Verflixte Mehrzahl: Pflege im Plural

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Pflege lässt sich vervielfachen. Wer es nicht glaubt, der lese diese Ankündigung im Schaufenster eines Kosmetikgeschäfts:

Pflege im Plural - Werbeschild für „Gesichtspflegen“

Nach Anwendung von zwei „Pflegen“ wird die Gesichtshaut hoffentlich glatter, zarter und jünger aussehen als vorher. Meine allerdings nicht. Grund dafür sind zwei steile Falten, die sich angesichts dieser Pluralbildung zwischen meinen Augenbrauen gebildet haben.

Pflege im Plural – geht das denn?

Erst ein Blick in die Grammis-Datenbank, das grammatische Informationssystem des Instituts für deutsche Sprache, erklärt, warum mein Stirnrunzeln nicht von ungefähr kommt: Abstrakte Begriffe (Friede, Glanz, Spott) setzt man normalerweise nicht in die Mehrzahl und Substanzbezeichnungen (Gold, Heu, Milch) auch nicht. Von den „Gesichtspflegen“ ganz abgesehen weiß ich jetzt auch, weshalb ich immer Falten bekomme, wenn ein Kunde mir von irgendwelchen „Problematiken“ erzählt.

Der Fairness halber sei aber gesagt, dass es Grenzfälle gibt und dass in der Fachsprache viele Pluralbildungen auch bei Hauptwörtern möglich sind, die eigentlich doch Abstraktes oder bestimmte Substanzen benennen. Öle zum Beispiel. Oder Freizeiten (in der Bedeutung von Zeltlagern). So gesehen mag vielleicht nicht jeder beim Anblick mehrerer „Gesichtspflegen“ wie ich zur verstärkten Faltenbildung neigen.

Faustregel zur Pluralbildung

Falls Sie nach einer ganz einfachen Antwort auf die Frage suchen, welche Wörter man in den Plural setzen kann und welche nicht, dann sei Ihnen folgende Faustregel genannt: Zählbare Wörter lassen sich problemlos in der Mehrzahl verwenden, unzählbare nicht. Eine Tube, zwei Tuben, drei Tuben – das geht; die Pluralbildung ist möglich. Eine Liebe, zwei Lieben, drei Lieben – das geht nicht; also belassen Sie dieses Wort lieber im Singular.

Aber die Pflege im Plural? Eine Pflege, zwei Pflegen, drei Pflegen? Lieber nicht. Und mal ganz ehrlich: Mehrere Problematiken sind auch nicht gerade gut für das seelische Wohlbefinden, oder nicht? Schon einer glatteren Stirn zuliebe sollten Sie solche grammatischen Experimente lieber bleiben lassen …

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