Floskel – www.diebriefprofis-blog.de http://diebriefprofis-blog.de Tipps und News rund ums Schreiben im Beruf Mon, 18 Apr 2016 09:51:34 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.5 Fragwürdige Partnerschaft http://diebriefprofis-blog.de/fragwuerdige-partnerschaft/ http://diebriefprofis-blog.de/fragwuerdige-partnerschaft/#respond Mon, 07 Dec 2015 10:57:31 +0000 http://diebriefprofis-blog.de/?p=766 „Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei“, das steht bekanntlich schon in der Bibel. Auch die Werbeagenturen haben diese Weisheit längst verinnerlicht, und so versorgen sie uns auf allen möglichen Gebieten mit den passenden Partnern: „Ihr Partner für … Weiterlesen

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„Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei“, das steht bekanntlich schon in der Bibel. Auch die Werbeagenturen haben diese Weisheit längst verinnerlicht, und so versorgen sie uns auf allen möglichen Gebieten mit den passenden Partnern: „Ihr Partner für Systemlösungen“, „Ihr Partner für IT-Sicherheit“, „Ihr Partner für Sanitär- und Haustechnik“. Nicht immer allerdings bin ich geneigt, die angebotene Partnerschaft klaglos zu akzeptieren. Auf einen gewissen inneren Widerstand stößt bei mir beispielsweise dieses Angebot. Mit wem ich mein Bier trinke, ist immer noch meine Sache …

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Ein Brief vom Steuerberater: eine Stilkritik http://diebriefprofis-blog.de/nominalstil-beispiel-und-aufloesung/ http://diebriefprofis-blog.de/nominalstil-beispiel-und-aufloesung/#comments Fri, 13 Feb 2015 09:27:30 +0000 http://diebriefprofis-blog.de/?p=322 Mein Steuerberater, den ich fachlich und menschlich sehr schätze, nimmt mir viel Arbeit ab, die ich als lästig und unangenehm empfinde. Nicht zuletzt sind Steuersachen so unangenehm, weil die Sprache, in der die Steuergesetzgebung, die Schreiben des Bundesfinanzministeriums und der … Weiterlesen

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Mein Steuerberater, den ich fachlich und menschlich sehr schätze, nimmt mir viel Arbeit ab, die ich als lästig und unangenehm empfinde. Nicht zuletzt sind Steuersachen so unangenehm, weil die Sprache, in der die Steuergesetzgebung, die Schreiben des Bundesfinanzministeriums und der Finanzämter abgefasst sind, sperrig bis unverständlich ist. Dies färbt offenbar auf alle ab, die sich beruflich mit Steuern befassen. Nachdem meine letzte Steuererklärung fertig war, bekam ich die Unterlagen nämlich mit folgendem Begleitschreiben zurück:

Steuererklärungen werden von uns beim Finanzamt eingereicht.

Wir bitten Sie um Rücksendung des Kontrolldrucks der Steuererklärungen nach Durchsicht, Richtigbefund und Unterzeichnung.

Stets gerne zu Ihren Diensten verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Als Mandantin habe ich mich natürlich darüber gefreut, dass mein Steuerberater mir gerne „zu Diensten“ ist, und das auch noch „stets“ 🙂

Als berufsbedingt sprachkritischer Briefprofi habe ich mich auch gefreut: Ein so schönes Beispiel für ein umständliches, steifes und floskeliges Schreiben hätte ich mir selbst gar nicht ausdenken können.

Drei Sätze, drei „Behördendeutsch-Sünden“:

  1. Passivkonstruktion – dabei nimmt mir die Kanzlei hier doch ganz aktiv Arbeit ab!
  2. Nominalstil – sechs Substantive in einem 14-Wörter-Satz sind ganz schön viel und das Wort „Richtigbefund“ findet sich nicht ohne Grund in keinem Wörterbuch …
  3. Veraltete Floskel – auch Dienstleister müssen sich nicht zum stets verfügbaren Diener machen.

So könnte das Schreiben in aktive und frische Sprache übersetzt werden:

Die Steuererklärungen reichen wir für Sie beim Finanzamt ein.

Bitte sehen Sie den Kontrolldruck Ihrer Steuererklärungen durch. Falls alle Angaben stimmen, unterschreiben Sie ihn bitte und senden ihn anschließend an uns zurück. Falls etwas nicht stimmt oder Sie Fragen haben, rufen Sie uns einfach an.

Mit freundlichen Grüßen

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Formulierungstipp: Konjunktiv wirkt zögerlich http://diebriefprofis-blog.de/konjunktiv/ http://diebriefprofis-blog.de/konjunktiv/#respond Fri, 13 Jun 2014 18:06:12 +0000 http://diebriefprofis-blog.de/?p=80 Der Konjunktiv ist eine feine Sache, weil man damit sagen kann, was alles möglich wäre, auch wenn es nicht ist. Manchmal wird er in der Korrespondenz auch verwendet, weil er so höflich klingt. Zum Beispiel in einem Einladungsschreiben an einen … Weiterlesen

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Der Konjunktiv ist eine feine Sache, weil man damit sagen kann, was alles möglich wäre, auch wenn es nicht ist. Manchmal wird er in der Korrespondenz auch verwendet, weil er so höflich klingt. Zum Beispiel in einem Einladungsschreiben an einen Kunden:

„Ich würde mich freuen, Sie bei unserer Veranstaltung begrüßen zu dürfen“

Aber mal ehrlich: Wirklich überzeugt sind Sie von ihrem Angebot wohl nicht? Wär halt schön, wenn der Kunde käme (dann würden Sie ihn auch freudig begrüßen), aber wahrscheinlich hat er sowieso keine Zeit … Oder finden Sie im Grunde Ihres Herzens, dass Ihr Kunde zu einer so attraktiven Veranstaltung wie der Ihren einfach kommen muss? Dann sollten Sie das auch sprachlich ausdrücken:

„Ich freue mich darauf, Sie am Freitag bei unserer Veranstaltung begrüßen zu dürfen!“

Das klingt viel überzeugter und überzeugender!

Daher mein Rat: Behalten Sie sich den Konjunktiv für tatsächliche Zweifelsfälle vor: „Ich würde Sie gerne persönlich begrüßen, kann es aber leider nicht, weil …“ – und seien Sie ansonsten sehr zurückhaltend mit der Möglichkeitsform.

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Formulierungstipp: „Möchten“ Sie nicht – tun Sie! http://diebriefprofis-blog.de/formulierungstipp-moechten-sie-nicht-tun-sie/ http://diebriefprofis-blog.de/formulierungstipp-moechten-sie-nicht-tun-sie/#respond Fri, 23 May 2014 06:59:16 +0000 http://diebriefprofis-blog.de/?p=43 Gestern hat mir ein Autohaus eine Einladung zur Neueinführung eines Modells geschickt, das mich durchaus interessieren würde. Leider bin ich gleich im ersten Satz geistig steckengeblieben. Er lautete: „Hiermit möchten wir Sie zur Neueinführung des … am … zwischen 10:00 … Weiterlesen

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Gestern hat mir ein Autohaus eine Einladung zur Neueinführung eines Modells geschickt, das mich durchaus interessieren würde. Leider bin ich gleich im ersten Satz geistig steckengeblieben. Er lautete:

„Hiermit möchten wir Sie zur Neueinführung des … am … zwischen 10:00 und 16:00 in unserem Haus einladen.“

Da frage ich mich unwillkürlich:

Möchten Sie mich einladen (trauen sich aber nicht)?
Oder laden Sie mich wirklich ein?

Sie wirken aufrichtiger und entschlossener, wenn Sie in einem solchen Einladungssatz das „möchten“ weglassen und schreiben, was Sie tun:

„Wir laden Sie herzlich zur Neueinführung des … am … von 10 bis 16 Uhr ein.“

Das Füllwort „hiermit“ haben wir dann auch gleich erledigt (natürlich laden Sie mich mit diesem Schreiben ein, womit denn sonst?), die Uhrzeiten lesefreundlicher gestaltet und auf den überflüssigen Hinweis „in unserem Hause“ verzichtet. Wenn ein Autohaus zur Neueinführung eines Modells einlädt, gehe ich schließlich automatisch davon aus, die Sache fände in den Räumlichkeiten des Unternehmens statt. Ein eigener Hinweis ist nur dann erforderlich, wenn der Veranstaltungsort wider Erwarten nicht dort ist.

Ich gehe am Wochenende übrigens trotzdem hin, um mir das Auto anzusehen …

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