www.diebriefprofis-blog.de » Verbalstil http://diebriefprofis-blog.de Tipps und News rund ums Schreiben im Beruf Thu, 20 Aug 2015 09:28:05 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=4.3 Ein Brief vom Steuerberater: eine Stilkritik http://diebriefprofis-blog.de/nominalstil-beispiel-und-aufloesung/ http://diebriefprofis-blog.de/nominalstil-beispiel-und-aufloesung/#comments Fri, 13 Feb 2015 09:27:30 +0000 http://diebriefprofis-blog.de/?p=322 Mein Steuerberater, den ich fachlich und menschlich sehr schätze, nimmt mir viel Arbeit ab, die ich als lästig und unangenehm empfinde. Nicht zuletzt sind Steuersachen so unangenehm, weil die Sprache, in der die Steuergesetzgebung, die Schreiben des Bundesfinanzministeriums und der … Weiterlesen

Der Beitrag Ein Brief vom Steuerberater: eine Stilkritik erschien zuerst auf www.diebriefprofis-blog.de.

]]>
Mein Steuerberater, den ich fachlich und menschlich sehr schätze, nimmt mir viel Arbeit ab, die ich als lästig und unangenehm empfinde. Nicht zuletzt sind Steuersachen so unangenehm, weil die Sprache, in der die Steuergesetzgebung, die Schreiben des Bundesfinanzministeriums und der Finanzämter abgefasst sind, sperrig bis unverständlich ist. Dies färbt offenbar auf alle ab, die sich beruflich mit Steuern befassen. Nachdem meine letzte Steuererklärung fertig war, bekam ich die Unterlagen nämlich mit folgendem Begleitschreiben zurück:

Steuererklärungen werden von uns beim Finanzamt eingereicht.

Wir bitten Sie um Rücksendung des Kontrolldrucks der Steuererklärungen nach Durchsicht, Richtigbefund und Unterzeichnung.

Stets gerne zu Ihren Diensten verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Als Mandantin habe ich mich natürlich darüber gefreut, dass mein Steuerberater mir gerne „zu Diensten“ ist, und das auch noch „stets“ :-)

Als berufsbedingt sprachkritischer Briefprofi habe ich mich auch gefreut: Ein so schönes Beispiel für ein umständliches, steifes und floskeliges Schreiben hätte ich mir selbst gar nicht ausdenken können.

Drei Sätze, drei „Behördendeutsch-Sünden“:

  1. Passivkonstruktion – dabei nimmt mir die Kanzlei hier doch ganz aktiv Arbeit ab!
  2. Nominalstil – sechs Substantive in einem 14-Wörter-Satz sind ganz schön viel und das Wort „Richtigbefund“ findet sich nicht ohne Grund in keinem Wörterbuch …
  3. Veraltete Floskel – auch Dienstleister müssen sich nicht zum stets verfügbaren Diener machen.

So könnte das Schreiben in aktive und frische Sprache übersetzt werden:

Die Steuererklärungen reichen wir für Sie beim Finanzamt ein.

Bitte sehen Sie den Kontrolldruck Ihrer Steuererklärungen durch. Falls alle Angaben stimmen, unterschreiben Sie ihn bitte und senden ihn anschließend an uns zurück. Falls etwas nicht stimmt oder Sie Fragen haben, rufen Sie uns einfach an.

Mit freundlichen Grüßen

Der Beitrag Ein Brief vom Steuerberater: eine Stilkritik erschien zuerst auf www.diebriefprofis-blog.de.

]]>
http://diebriefprofis-blog.de/nominalstil-beispiel-und-aufloesung/feed/ 1
„Behördendeutsch“ in verständliche Sprache übersetzen: Teil 2 – Nominalstil http://diebriefprofis-blog.de/behoerdendeutsch-nominalstil/ http://diebriefprofis-blog.de/behoerdendeutsch-nominalstil/#comments Fri, 27 Jun 2014 13:30:24 +0000 http://diebriefprofis-blog.de/?p=95 Wenn wir miteinander sprechen und uns etwas erzählen, verwenden wir Sätze mit vielen (Voll-)Verben: „Ich bin in die Stadt gefahren, habe dort etwas eingekauft und mit Lisa einen Kaffee getrunken.“ Das ist der Verbalstil. Wenn wir schreiben, insbesondere, wenn es … Weiterlesen

Der Beitrag „Behördendeutsch“ in verständliche Sprache übersetzen: Teil 2 – Nominalstil erschien zuerst auf www.diebriefprofis-blog.de.

]]>
Wenn wir miteinander sprechen und uns etwas erzählen, verwenden wir Sätze mit vielen (Voll-)Verben: „Ich bin in die Stadt gefahren, habe dort etwas eingekauft und mit Lisa einen Kaffee getrunken.“ Das ist der Verbalstil. Wenn wir schreiben, insbesondere, wenn es „offiziell“ klingen soll, verfallen wir dagegen schnell in den Nominalstil, der sich durch die Verwendung vieler Substantive und Substantivierungen auszeichnet. Das ergibt Sätze mit wenigen Verben und vielen Wörtern, die auf -ung, -keit und -heit enden, dazu gerne auch eine Auswahl an weniger gängigen Fremdwörtern.

Auf Wikipedia habe ich dazu einen Beitrag gefunden, der in diesem wunderbaren Satz die Vorteile des Nominalstils aufzeigt:

„Der Nominalstil ist in wissenschaftlichen, behördlichen und fachsprachlichen Texten weit verbreitet; nicht zuletzt aus Gründen der Sprachökonomie, Diversität im Ausdruck und Reduktion syntaktischer Komplexität bei gleichzeitiger Erhöhung informationeller Dichte.“

Alles klar?

Zweifellos ist auch dieser Satz selbst von hoher informationeller Dichte geprägt. Leider macht ihn das nicht unbedingt gut lesbar und verständlich.

Deshalb mein Rat: Wenn Sie möchten, dass Ihre Leser Sie auf Anhieb verstehen, verzichten Sie lieber auf den Nominalstil und setzen stattdessen auf aktive Formulierungen und möglichst konkrete Verben. Sollten Sie die Leser mit dem Grad Ihrer Fähigkeit zur Syntaxkomplexitätsreduktion und Informationsdichteerzeugung beeindrucken wollen, können Sie den Nominalstil natürlich auch gezielt zu diesem Zweck einsetzen.

Vergleichen Sie selbst, welche Variante Ihnen besser gefällt bzw. leichter zu verstehen ist:
Nominalstil-Beispiele

Der Beitrag „Behördendeutsch“ in verständliche Sprache übersetzen: Teil 2 – Nominalstil erschien zuerst auf www.diebriefprofis-blog.de.

]]>
http://diebriefprofis-blog.de/behoerdendeutsch-nominalstil/feed/ 0