Behördendeutsch in verständliche Sprache übersetzen: Teil 2 – Nominalstil

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Wenn wir miteinander sprechen und uns etwas erzählen, verwenden wir Sätze mit vielen (Voll-)Verben: „Ich bin in die Stadt gefahren, habe dort etwas eingekauft und mit Lisa einen Kaffee getrunken.“ Das ist der Verbalstil. Wenn wir schreiben, insbesondere, wenn es „offiziell“ klingen soll, verfallen wir dagegen schnell in den Nominalstil, der sich durch die Verwendung vieler Substantive und Substantivierungen auszeichnet. Das ergibt Sätze mit wenigen Verben und vielen Wörtern, die auf -ung, -keit und -heit enden, dazu gerne auch eine Auswahl an weniger gängigen Fremdwörtern.

Warum der Nominalstil im Behördendeutsch so beliebt ist

Auf Wikipedia habe ich dazu einen Beitrag gefunden, der in diesem wunderbaren Satz die Vorteile des Nominalstils aufzeigt:

„Der Nominalstil ist in wissenschaftlichen, behördlichen und fachsprachlichen Texten weit verbreitet; nicht zuletzt aus Gründen der Sprachökonomie, Diversität im Ausdruck und Reduktion syntaktischer Komplexität bei gleichzeitiger Erhöhung informationeller Dichte.“

Alles klar?

Zweifellos ist auch dieser Satz selbst von hoher informationeller Dichte geprägt. Leider macht ihn das nicht unbedingt gut lesbar und verständlich. Im Gegenteil: Ökonomisch ist dieser Stil allenfalls für den Schreibenden, der Leser muss dagegen einiges an Mühe aufwenden, um zu verstehen, was eigentlich gemeint ist.

Deshalb mein Rat: Wenn Sie möchten, dass Ihre Leser Sie auf Anhieb verstehen, verzichten Sie lieber auf den Nominalstil und setzen stattdessen auf den Verbal stil, auf aktive Formulierungen und möglichst konkrete Verben. Sollten Sie die Leser mit dem Grad Ihrer Fähigkeit zur Syntaxkomplexitätsreduktion und Informationsdichteerzeugung beeindrucken wollen, können Sie den Nominalstil natürlich auch gezielt zu diesem Zweck einsetzen.

Vergleichen Sie selbst, welche Variante Ihnen besser gefällt bzw. leichter zu verstehen ist:
Nominalstil-Beispiele

Weitere Überlegungen und Tipps zum Thema Behördensprache finden Sie auf unserer Übersichtsseite Best of Behördendeutsch.

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