aktive Sprache – www.diebriefprofis-blog.de http://diebriefprofis-blog.de Tipps und News rund ums Schreiben im Beruf Mon, 18 Apr 2016 09:51:34 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.5 „Behördendeutsch“ in verständliche Sprache übersetzen: Teil 3 – Passivkonstruktionen http://diebriefprofis-blog.de/behoerdendeutsch-in-verstaendliche-sprache-uebersetzen-teil-3-passivkonstruktionen/ http://diebriefprofis-blog.de/behoerdendeutsch-in-verstaendliche-sprache-uebersetzen-teil-3-passivkonstruktionen/#respond Fri, 04 Jul 2014 15:19:59 +0000 http://diebriefprofis-blog.de/?p=106 Das Passiv wird in der Sprachwissenschaft als „Leideform“ bezeichnet, weil es ausdrückt, dass etwas mit jemandem (oder etwas) geschieht. Beispiel: „Gestern wurde ich von einem heftigen Regenschauer überrascht.“ Das Ergebnis dieses so genannten Vorgangspassivs (vom Schauer überrascht werden) kann ein … Weiterlesen

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Das Passiv wird in der Sprachwissenschaft als „Leideform“ bezeichnet, weil es ausdrückt, dass etwas mit jemandem (oder etwas) geschieht.

Beispiel: „Gestern wurde ich von einem heftigen Regenschauer überrascht.“

Das Ergebnis dieses so genannten Vorgangspassivs (vom Schauer überrascht werden) kann ein Zustandspassiv sein:

„Da ich keinen Schirm dabei hatte, war ich nass bis auf die Haut, als ich heimkam.“

Ja, da gab es etwas zu erleiden.

Das Passiv ist sprachlich durchaus berechtigt, nämlich überall da, wo

  • das Erleiden/Geschehen im Vordergrund stehen soll
  • jemand keine aktive Rolle spielte bzw.
  • es nicht darauf ankommt oder nicht bekannt ist, wer genau der aktive Teil an der Sache war.

Beispiel: „Wir sind Opfer einer Hackerattacke geworden – unsere Kundendaten wurden gestohlen.“ Das wirkt außerdem neutraler und objektiver als beispielsweise die Aussage: „Irgendwelche kriminellen Hacker haben unsere Kundendaten gestohlen!“.

Das Passiv wird gerne auch da eingesetzt, wo der eigene Beitrag zum Geschehen verschleiert werden soll.

Beispiel: „Der Termin kann leider aufgrund unvorhergesehener Lieferverzögerungen nicht eingehalten werden.“ Das bedeutet tatsächlich: „Wir können den Termin leider nicht einhalten, weil …“

Gut, in diesem konkreten Beispiel kann der Schreibende hoffen, der Kunde möge sich über die unvorhergesehenen Lieferverzögerungen ärgern und nicht über ihn. Vielleicht aber merkt der Kunde auch, dass sich hier jemand aus der Verantwortung stiehlt und ärgert sich erst recht.

Und es gibt noch ein dickes ABER: Ein Text, der viele Passivkonstruktionen enthält, ist schwer lesbar und wird schnell langweilig. Passivkonstruktionen treten außerdem häufig in Verbindung mit dem Nominalstil auf, was den ganzen Text noch schwerfälliger und unverständlicher macht.

Das können Sie ganz einfach vermeiden, wenn Sie bevorzugt das Aktiv und gegebenenfalls die Sie-Ansprache verwenden. Statt etwa „die Ware wurde heute zum Versand bereitgestellt“ schreiben Sie: „Wir haben die Ware heute versandfertig gemacht.“ Und statt: „Die Richtigkeit der Angaben muss bestätigt werden“ formulieren Sie aktiv: „Bitte bestätigen Sie die Richtigkeit der Angaben.“

Vergleichen Sie selbst:
Passivstil

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„Behördendeutsch“ in verständliche Sprache übersetzen: Teil 2 – Nominalstil http://diebriefprofis-blog.de/behoerdendeutsch-nominalstil/ http://diebriefprofis-blog.de/behoerdendeutsch-nominalstil/#respond Fri, 27 Jun 2014 13:30:24 +0000 http://diebriefprofis-blog.de/?p=95 Wenn wir miteinander sprechen und uns etwas erzählen, verwenden wir Sätze mit vielen (Voll-)Verben: „Ich bin in die Stadt gefahren, habe dort etwas eingekauft und mit Lisa einen Kaffee getrunken.“ Das ist der Verbalstil. Wenn wir schreiben, insbesondere, wenn es … Weiterlesen

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Wenn wir miteinander sprechen und uns etwas erzählen, verwenden wir Sätze mit vielen (Voll-)Verben: „Ich bin in die Stadt gefahren, habe dort etwas eingekauft und mit Lisa einen Kaffee getrunken.“ Das ist der Verbalstil. Wenn wir schreiben, insbesondere, wenn es „offiziell“ klingen soll, verfallen wir dagegen schnell in den Nominalstil, der sich durch die Verwendung vieler Substantive und Substantivierungen auszeichnet. Das ergibt Sätze mit wenigen Verben und vielen Wörtern, die auf -ung, -keit und -heit enden, dazu gerne auch eine Auswahl an weniger gängigen Fremdwörtern.

Auf Wikipedia habe ich dazu einen Beitrag gefunden, der in diesem wunderbaren Satz die Vorteile des Nominalstils aufzeigt:

„Der Nominalstil ist in wissenschaftlichen, behördlichen und fachsprachlichen Texten weit verbreitet; nicht zuletzt aus Gründen der Sprachökonomie, Diversität im Ausdruck und Reduktion syntaktischer Komplexität bei gleichzeitiger Erhöhung informationeller Dichte.“

Alles klar?

Zweifellos ist auch dieser Satz selbst von hoher informationeller Dichte geprägt. Leider macht ihn das nicht unbedingt gut lesbar und verständlich.

Deshalb mein Rat: Wenn Sie möchten, dass Ihre Leser Sie auf Anhieb verstehen, verzichten Sie lieber auf den Nominalstil und setzen stattdessen auf aktive Formulierungen und möglichst konkrete Verben. Sollten Sie die Leser mit dem Grad Ihrer Fähigkeit zur Syntaxkomplexitätsreduktion und Informationsdichteerzeugung beeindrucken wollen, können Sie den Nominalstil natürlich auch gezielt zu diesem Zweck einsetzen.

Vergleichen Sie selbst, welche Variante Ihnen besser gefällt bzw. leichter zu verstehen ist:
Nominalstil-Beispiele

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