Wegweiser nach "schlecht" und "gut" - hier im Hinblick auf Fachbegriffe in der Kundenkorrespondenz
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Stilfrage: Soll man Füllwörter konsequent streichen – oder lieber nutzen?

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„Darf man eigentlich in der Geschäftskorrespondenz Füllwörter verwenden?“ Diese Frage wurde mir kürzlich bei einem Schreibseminar von einer Teilnehmerin gestellt.

Darf man?

Natürlich dürfen Sie das, denn wer könnte es Ihnen verbieten bzw. ein Verbot durchsetzen? Eine andere Frage ist, ob und welche Wirkung Füllwörter auf den Text haben und ob Sie diese erzielen möchten oder lieber nicht.

Was ist überhaupt ein Füllwort?

Füllwörter sind Wörter, die eigentlich unnötig sind – man könnte den gewünschten Inhalt auch problemlos ohne sie transportieren. Deswegen blähen sie einen Text unnötig auf. Und das ist eben der Grund, warum Korrespondenzpuristen sie als überflüssig ablehnen, gnadenlos aus Texten streichen und in Seminaren oder Ratgebern sogar „verbieten“.

Haben Sie es bemerkt?

„Eigentlich“ ist ein typisches Füllwort, das wir auch beim Sprechen gerne benutzen. Es bedeutet, dass wir ursprünglich etwas im Sinn hatten, das wir dann aber verworfen haben. Ich habe geschrieben, dass diese Wörter „eigentlich unnötig“ sind. Daraus können Sie schon erahnen, dass ich sie doch nicht ganz unnötig finde und nicht zur Füllwort-Polizei gehöre. Diese Wörter haben nämlich (schon wieder eines!) eine Funktion, die ich beim Schreiben oft als nützlich erachte:

Füllwörter bringen Emotionalität

Füllwörter helfen dabei, einen Text emotionaler zu gestalten und damit die Leser wirkungsvoller anzusprechen. Sie machen Texte angenehmer zu lesen.

Vergleichen Sie selbst: Hier ist der Absatz von oben, ganz ohne unnötige Wörter:

Füllwörter sind Wörter, die unnötig sind – man könnte den gewünschten Inhalt ohne sie transportieren. Deswegen blähen sie einen Text unnötig auf. Das ist der Grund, warum Korrespondenzpuristen sie als überflüssig ablehnen, aus  Texten streichen und in Seminaren oder Ratgebern „verbieten“.

Das liest sich nun doch wie von der Sprachpolizei verfasst, oder?

Sie sollten damit aber nicht übertreiben!

Das soll nun nicht heißen, dass Sie zukünftig praktisch alle Sätze sozusagen mit Füllwörtern vollstopfen und gewissermaßen irgendwie aufgeblähte Texte verfassen sollten. Mein Rat lautet: Setzen Sie sie gezielt da ein, wo es zum Thema und zum Empfänger Ihres Schreibens passt und streichen Sie sie dort, wo sie tatsächlich überflüssig sind.

Stilfrage: Soll man Füllwörter konsequent streichen – oder lieber nutzen?

2 Kommentare

  1. Schöner Artikel zu diesem Thema! Die Verbannung von Füllwörtern ist vielleicht auch einer falsch verstandenen „Content-Optimierung“ und Aufbereitung für Google geschuldet. Sicherlich haben Füllwörter nichts in „sprechenden“ URLs von Webseiten zu suchen. Doch Texte die allzu sehr auf Suchmaschinenoptimierung getrimmt sind, will auch keiner lesen: Keyword in der Überschrift, Wiederholung des Keywords im ersten Satz und in der ersten Überschrift. Mag ja sein, dass Google das gut findet – aber wer mag liest so was?
    Für Entwickler von Tools die z. B. Füllwörter aus „sprechenden“ URLs ausfiltern möchten, pflege ich eine Füllwörter-Liste (bei GitHub damit sie jeder der möchte kopieren, ergänzen und weiternutzen kann), siehe https://github.com/RalphGL/fuellwoerter/blob/master/fuellwoerter.txt

    • Ja, bei Online-Texten ist das ein interessanter Aspekt, den ich in meinem Blogpost nicht berücksichtigt hatte. Vielen Dank für den Hinweis!

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