wesentliche Frage bei allen Texten. Ganz gleich, ob es sich um einen Geschäftsbrief, um eine Präsentation oder um den neuesten Produktflyer handelt, wenn aus Ihrem Text nicht hervorgeht, was Sie eigentlich von Ihrem Leser und Ihrer Leserin wollen, brauchen Sie ihn im Grunde gar nicht erst zu schreiben.

Ein Lektor ist der erste Leser Ihrer Texte. Wenn er etwas nicht versteht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch Ihre eigentlichen Adressaten dies nicht verstehen werden. Vor dem Lektorat wird der Lektor Sie also fragen, was Sie sagen wollen: Wollen Sie für ein Produkt werben? Soll der Empfänger Ihres Briefs Ihnen Unterlagen schicken? Ist der Text für das Internet gedacht und soll zu einem bestimmten Keyword ganz weit oben bei Google und Co. ranken?

Ein Lektor überprüft, ob Ihr Text so gestaltet ist, dass Sie Ihr Ziel damit erreichen können und dass Ihr Leser versteht, was Sie von ihm wollen.

Stil: Ist der Text lesbar?

Viele Briefe, Präsentationen und Aushänge von Unternehmen wirken gestelzt, unbeholfen, unfreiwillig komisch oder sind sogar nahezu unverständlich. Der Grund ist, dass die meisten Menschen glauben, sie müssten ihre Texte in einer besonders gewählten Sprache verfassen. Das Ergebnis ist dann oft ein schwer verständliches Behördendeutsch mit vielen Passivkonstruktionen, unklaren Fremdwörtern und mit verworrenen Bandwurmsätzen.

Im Lektorat fliegen solche Unarten wieder aus dem Text heraus. Der Lektor verwandelt ein distanziertes Passiv in ein freundliches Aktiv, übersetzt Fremdwörter und verteilt großzügig Satzpunkte im Text. Am Ende des Lektorats steht dann ein gut lesbarer Text, der gefällig ist und es Ihrem Publikum leicht macht, ihn zu lesen und zu verstehen.

Corporate Language: Passt der Text zu Ihrem Unternehmensimage?

Neben dem Stil prägt vor allem die gewählte Sprache Ihre Texte. Und die kann je nach Unternehmen und Zielgruppe ganz unterschiedlich sein. Eine klassische Unternehmensberatung wird eher eine sachlich-nüchterne Sprache benutzen, ein junges Start-up baut mehr „hippe“ und „coole“ Ausdrücke in seine Texte ein.

Die Schwierigkeit liegt für viele Unternehmen darin, die einmal gewählte Sprache über alle Texte weitgehend durchzuhalten. Der Werbebrief spricht die Leser und Leserinnen locker-flockig an, aber alle weitere Korrespondenz ist staubtrocken? Mal verwenden Sie das vertrauliche „Du“, dann wechselt die Kommunikation plötzlich zum reservierten „Sie“? Solche Brüche können dem Unternehmensimage schaden. Ein Lektor wird daher immer versuchen, Ihrem Unternehmen seine ganze eigene Sprache zu geben.

Das ist eine Gradwanderung, denn eine Pressemitteilung gehorcht anderen sprachlichen Regeln als ein Blogpost. Die Kunst ist, dennoch über alle Textformen und Medien einen Wiedererkennungswert zu schaffen. Lektoren sind Profis darin, eine sogenannte Corporate Language zu entwickeln und umzusetzen.

Firmenvorgaben und Schreibweisen: Sind Ihre Texte einheitlich?

Auch wenn Sie keine explizite Corporate Language haben, gibt es in Ihrem Unternehmen vermutlich einige feste Vorgaben für Texte. Das beginnt bei Produkt- und Markennamen, die beispielsweise in Großbuchstaben geschrieben werden sollen, führt über die Frage, ob Sie in Ihren Texten gendern, bis hin zu expliziten Verboten, etwa „keine Anglizismen im Text“.

Beim Lektorat geht es aber nicht nur darum, diese Vorgaben in Ihrem Text konkret umzusetzen. Ein guter Lektor wird darüber hinaus auch selbst eine Liste mit Schreibweisen anlegen. Darin hält er dann fest, wie Zweifelfälle in Ihrem Unternehmen behandelt werden. Setzen Sie ein Komma, wenn Sie einen Hauptsatz mit „und“ verbinden, oder lassen Sie es weg? Schreiben Sie „Mitarbeiter-Leitfaden“ oder „Mitarbeiterleitfaden“? Solche Fragen beantwortet die Schreibweisenliste – und sorgt so dafür, dass alle Schriftstücke im Unternehmen einheitlich gestaltet sind.

Das ist übrigens einer der Gründe, weshalb Sie sich einen Lektor suchen sollten, mit dem Sie langfristig zusammenarbeiten wollen. Er kennt früher oder später Ihre Vorgaben sehr genau und weiß auch, welche Diskussionen Sie rund um bestimmte Wörter und Begriffe schon geführt haben.

Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik im Lektorat: Alles richtig?

Schließlich geht es im Lektorat dann doch noch um korrekte Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik. Ein Lektor kontrolliert natürlich auch, ob Ihre Texte fehlerfrei sind. Allerdings ist ein Lektorat kein Korrektorat. Und ein Korrektorat ist kein Lektorat. Im Lektorat stehen Lesbarkeit, Verständlichkeit, Sprache und Stil im Vordergrund. Ein Lektor wird sich also vorrangig auf diese Punkte konzentrieren.

Und wenn der Lektor einen Text sehr intensiv überarbeiten muss, bis dieser zu Ihrem Unternehmen und zu Ihrer Botschaft passt, kann es passieren, dass er darüber „fehlerblind“ wird. Bestimmt kennen Sie das Phänomen, dass Sie eigene Texte, an denen Sie intensiv gearbeitet haben, nicht mehr selbst Korrektur lesen können. Das Gleiche passiert durchaus auch einem Textprofi, wenn er tief in Ihren Text einsteigt. Bei sehr wichtigen Schriftstücken ist es daher sinnvoll, nach dem Lektorat von einer weiteren Person noch ein Korrektorat durchführen zu lassen.

Cordula Natusch - Text - Lektorat - Korrektorat
Cordula Natusch

Cordula Natusch ist freie Lektorin, Redakteurin und Autorin für Wirtschaft in Hamburg. Für ihre Kunden und Kundinnen schreibt und optimiert sie Wirtschaftstexte aller Art, vor allem Großpublikationen wie Berichte, Sachbücher, Whitepaper und mehr.


 

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