Rechtschreibung

ß oder ss? Die Eszett-Regeln im Überblick

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Hinweis: Diesen Beitrag habe ich im Juli 2017 upgedatet, da sich die amtlichen Rechttschreibregeln zum großen Eszett inzwischen geändert haben.

Erst kürzlich hörte ich bei einem Kundengespräch wieder einmal die Meinung, dass es seit der letzten Rechtschreibreform doch gar kein „scharfes S“ mehr gäbe. Entsprechend lautete der Slogan, den man dort für eine neue Kampagne präsentierte:

Grosses leisten!

Das ist aber nach den Regeln der deutschen Rechtschreibung leider falsch.

Grundsätzlich gelten folgende Regeln für die Verwendung von ß und ss

  1. Wird nach einem langen Vokal oder einem Doppellaut (wie ie oder ei) der s-Laut scharf (= stimmlos) gesprochen, schreibt man ß. Beispiele: heiß, süß, bloß
  2. Ausgenommen sind die Wörter, bei denen im Wortstamm ein weiterer Konsonant folgt (Beispiele: Biest, meist, wüst) und bei denen es in einer Beugungsform einen stimmhaften s-Laut gibt. Beispiele: Maus/Mäuse, Eis/eisig
  3. Ein stimmloses „s“ nach einem kurzen Vokal schreibt man als „ss“. Beispiele:  Kuss, kess, krass
  4. Ausgenommen sind Wörter, die auf „-nis“ enden und einige Fremdwörter. Beispiele: Ersparnis, Atlas

Damit ist die Sache zunächst klar: „Groß“ spricht man mit langem Vokal und stimmlosem s, daher muss hier ein Eszett geschrieben werden.

Großes leisten!

Die offiziellen Regeln zur ss/ß-Schreibung findet ihr auch hier auf der Duden-Website.

Und wie ist das mit dem Eszett als Großbuchstabe?

Jahrhundertelang gab es gar kein großes Eszett, was insofern logisch ist, als es kein Wort gab und gibt, das mit einem Eszett beginnt. Deswegen sah die offizielle Rechtschreibregelung vor, dass bei der Schreibung in Großbuchstaben SS statt ß verwendet wird. Das aber konnte mitunter zu Missverständnissen führen:

KLASSE MASSE!

Der entzückte Ausruf könnte sich auf die Masse oder die Maße des betreffenden Objekts beziehen; worauf, lässt sich anhand dieser Schreibung nicht identifizieren.

Früher schrieb man in diesen Fällen dann tatsächlich „SZ“, um das Eszett als solches kenntlich und damit das betreffende Wort eindeutig zu machen. Dann nutzten manche die, ein ß inmitten der Großbuchstaben zu schreiben. Das galt zwar als typografisch unschön, erleichterte aber das Lesen und Verstehen.

In die amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung wurde das große Eszett erst Mitte 2017 aufgenommen. Meinen Beitrag zur neuen Rechtschreibung 2017 finden Sie hier. Nun heißt es also so verständlich wie richtig:

DER KÜNSTLER WIDUBALD MÜẞIG FINDET: FÜR DEN KUSS DER MUSE IST DIE MUẞE EIN MUSS

Übrigens: Diese Ausführungen gelten nur für die Rechtschreibung in Deutschland. In der Schweiz gibt es kein ß, dort schreibt man beim stimmlosen s-Laut immer ss.

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