Nominalstil – www.diebriefprofis-blog.de http://diebriefprofis-blog.de Tipps und News rund ums Schreiben im Beruf Mon, 18 Apr 2016 09:51:34 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.5 Grüße vom Amtsschimmel … unter Vorbehalt der Nachprüfung http://diebriefprofis-blog.de/brief-vom-finanzamt-mit-gruessen-vom-amtsschimmel/ http://diebriefprofis-blog.de/brief-vom-finanzamt-mit-gruessen-vom-amtsschimmel/#respond Wed, 01 Apr 2015 09:00:45 +0000 http://diebriefprofis-blog.de/?p=399 Oh wie schön ist Finanzamts-Deutsch! Ich kann gar nicht genug davon kriegen! Da ist alles drin, was mein Bürokratenherz höher schlagen lässt. Konkret: Schachtelsätze, die über einen ganzen Absatz reichen („Falls der Steuerbescheid … die Belege aufzubewahren“) umständliche Partizipialkonstruktionen („die … Weiterlesen

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Oh wie schön ist Finanzamts-Deutsch! Ich kann gar nicht genug davon kriegen! Da ist alles drin, was mein Bürokratenherz höher schlagen lässt.

Finanzamt-Endversion-P1100634

Konkret:

  • Schachtelsätze, die über einen ganzen Absatz reichen („Falls der Steuerbescheid … die Belege aufzubewahren“)
  • umständliche Partizipialkonstruktionen („die Ihrer Steuererklärung beigefügten Belege“, „die Ihnen obliegende Beweislast“, „Rechnungen über an Sie erbrachte Leistungen“)
  • Nominalstil („nach Einlegung eines Einspruchs oder einer Klage bis zum endgültigen Abschluss des Rechtsbehelfsverfahrens“, „für die Dauer von zwei Jahren ab Rechnungserhalt die Pflicht zur Aufbewahrung von Rechnungen über an Sie erbrachte Leistungen von Unternehmen“)
  • Passivsätze („Belege … sollten entsprechend länger aufbewahrt werden“)

Falls Sie Ihre Korrespondenz etwas kundenfreundlicher und netter formulieren wollen, zum Abschluss dieser Tipp: Wenn Sie all dies vermeiden, dann sind Sie schon auf dem richtigen Weg …

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Ein Brief vom Steuerberater: eine Stilkritik http://diebriefprofis-blog.de/nominalstil-beispiel-und-aufloesung/ http://diebriefprofis-blog.de/nominalstil-beispiel-und-aufloesung/#comments Fri, 13 Feb 2015 09:27:30 +0000 http://diebriefprofis-blog.de/?p=322 Mein Steuerberater, den ich fachlich und menschlich sehr schätze, nimmt mir viel Arbeit ab, die ich als lästig und unangenehm empfinde. Nicht zuletzt sind Steuersachen so unangenehm, weil die Sprache, in der die Steuergesetzgebung, die Schreiben des Bundesfinanzministeriums und der … Weiterlesen

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Mein Steuerberater, den ich fachlich und menschlich sehr schätze, nimmt mir viel Arbeit ab, die ich als lästig und unangenehm empfinde. Nicht zuletzt sind Steuersachen so unangenehm, weil die Sprache, in der die Steuergesetzgebung, die Schreiben des Bundesfinanzministeriums und der Finanzämter abgefasst sind, sperrig bis unverständlich ist. Dies färbt offenbar auf alle ab, die sich beruflich mit Steuern befassen. Nachdem meine letzte Steuererklärung fertig war, bekam ich die Unterlagen nämlich mit folgendem Begleitschreiben zurück:

Steuererklärungen werden von uns beim Finanzamt eingereicht.

Wir bitten Sie um Rücksendung des Kontrolldrucks der Steuererklärungen nach Durchsicht, Richtigbefund und Unterzeichnung.

Stets gerne zu Ihren Diensten verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Als Mandantin habe ich mich natürlich darüber gefreut, dass mein Steuerberater mir gerne „zu Diensten“ ist, und das auch noch „stets“ 🙂

Als berufsbedingt sprachkritischer Briefprofi habe ich mich auch gefreut: Ein so schönes Beispiel für ein umständliches, steifes und floskeliges Schreiben hätte ich mir selbst gar nicht ausdenken können.

Drei Sätze, drei „Behördendeutsch-Sünden“:

  1. Passivkonstruktion – dabei nimmt mir die Kanzlei hier doch ganz aktiv Arbeit ab!
  2. Nominalstil – sechs Substantive in einem 14-Wörter-Satz sind ganz schön viel und das Wort „Richtigbefund“ findet sich nicht ohne Grund in keinem Wörterbuch …
  3. Veraltete Floskel – auch Dienstleister müssen sich nicht zum stets verfügbaren Diener machen.

So könnte das Schreiben in aktive und frische Sprache übersetzt werden:

Die Steuererklärungen reichen wir für Sie beim Finanzamt ein.

Bitte sehen Sie den Kontrolldruck Ihrer Steuererklärungen durch. Falls alle Angaben stimmen, unterschreiben Sie ihn bitte und senden ihn anschließend an uns zurück. Falls etwas nicht stimmt oder Sie Fragen haben, rufen Sie uns einfach an.

Mit freundlichen Grüßen

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Neue Studie: Banken schreiben oft schlimmes Behördendeutsch http://diebriefprofis-blog.de/studie-bankensprache-2014/ http://diebriefprofis-blog.de/studie-bankensprache-2014/#comments Fri, 08 Aug 2014 16:38:08 +0000 http://diebriefprofis-blog.de/?p=162 „Behördendeutsch“ findet sich keineswegs nur in Schreiben von Behörden, sondern auch in vielen Unternehmen und anderen Institutionen. Nominalstil, Schachtel- und Bandwurmsätze, Passivkonstruktionen, lange und abstrakte Wörter prägen Texte, die für ihre Leser kaum verständlich sind. Eine gerade veröffentlichte Studie der … Weiterlesen

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„Behördendeutsch“ findet sich keineswegs nur in Schreiben von Behörden, sondern auch in vielen Unternehmen und anderen Institutionen. Nominalstil, Schachtel- und Bandwurmsätze, Passivkonstruktionen, lange und abstrakte Wörter prägen Texte, die für ihre Leser kaum verständlich sind.

Eine gerade veröffentlichte Studie der Universität Hohenheim und der H&H Communication Lab GmbH bescheinigt beispielsweise deutschen Banken in der Kundenkommunikation deutlichen Nachholbedarf. Dazu wurden 168 Dokumente aus 62 Instituten untersucht. Rekordhalter an Unverständlichkeit waren die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), die durch Bandwurmsätze mit bis zu 120 Wörtern und abstraktes sowie fachsprachliches juristisches Vokabular verwirrten. Immer noch ziemlich schlecht verständlich waren die Produktinformationsblätter, wobei die für Spareinlagen besser abschnitten als die für Anleihen. Etwas besser zu verstehen waren immerhin die sonstigen Informationsmaterialien und die FAQs, die häufig gestellten Fragen nebst ihren Antworten.

Wer einmal versucht hat, die AGBs oder sonstige Informationsmaterialien seiner Bank zu lesen und zu verstehen, wird über diese Studienergebnisse nicht überrascht sein. Dabei wäre es oft gar nicht besonders schwer, verständlich zu schreiben – und es würde das Vertrauen in das eigene Kreditinstitut sicher stärken.

Als kleines Beispiel habe ich einmal in den Standard-AGBs der Banken gestöbert und diesen schönen Abschnitt gefunden (§ 18 Abs. 2):

Kündigung aus wichtigem Grund
Ist für eine Geschäftsbeziehung eine Laufzeit oder eine abweichende Kündigungsregelung vereinbart, kann eine fristlose Kündigung nur dann ausgesprochen werden, wenn hierfür ein wichtiger Grund vorliegt, der es dem Kunden, auch unter Berücksichtigung der berechtigten Belange der Bank, unzumutbar werden lässt, die Geschäftsbeziehung fortzusetzen.

Das sind 43 Wörter in einem ziemlich verschachtelten Satz, der noch dazu vom Nominalstil geprägt ist. Hier zeigt sich, wie einfach es wäre, die Verständlichkeit der AGB zu erhöhen, indem man die Verschachtelung beseitigt, aus dem langen Satz drei kürzere macht und einige der Substantivierungen auflöst bzw. streicht:

Fristlose Kündigung
Wenn für einen Vertrag eine Laufzeit oder eine bestimmte Kündigungsregelung vereinbart wurde, kann er vom Kunden nur unter einer Bedingung fristlos gekündigt werden: Es muss ein wichtiger Grund vorliegen, der es für den Kunden unzumutbar macht, die Geschäftsbeziehung fortzusetzen. Die berechtigten Interessen der Bank sind dabei zu berücksichtigen.

Klar. Oder?

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„Behördendeutsch“ in verständliche Sprache übersetzen: Teil 2 – Nominalstil http://diebriefprofis-blog.de/behoerdendeutsch-nominalstil/ http://diebriefprofis-blog.de/behoerdendeutsch-nominalstil/#respond Fri, 27 Jun 2014 13:30:24 +0000 http://diebriefprofis-blog.de/?p=95 Wenn wir miteinander sprechen und uns etwas erzählen, verwenden wir Sätze mit vielen (Voll-)Verben: „Ich bin in die Stadt gefahren, habe dort etwas eingekauft und mit Lisa einen Kaffee getrunken.“ Das ist der Verbalstil. Wenn wir schreiben, insbesondere, wenn es … Weiterlesen

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Wenn wir miteinander sprechen und uns etwas erzählen, verwenden wir Sätze mit vielen (Voll-)Verben: „Ich bin in die Stadt gefahren, habe dort etwas eingekauft und mit Lisa einen Kaffee getrunken.“ Das ist der Verbalstil. Wenn wir schreiben, insbesondere, wenn es „offiziell“ klingen soll, verfallen wir dagegen schnell in den Nominalstil, der sich durch die Verwendung vieler Substantive und Substantivierungen auszeichnet. Das ergibt Sätze mit wenigen Verben und vielen Wörtern, die auf -ung, -keit und -heit enden, dazu gerne auch eine Auswahl an weniger gängigen Fremdwörtern.

Auf Wikipedia habe ich dazu einen Beitrag gefunden, der in diesem wunderbaren Satz die Vorteile des Nominalstils aufzeigt:

„Der Nominalstil ist in wissenschaftlichen, behördlichen und fachsprachlichen Texten weit verbreitet; nicht zuletzt aus Gründen der Sprachökonomie, Diversität im Ausdruck und Reduktion syntaktischer Komplexität bei gleichzeitiger Erhöhung informationeller Dichte.“

Alles klar?

Zweifellos ist auch dieser Satz selbst von hoher informationeller Dichte geprägt. Leider macht ihn das nicht unbedingt gut lesbar und verständlich.

Deshalb mein Rat: Wenn Sie möchten, dass Ihre Leser Sie auf Anhieb verstehen, verzichten Sie lieber auf den Nominalstil und setzen stattdessen auf aktive Formulierungen und möglichst konkrete Verben. Sollten Sie die Leser mit dem Grad Ihrer Fähigkeit zur Syntaxkomplexitätsreduktion und Informationsdichteerzeugung beeindrucken wollen, können Sie den Nominalstil natürlich auch gezielt zu diesem Zweck einsetzen.

Vergleichen Sie selbst, welche Variante Ihnen besser gefällt bzw. leichter zu verstehen ist:
Nominalstil-Beispiele

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