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Behördendeutsch in verständliche Sprache übersetzen: Teil 1 – Streckverben

Schon das Wort ist nicht schön: Streckverb klingt so nach Streckfolter. Die sprachwissenschaftliche Bezeichnung ist Funktionsverb, aber das ist auch nicht viel wohlklingender. Wie auch immer: Was ist ein Streckverb, und was haben wir dagegen?

Was sind Streckverben?

Gemeint sind Verben, die sich mit einem Substantiv aufblähen.

Zum Beispiel

„eine Kalkulation vornehmen“

statt

„etwas kalkulieren“

Warum Sie auf diese Bläh-Verben verzichten sollten

Gestreckt klingen die Verben zwar hoheitsvoller und damit irgendwie behördenmäßiger. Dafür machen sie einen Text aber umständlich und vor allem weniger verständlich.

Hier schaffe ich dem geneigten Leser die Möglichkeit, obenstehende Behauptung einer Prüfung zu unterziehen und aus eigener Anschauung zur Erkenntnis zu gelangen, dass eine Häufung von Streckverben in einem Satz zu geringer Verständlichkeit führt.

Spätestens nach diesem Satz habe ich Sie hoffentlich davon überzeugt, dass Sie verständlicher schreiben, wenn Sie auf Streckverben verzichten.

Meistens kann man sie sowieso durch schöne, einfache Verben ersetzen.

Typische Beispiele für Streckverben und wie Sie es besser machen

  • Die Möglichkeit schaffen bedeutet: etwas ermöglichen.
  • Wer mit anderen ein Gespräch führt, kann auch einfach etwas besprechen.
  • Wenn diese Besprechung zu einem Ergebnis führt, kann sich daraus schlicht etwas ergeben.
  • Sobald sich das Projekt in der Ausführung befindet, wird es ausgeführt, und wenn man zum aktuellen Stand eine Rückmeldung gibt, kann man stattdessen etwas rückmelden.
  • Am Ende müssen die Dienstleister dann ihre Leistungen nicht umständlich zur Abrechnung bringen, sondern sie rechnen sie ab. Kurz und gut.

Weitere Überlegungen und Tipps zum Thema Behördensprache finden Sie auf unserer Übersichtsseite Best of Behördendeutsch.

4 Kommentare

    • Stimmt, es ist sicher kein sehr starkes Verb, aber eines, das man doch ab und zu brauchen kann. Das richtig schlimme Behördendeutsch ergibt sich ja nicht aus einer Nominalisierung hier und einem Streckverb dort, sondern aus der enormen Häufung von Konstruktionen, die Sprache sperrig und schwer verständlich machen.

      Antworten

  1. Sehr schöne Beispiele!
    Wenn ich schreibe, versuche ich immer, den Nominalstil zu vermeiden. Bei Streckverben geht das sehr gut, aber bei anderen Nominalstil-Formulierungen lässt sich das Substantiv oft nur durch Bildung eines ganzen Nebensatzes umgehen.

    Ein Beispiel ist der vorige Satz: „durch Bildung eines ganzen Nebensatzes“ ist Nominalstil. Wenn ich den umgehen will, muss ich schreiben:
    „… lässt sich die Nominal-Formulierung oft nur umgehen, indem man einen ganzen Nebensatz bildet.“

    Im Verbalstil klingt die Aussage zwar weniger gestelzt, ist aber dafür umständlicher, finde ich. Bei diesem Beispiel hätte ich sogar noch die unschöne Formulierung mit „man“, und die könnte ich auch nur durch die ebenso unschöne Passiv-Formulierung ersetzen:
    „… indem ein ganzer Nebensatz gebildet wird.“

    Da fehlt der deutschen Sprache eine schön klingende Option. Oder es gibt eine und ich kenne sie nicht. 🙂

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  2. @Julia
    Sie haben mit dem Verbalstilbeispiel völlig recht. Allerdings wird der Satz dann noch länger und endet dann womöglich in einem „Schachtelsatz“. Dann wären wir wieder beim Behördendeutsch.
    @Barbara
    „sondern aus der enormen Häufung von Konstruktionen, die Sprache sperrig und schwer verständlich machen“
    Hoffentlich lesen hier auch ein paar Juristen mit…

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