Passiv – www.diebriefprofis-blog.de http://diebriefprofis-blog.de Tipps und News rund ums Schreiben im Beruf Mon, 18 Apr 2016 09:51:34 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.5 Ein Brief vom Steuerberater: eine Stilkritik http://diebriefprofis-blog.de/nominalstil-beispiel-und-aufloesung/ http://diebriefprofis-blog.de/nominalstil-beispiel-und-aufloesung/#comments Fri, 13 Feb 2015 09:27:30 +0000 http://diebriefprofis-blog.de/?p=322 Mein Steuerberater, den ich fachlich und menschlich sehr schätze, nimmt mir viel Arbeit ab, die ich als lästig und unangenehm empfinde. Nicht zuletzt sind Steuersachen so unangenehm, weil die Sprache, in der die Steuergesetzgebung, die Schreiben des Bundesfinanzministeriums und der … Weiterlesen

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Mein Steuerberater, den ich fachlich und menschlich sehr schätze, nimmt mir viel Arbeit ab, die ich als lästig und unangenehm empfinde. Nicht zuletzt sind Steuersachen so unangenehm, weil die Sprache, in der die Steuergesetzgebung, die Schreiben des Bundesfinanzministeriums und der Finanzämter abgefasst sind, sperrig bis unverständlich ist. Dies färbt offenbar auf alle ab, die sich beruflich mit Steuern befassen. Nachdem meine letzte Steuererklärung fertig war, bekam ich die Unterlagen nämlich mit folgendem Begleitschreiben zurück:

Steuererklärungen werden von uns beim Finanzamt eingereicht.

Wir bitten Sie um Rücksendung des Kontrolldrucks der Steuererklärungen nach Durchsicht, Richtigbefund und Unterzeichnung.

Stets gerne zu Ihren Diensten verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Als Mandantin habe ich mich natürlich darüber gefreut, dass mein Steuerberater mir gerne „zu Diensten“ ist, und das auch noch „stets“ 🙂

Als berufsbedingt sprachkritischer Briefprofi habe ich mich auch gefreut: Ein so schönes Beispiel für ein umständliches, steifes und floskeliges Schreiben hätte ich mir selbst gar nicht ausdenken können.

Drei Sätze, drei „Behördendeutsch-Sünden“:

  1. Passivkonstruktion – dabei nimmt mir die Kanzlei hier doch ganz aktiv Arbeit ab!
  2. Nominalstil – sechs Substantive in einem 14-Wörter-Satz sind ganz schön viel und das Wort „Richtigbefund“ findet sich nicht ohne Grund in keinem Wörterbuch …
  3. Veraltete Floskel – auch Dienstleister müssen sich nicht zum stets verfügbaren Diener machen.

So könnte das Schreiben in aktive und frische Sprache übersetzt werden:

Die Steuererklärungen reichen wir für Sie beim Finanzamt ein.

Bitte sehen Sie den Kontrolldruck Ihrer Steuererklärungen durch. Falls alle Angaben stimmen, unterschreiben Sie ihn bitte und senden ihn anschließend an uns zurück. Falls etwas nicht stimmt oder Sie Fragen haben, rufen Sie uns einfach an.

Mit freundlichen Grüßen

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„Behördendeutsch“ in verständliche Sprache übersetzen: Teil 3 – Passivkonstruktionen http://diebriefprofis-blog.de/behoerdendeutsch-in-verstaendliche-sprache-uebersetzen-teil-3-passivkonstruktionen/ http://diebriefprofis-blog.de/behoerdendeutsch-in-verstaendliche-sprache-uebersetzen-teil-3-passivkonstruktionen/#respond Fri, 04 Jul 2014 15:19:59 +0000 http://diebriefprofis-blog.de/?p=106 Das Passiv wird in der Sprachwissenschaft als „Leideform“ bezeichnet, weil es ausdrückt, dass etwas mit jemandem (oder etwas) geschieht. Beispiel: „Gestern wurde ich von einem heftigen Regenschauer überrascht.“ Das Ergebnis dieses so genannten Vorgangspassivs (vom Schauer überrascht werden) kann ein … Weiterlesen

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Das Passiv wird in der Sprachwissenschaft als „Leideform“ bezeichnet, weil es ausdrückt, dass etwas mit jemandem (oder etwas) geschieht.

Beispiel: „Gestern wurde ich von einem heftigen Regenschauer überrascht.“

Das Ergebnis dieses so genannten Vorgangspassivs (vom Schauer überrascht werden) kann ein Zustandspassiv sein:

„Da ich keinen Schirm dabei hatte, war ich nass bis auf die Haut, als ich heimkam.“

Ja, da gab es etwas zu erleiden.

Das Passiv ist sprachlich durchaus berechtigt, nämlich überall da, wo

  • das Erleiden/Geschehen im Vordergrund stehen soll
  • jemand keine aktive Rolle spielte bzw.
  • es nicht darauf ankommt oder nicht bekannt ist, wer genau der aktive Teil an der Sache war.

Beispiel: „Wir sind Opfer einer Hackerattacke geworden – unsere Kundendaten wurden gestohlen.“ Das wirkt außerdem neutraler und objektiver als beispielsweise die Aussage: „Irgendwelche kriminellen Hacker haben unsere Kundendaten gestohlen!“.

Das Passiv wird gerne auch da eingesetzt, wo der eigene Beitrag zum Geschehen verschleiert werden soll.

Beispiel: „Der Termin kann leider aufgrund unvorhergesehener Lieferverzögerungen nicht eingehalten werden.“ Das bedeutet tatsächlich: „Wir können den Termin leider nicht einhalten, weil …“

Gut, in diesem konkreten Beispiel kann der Schreibende hoffen, der Kunde möge sich über die unvorhergesehenen Lieferverzögerungen ärgern und nicht über ihn. Vielleicht aber merkt der Kunde auch, dass sich hier jemand aus der Verantwortung stiehlt und ärgert sich erst recht.

Und es gibt noch ein dickes ABER: Ein Text, der viele Passivkonstruktionen enthält, ist schwer lesbar und wird schnell langweilig. Passivkonstruktionen treten außerdem häufig in Verbindung mit dem Nominalstil auf, was den ganzen Text noch schwerfälliger und unverständlicher macht.

Das können Sie ganz einfach vermeiden, wenn Sie bevorzugt das Aktiv und gegebenenfalls die Sie-Ansprache verwenden. Statt etwa „die Ware wurde heute zum Versand bereitgestellt“ schreiben Sie: „Wir haben die Ware heute versandfertig gemacht.“ Und statt: „Die Richtigkeit der Angaben muss bestätigt werden“ formulieren Sie aktiv: „Bitte bestätigen Sie die Richtigkeit der Angaben.“

Vergleichen Sie selbst:
Passivstil

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